Der etwas andere Fragebogen

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Diesen Monat: Marius Loy, Moderator von Poetry Slam Lincoln

KURZBIO Es war das Jahr in dem die Scorpions („Wind of Change“) und Bryan Adams („Everything I do…“) ihre größten Erfolge feierten: 1991. Im November desselben Jahres wurde auch Marius Loy in der intimen Anonymität eines süddeutschen Dorfes geboren. Das Schreiben war schon früh eine große Leidenschaft, wenn auch anfangs nur zum Selbstzweck. Seit 2013 trägt er seine Texte im Rahmen von Poetry Slams auch auf der Bühne vor. Thematisch angesiedelt zwischen Tagespolitik und Quarterlifecrisis arbeitet er sich an seinem Alltag ab. 2015, 2016 und 2017 ist er Teilnehmer bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften im Poetry Slam, 2016 steht er in Stuttgart im Halbfinale der deutschsprachigen Meisterschaften. Er leitete u.a. Seminare zu Poetry Slam für den Bund Deutscher Amateurtheater e.V. und das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Reutlingen. Der freischaffende Moderator, Workshopleiter, Musiker und Slampoet organisierte 2015 in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk der Stadt Freiburg den Polit-Slam im Rahmen des Projektes Wählen 16+ für junge Erstwähler. Marius Loy ist festes Ensemblemitglied der monatlichen Esslinger Lesebühne „Mängeleksemplare“. Im Februar dieses Jahres moderierte er erstmals den Poetry Slam im Lincoln Theater und tritt damit die Nachfolge von Jens Wienand an.

Wer ist Dein absoluter Kindheitsheld?
Die schöne Antwort? Mein Papa! So hab‘ ich sein wollen. Die coole Antwort? Darkwing Duck! Das war ein Held. Die ehrliche Antwort? Ich glaub‘, ich hab’s irgendwie vergessen.

Welche Bühne, auf der du aufgetreten bist, ist deine Lieblingsbühne?
Das ist gegenwärtig ganz sicher die Alte Spinnerei in Esslingen am Neckar. Neben allen Theaterhäusern, allen Festsälen oder Stadthallen, die ich bespielen darf und in denen ich wirklich wunderbare Abende hatte, steht da unscheinbar diese winzige Studiobühne, auf der ich als Teil eines vierköpfigen Ensembles monatlich die schönste, die leckerste Lesebühne im Großraum Esslingen spiele: die „Mängeleksemplare“. Der Saal erlaubt höchstens 40 Zuschauer, die Atmosphäre ist intim und stimmungsvoll, jedwede Skepsis wegen des schmucklosen Äußeren weicht einer ganz großen Wärme, wenn man die Alte Spinnerei betritt. Da spielen wir jeden ersten Donnerstag im Monat – und es fühlt sich für mich an wie ein Event im eigenen Wohnzimmer.

Was ist Dein Lieblingsgeruch?
Frischer Kaffee am Morgen. Ich bin kein Morgenmensch, mein Job hält mich oft bis in die frühen Morgenstunden wach. Da ich viel unterwegs, also wenig zu Hause bin, gibt es nicht viele Konstanten in meinem Tagesablauf. Kaffeegeruch am Morgen löst bei mir ein Daheim-Gefühl aus, ortsunabhängig. Und wach macht er mich auch.

Wie würdest du Dich beschreiben?
Am liebsten gar nicht. Das können Andere.

Welche Musik hörst du?
So viele Herzen schlagen, ach, in meiner Brust! Da ist meine Begeisterung für deutschsprachigen HipHop, die offensichtlich aus meiner Begeisterung für den Umgang mit Sprache und Spielen mit Reimen erwächst. Ich bin Violinist, meine Liebe zu klassischer Musik liegt offen zu Tage. Da ist mein Faible für symphonischen Metal. Für mich Musik aus der Zeit meiner ersten Festivalerfahrungen in einer Szene, die einige der besten Instrumentalisten in der populären Musik vorweisen kann. Und dann sind da Die Ärzte. Und dann ist da Reinald Grebe. Da sind Liedermacher, und da ist der Punk. Ich fürchte, die Frage sprengt den Rahmen.

An welchem Ort würdest Du gerne leben und warum?
Auf dem Mond! No gravity? No problem! Allerdings: auch kein Sauerstoff. Daran scheitert das Projekt.

Welche Eigenschaften kannst Du an anderen Menschen überhaupt nicht leiden?
Eine unliebsame Eigenschaft allein begründet ja noch keine Antipathie gegen den dahinter stehenden Menschen. Aber so gesehen sind da zwei Dinge, die mir den Umgang mit Menschen tatsächlich erschweren: Sprunghaftigkeit und Intoleranz. Und das leite ich eigentlich nur daher ab, dass ich die jeweiligen Gegenstücke im zwischenmenschlichen Umgang einfach erwarte: Verlässlichkeit und Offenheit.

Was war dein erster Eindruck von Worms?
Ich habe Worms zum ersten Mal gesehen, als ich selbst beim Poetry Slam im Lincoln Theater aufgetreten bin. Es hat geregnet an dem Tag und es könnte Oktober gewesen sein, auf jeden Fall war es zudem kalt und windig. Aber ich kam direkt aus Ludwigshafen, und da war es leicht, Worms trotzdem direkt schön zu finden. Der Abend war wunderbar, und als ich am nächsten Tag aus dem Hotel zum Bahnhof spaziert bin, brach die Sonne durch die Wolken. Worms hat sich mir schnell von seiner besten Seite gezeigt, mein erster Eindruck war der von einer charismatischen, einer geschichtsschwangeren, einer schönen Charakterstadt.

Was ist immer in deinem Kühlschrank zu finden?
Ehrlich? ein GAZI-Grillkäse von vergangenem Sommer. Ich muss den wirklich bald wegwerfen.

Wie lässt du einen Abend entspannt ausklingen?
Oh, ich bin ein großer Brettspielenthusiast! Und ich mag Whisky sehr. Brettspiele und Whisky und eine Zigarette auf dem Balkon.