Der Pensionär

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Die etwas andere Bilanz des Georg B.

Am 31. Oktober ist Sozialdezernent Georg Büttler in Rente gegangen und wurde mit einer großen Feier im Mozartsaal verabschiedet. Wir schließen uns den Glückwünschen an. Und zwar dazu, dass der Mann, der im Laufe seiner langen politischen Karriere so einiges verbockt hat, wofür er andernorts aus dem Amt gejagt worden wäre, nun keinen Schaden mehr anrichten kann.

Georg Büttler war insgesamt 16 Jahre hauptamtlich für die Stadt Worms und über zwei Jahrzehnte ehrenamtlich im Stadtrat und im Ortsbeirat in Worms-Abenheim tätig. Er war sechs Jahre Geschäftsführer, 11 Jahre Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und hat in vielen Gremien der Stadt Worms mitgewirkt. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit wurde er vom Land Rheinland-Pfalz mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite offenbart, dass Georg Büttler der örtliche Politiker war, der in seiner Amtszeit zielsicher die meisten Fettnäpfchen angesteuert hat, aber trotzdem nie für die eigenen Verfehlungen oder die seiner Mitarbeiter gerade stehen musste. Dass diese nicht auf seiner großen Abschiedsfeier zur Sprache kamen, dürfte klar sein. Aber sollte man sie deshalb verschweigen? Immerhin hatte der oftmals glücklos agierende Bürgermeister in seiner Funktion als Sozialdezernent die unfassbaren und folgenschweren Fehlentscheidungen im Zuge der Wormser Missbrauchsprozesse (siehe auch Bericht auf der rechten Seite) zu verantworten, mit denen ganze Familien aus Worms ein Leben lang zu kämpfen haben werden. Auch bei der Schwimmbadaffäre um die Entlassung von vier Kassiererinnen des Wormser Spaßbades war der Schorsch mittendrin statt nur dabei – um lediglich zwei der eklatantesten Fälle des munteren Treibens des ehemaligen Grundschullehrers zu nennen. Bereits 1992 hatte Büttler bei einer Personalentscheidung kein glückliches Händchen bewiesen, als er dem damaligen Chef der Freizeitbetriebe öffentlich vorwarf, einen Fehlbetrag in Höhe von 1,3 Millionen Euro verursacht zu haben. Einige Zeit später war von diesem Vorwurf keine Rede mehr, aber trotzdem wurde der öffentlich Gescholtene in Rente geschickt, weil er angeblich eigenmächtig öffentliche Aufträge vergeben habe, wobei allerdings kein Schaden entstanden sei.

ECHTE FREUNDE, STEHN ZUSAMMEN…
Konsequenzen hatte Büttler jedoch nie zu befürchten, weil das rote Blut seiner SPD Parteikollegen nun mal dicker als Wasser ist und man ihm nie vergessen hat, dass er im Wahlkampf 2003, obwohl als OB Kandidat „eigentlich“ an der Reihe, den Weg geräumt hatte für den jüngeren Hoffnungsträger Michael Kissel. Vermutlich, weil viele in den eigenen Reihen seinerzeit gedacht haben: „Den Schorsch kann man doch nicht zum OB machen….“ Als Gegenleistung durfte er als Bürgermeister und somit „Zweithöchster im Freistaat Worms“ ungestraft finanziellen Schaden anrichten, der mitunter in die Hunderttausende ging, und nebenbei dafür sorgen, dass die Stadt Worms immer mal wieder negativ in die Schlagzeilen geriet. Legendär ist in diesem Zusammenhang sein Interview in der Sendung „Panorama“, als er vor den ARD-Kameras kleinlaut zugeben musste, dass seine Mitarbeiter die Gutachten, in denen Pädagogen ausdrücklich die Rückführung der angeblich misshandelten Kinder zu ihren leiblichen Eltern gefordert hatten vermutlich noch nicht einmal durchgelesen, geschweige denn umgesetzt hatten. Dass sich Büttler trotzdem so lange im Amt halten konnte, hatte er auch der CDU, dem langjährigen Koalitionspartner seiner Sozialdemokraten, zu verdanken, die in den entscheidenden Momenten stets eine schützende Hand über das Haupthaar des Sozialdezernenten hielt und ihm widerwillig für Vergehen den Rücken gestärkt hat, für die er in jeder anderen Stadt, außer Worms natürlich, mit ziemlicher Sicherheit seinen Hut hätte nehmen müssen. Vermutlich wurde ihm deshalb nach dem medialen Desaster, im Zuge der Entlassung von vier Schwimmbadkassiererinnen wegen einer „Dubbeskasse“, von allen Seiten verordnet, bis zu seiner Pensionierung öffentlich abzutauchen, bevor er bei der kleinsten weiteren Verfehlung endgültig nicht mehr tragbar wäre.

DIE LETZTE CHANCE
Dafür war der glücklose Schorsch eine beliebte Zielscheibe zur Fastnachtszeit, was bei der letzten Kampagne – im Hinblick auf seine bevorstehende Pensionierung – in der Frage gipfelte: „Warum denn das, warum erst jetzt?“ Hätte Georg Büttler schon früher so viel Rückgrat wie einst sein Parteikollege Willy Brandt bewiesen, wäre auch uns als Verlag, während der Zeit der Berichterstattung über die Wormser Missbrauchsprozesse, einiges an Anwaltskosten erspart geblieben. Aber obwohl er es – trotz allem – bis zur Pensionierung geschafft hat und nun seinen Ruhestand in vollen Zügen genießen kann, hat er am 31. Oktober die letzte Gelegenheit verstreichen lassen, um sich endlich öffentlich bei den Opfern der Wormser Missbrauchsprozesse zu entschuldigen. So bleibt dieser schwarze Fleck der Ära Büttler weiter bestehen.