Der schmerzvolle Weg des Hasses

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Opern Inszenierung „Genoveva“

29. April 2017 | Nationaltheater Mannheim:

Dem deutschen Komponisten Robert Schumann (1810 bis 1856) blieb Zeit seines Lebens die Anerkennung als musikalisches Genie verwehrt. Erst im vergangenen Jahrhundert erfuhr Schumanns Werk größere Aufmerksamkeit. Seine einzige Oper „Genoveva“ führt indes immer noch ein Schattendasein, das aktuell vom Nationaltheater Mannheim aus selbigem geholt wird.

Natürlich blieb der Komponist auch bei „Genoveva“ seinem Hang zur Romantik treu, wobei die Brüchigkeit der Selbigen in der zweiten Hälfte auch heute noch beeindruckt. Basierend auf Motiven der Dichter Ludwig Tieck und Friedrich Hebbel, erzählt die Oper die Geschichte des Pfalzgrafen Siegfried, der in den Glaubenskrieg zieht, um gegen die Mauren zu kämpfen. Zurück bleibt seine Frau Genoveva, die er unter die Obhut Golos stellt. Golo wäre jedoch gerne selbst in den Krieg gezogen und liebt zudem die Frau des Grafen, die jedoch seine Liebe nicht erwidert. Aus Liebe wird Hass. Golo verwickelt Genoveva in eine Intrige, woraufhin für die Frau ein schmerzvoller Leidensweg beginnt. Regisseurin Yona Kim und ihr Ausstatter Herbert Muraurer betten diesen schmerzhaften Weg in ein karges Bühnenbild, das versucht, die psychologischen Abgründe visuell auszuleuchten. Die Mannheimer Fassung ist zuweilen harter Tobak, wenn gegen Ende die Bühne von Dreck und Blut besudelt ist. Klassische Opern-Opulenz, die man bei einem Verdi erwarten würde, ist ihr fremd, was wiederum zu Schumanns mutigen Komposition bestens passt. Man kann nur ahnen, was der Komponist noch zustande gebracht hätte, wäre die Kritik damals gnädiger mit ihm umgesprungen. Die Resonanz, die Yona Kima bisher widerfuhr, war deutlich positiver. Auch WO! schließt sich den Stimmen an und empfiehlt ein klares „Ja“ zum Besuch dieser Oper.

Fazit: Die Mannheimer Inszenierung des Schumann-Oper „Genoveva“ macht es den Zuschauern nicht leicht. Eine anspruchsvolle Komposition zwischen schwelgerisch und dissonant, gepaart mit einem eigenwilligen Bühnenbild. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen gelingt dem Ensemble ein eindrucksvolles Psychodrama.