Der etwas andere Fragebogen

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Diesen Monat: Mechthild Vogel

KURZBIO Mechthild Vogel ist durch und durch Wormserin. Wer schon mal eine ihrer zahlreichen Büttenreden gehört hat, weiß, dass sie zwar mit spitzer Zunge, aber immer mit einer großen Liebe zu ihrer Heimat, spötteln kann. Geboren wurde sie 1964 in der Nibelungenstadt. Nach der mittleren Reife holte sie an der BBS III das Abitur nach und studierte ebenso in Worms Außenhandel. Danach folgte eine Anstellung beim Meininger Verlag in Neustadt. Mit Geburt des ersten Kindes endete allerdings die Verlagskarriere. Die Ansage des damaligen Chefs war schließlich eindeutig: „Wer bei mir schwanger wird, wird gar nichts mehr!“ Zeit also, sich neuen Herausforderungen zu stellen: der Gastronomie und der Fastnacht. Mit der Gastronomie verbindet sie das beliebte Weinhaus Weis, das sie 2001 von ihren Eltern übernahm und seitdem erfolgreich gemeinsam mit ihrem Mann führt. In der Fastnacht ist sie seit 1997 für den Wormser Liederkranz aktiv. 1998 folgte ihr erster Auftritt bei der Karnevalstruppe „Zuckerschnude“ und in der Kampagne nach dem 11. September 2001 die erste Protokoller-Rede. Eine heikle Angelegenheit im Angesicht des brisanten Datums. Doch Mechthild Vogel ist vor allem für ihre Gradlinigkeit bekannt und erklärt hierzu: „Ich weiß noch, wie kontrovers damals darüber diskutiert wurde, ob dieses Ereignis Thema der Fastnacht sein darf – für mich war klar, dass ich nur auftrete, wenn ich dazu meine Meinung sagen darf.“ Auch in der diesjährigen Kampagne nahm sie kein Blatt vor den Mund und textete das beliebte Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ um. Ganz unflätig wurde daraus „Es ist ein Furz entsprungen“ und der hörte auf den Namen „Nibelungen Weihnacht“. Auch der Wormser Stadtchef geriet in Anbetracht seines Bekenntnisses, erneut für das OB Amt kandidieren zu wollen, in ihren Fokus: „Da bekommt der Spruch ,Alter Verwalter’ eine ganz neue Bedeutung.“

Was macht eine gute Büttenrede aus?
Das empfindet jeder anders. Ich mag die „Mainzer Schreierei“ nicht, für andere ist dieser Stil der einzig wahre. Was das Protokoll angeht, lege ich vor allem Wert auf den Inhalt, den roten Faden, die Vermeidung von Phrasen, ein perfektes Versmaß und knackige Pointen! Ganz wichtig ist mir auch unser Wormser Dialekt. In meiner Mundart fühle ich mich wohl und kann besser in Bildern sprechen.

Wie lange schreiben Sie durchschnittlich an einer Rede?
Ich fange ca. eine Woche vor der ersten Sitzung mit dem tatsächlichen Schreiben an. Vorher lese ich verschiedene Jahresrückblicke und parallel die Tagespresse, damit ich aktuelle Bezüge herstellen kann. Das nötige Feedback, was Inhalt des Protokolls werden kann oder soll, hole ich mir bei Freunden und Familie. Da ich nur vormittags ca. zwei Stunden Zeit zum Schreiben habe, muss ich ganz schön Gas geben, um was „Gescheites“ abliefern zu können. Ich brauche leider den Druck…

Was bedeutet für Sie Fastnacht?
Spontane Antwort: Stress! Ansonsten hat es Hoffmann von Fallersleben vor ca. 150 Jahren perfekt in Verse gepackt: „So kommt denn manche Wahrheit wohl an den Tag, die man nicht offenbaren darf und mag. Und mancher singt und mancher sagt, was er doch sonst wohl schwerlich hätte gewagt.“ Auch heute noch ist die Fastnacht ein wichtiges Kulturgut und bietet die Möglichkeit, sowohl Volk als auch Volksvertreter mit der nötigen „Narrenfreiheit“ zum Nachdenken zu bringen. Verkleiden und Massenbesäufnisse sind nicht mein Ding.

Was fehlt Ihrer Meinung nach in Worms?
Geld und der verantwortungsvolle Umgang mit diesem Manko. Außerdem vermisse ich oft eine neutrale, das heißt nicht von Parteibüchern gesteuerte Draufsicht auf die Dinge. Vom Innenstadt-Bebauungsplan bis zum Campingplatz fällt mir einiges ein, was dringend fehlt. Hier alles aufzulisten, sprengt den Rahmen…

Was sind Ihre Wormser Lieblingsorte?
Da gibt es einige: Kiautschau, Pfrimmpark, Friedhof Hochheimer Höhe, Sandbank, Heylshof (gerne ohne Partypeople!) Mein absoluter Lieblingsort ist allerdings mein Bett!

Sie dürfen eine Woche lang die Amtsgeschäfte als OB übernehmen. Was würden Sie tun?
Dürfen? Es müsste schon ein „müssen“ sein, dass ich das tun würde! Viel interessanter und wahrscheinlich wirkungsvoller wäre es, wenn unser OB eine Woche lang meinen Job machen „dürfte“. Raus aus der Verwaltung und rein in die Selbstständigkeit mit all ihren Bürden und Risiken! Wobei ich nicht am Arbeitspensum unseres Stadtchefs zweifele, aber den Perspektivwechsel reizvoll fände…Als Wirt im Weinhaus Weis würden ihm die Menschen wesentlich unverblümter ihre Meinung sagen.

Sie sollen Touristen nach Worms locken. Wie würden Sie denen Worms schmackhaft machen?
Ich würde ihnen anraten, den Imagefilm anzuschauen. Der ist schon ziemlich gut gelungen und macht Lust auf die Stadt. Ansonsten schwärme ich gerne von unserer „grünen Stadt“ mit den wunderschönen Anlagen und alten Bäumen (sofern sie noch stehen und nicht – wie vorm Dom – wegen „Krankheit“ gefällt werden…). Nicht zuletzt kann Worms mit seiner zentralen Lage auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung punkten. Dieser Aspekt wird oft unterschätzt, erhöht aber ebenfalls die Übernachtungszahlen.

Welche bedeutsame Person würden Sie gerne mal kennenlernen und warum?
Keine! Mit den für mich bedeutsamen Menschen stehe ich in Kontakt oder sie sind bereits verstorben. Außerdem gehe ich davon aus, dass die im landläufigen Sinn „bedeutsamen“ Menschen kein Interesse hegen, ausgerechnet mich kennenzulernen.

Was inspiriert Sie?
Alles und nichts. Das ist tagesformabhängig. Natur, Musik und immer wieder einfach „die Mensche un die Leit“…

Bei welcher Beschäftigung finden Sie Entspannung?
Da kommt jetzt der Klassiker: bei einem guten Buch! Der neue Meyerhoff wartet schon auf mich! Außerdem bin ich gern im Wald unterwegs und sammle je nach Jahreszeit Pilze – da kann ich alles um mich herum vergessen. Da ich einen ziemlich stressigen Alltag und wenig Freizeit habe, gilt für mich auch immer wieder der Loriotsche Ausspruch: Einfach nur mal so dasitzen!