2014: Machs noch einmal, Dieter

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Dass OB Michael Kissel bei der Premierenfeier, leider ein paar Wochen zu früh, derart redselig war, dass es für die Presse ein Leichtes war, den Nachfolger Dieter Wedels herauszufinden, mag ein gewollter Affront gegenüber dem Noch-Intendanten, womöglich aber auch einfach nur der narzisstischen Ader des Stadtoberhauptes geschuldet gewesen sein…

Autor: Frank Fischer

So hatte Kissel darüber fabuliert, dass der Nachfolger Wedels nach den zwei Jahre andauernden Gesprächen bereits seit Anfang des Jahres gefunden sei. Als er den Neuen auch noch als einen „Hochkaräter anpries, der in der ersten Liga spielt“ und für den eine Open-Air-Inszenierung keine besondere Herausforderung sei, stießen die Vertreter der schreibenden Zunft bei Durchsicht der Gästeliste auf den einzigen im Publikum, auf den diese Beschreibung zutraf. Ein Anruf bei Nico Hofmanns Produktionsfirma teamWorx brachte endgültig Klarheit, da sich die Dame am Telefon verplapperte, als sie auf eine Pressekonferenz in zwei Wochen in Worms hinwies. Hat Kissel die Journalisten also bewusst auf die Fährte von Hofmann gebracht, weil er Wedel brüskieren wollte? Schließlich hatte der ein paar Tage zuvor in einem Interview die schlechten Probenbedingungen in Worms kritisiert und wurde nun vor allen vor vollendete Tatsachen gestellt, obwohl er doch eigentlich bei der Suche nach seinem Nachfolger hätte helfen sollen. Aber wer die Kapelle bezahlt, darf schließlich auch die Musik bestellen. Da hat der ebenfalls mit jeder Menge Testosteron ausgestattete Kissel nicht ganz Unrecht. Gegenüber dem Mannheimer Morgen beklagte sich Wedel zwar darüber, dass er die Info nicht direkt vom OB erhalten habe, um dann aber abzuwiegeln: „Aber nach elf Jahren in Worms überraschen mich solche Dinge nicht mehr“. Denn das Verhältnis zwischen Kissel und Wedel war bereits seit 2009 merklich abgekühlt, als der OB ein Spar-Jahr für 2010 verkündete, ohne den Intendanten vorher informiert zu haben, der dann aus der Zeitung erfahren musste, was mit seinen Festspielen passieren sollte. Der Mannheimer Morgen kommentierte den „Streit der Könige“ am 06.07.13 wie folgt:

„Diesen Umgang nach Gutsherrenart hat Wedel nicht verdient. Hat er sich doch für Worms über die Maßen engagiert, zwölf Sommer lang bis zum gesundheitlichen Zusammenbruch geschuftet und der Stadt ein unbezahlbares neues Image verschafft. Es wird spannend, wie Wedel nun seinen Abgang in Worms inszeniert.“

Auch wenn Redakteur Bernhard Zinke eine vorzeitige Trennung andeutet, wird es soweit nicht kommen. Zwischenzeitlich haben sich Beide ausgesprochen und gegenseitig versichert, dass man die Sache ordentlich zu Ende bringen will. Alles andere wäre nach zwölf gemeinsamen Jahren auch ein unwürdiges Schauspiel gewesen…