Der wahre Schatz von Worms oder nur ein Euro-Grab?

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Antrag der Nibelungenfestspiel gGmbH über eine Budgetsteigerung von jährlich rund 200.000 Euro

Gerne erklärt unser amtierender Oberbürgermeister Michael Kissel in Verbindung mit den Nibelungen-Festspielen, dass das Nibelungenlied der eigentliche Schatz sei, den es zu heben gilt. Hierbei sieht er die Festspiele auf dem richtigen Weg und bemerkt auch gerne, dass diese zwischenzeitlich bei den Bürgern in Worms angekommen seien. Das gilt aber längst nicht für alle. Nach wie vor polarisieren die Festspiele in Anbetracht der hohen Kosten.

Jüngsten Auftrieb erhielten diese Diskussionen durch den Antrag im Haupt- und Finanzausschuss (HFA), federführend durch den Geschäftsführer der Nibelungenfestspiel gGmbH, Sascha Kaiser, den städtischen Zuschuss, einhergehend mit der Verlängerung der Intendanz von Nico Hoffmann, für die nächsten fünf Jahre (von 2018 bis einschließlich 2022) um eine Million Euro zu erhöhen. Das entspricht durchschnittlich einer jährlichen Erhöhung um rund 200.0000 Euro. Der Etat soll über die angegebene Zeit hinweg flexibel abrufbar sein. Begründet wurde dies mit steigenden Kosten bei Personal, Sicherheit und Lärmschutz. Zusätzlichen Zündstoff erhielt die Diskussion durch die Erklärung von Richard Grünewald (Bündnis 90/Die Grünen), dass die Festspiele schon jetzt deutlich mehr kosten als die 2014 vereinbarten 1,5 Millionen an städtischem Zuschuss. Tatsächlich addieren sich zu dem Budget auch die Aufwendungen für die Ausstattung des Heylshofparks. Während Grünewald eine Zahl von 434.000 Euro nannte, räumte der Oberbürgermeister später sogar ein, dass die Ausgaben bei 503.000 Euro liegen. Ebenfalls kamen im letzten Jahr Ausgaben für einen besseren Lärmschutz hinzu, der die Stadt 228.000 Euro kostete und in den nächsten Jahren mit einer Abschreibung von jeweils 50.000 Euro zu Buche schlägt, also bereits in die geplante Erhöhung eingerechnet ist. Im HFA stimmten letztlich zehn Mitglieder dafür, während sechs Personen sich für ein „Nein“ entschieden. Die endgültige Diskussion plus anschließender Abstimmung sollte schließlich in der Stadtratssitzung am 26.02. erfolgen.

Diskussion in der Stadtratssitzung

Auch hier wurden ausgiebig die Argumente für und gegen eine Erhöhung des Finanzbedarfs der Festspiele dargelegt. Die FWG hatte zuvor bereits eine Erklärung veröffentlicht, in der sie auf den desolaten Haushalt der Stadt Worms verwies. Fraktionssprecher Englert sieht das Maß des politisch Vertretbaren definitiv erreicht. Eine Sichtweise, die er mit Grünewald teilt. Grünewald befürchtet vor allem, dass es nicht sicher sei, dass die zusätzliche Investition für die fünf Jahre ausreicht und kritisiert, dass man aus seiner Sicht nicht ausreichend transparent gearbeitet hätte, da es in der Öffentlichkeit nicht bekannt gewesen sei, dass es für den Heylshofpark zusätzliche Kosten gebe. Ein Vorwurf, den der Oberbürgermeister nicht auf sich sitzen lassen wollte: „Ich möchte klarstellen, dass die selben Menschen, die im Festspielausschuss die Auslagerung der Kosten mitbeschlossen haben, auch im Gesellschafterausschuss KVG und Stadtrat sitzen.“ Beschlossen wurde die Auslagerung im Jahr 2011. Damals belief sich der städtische Zuschuss auf 1,9 Millionen Euro. Wie die KVG gegenüber WO! mitteilte, erfolgte diese Verschiebung aufgrund förderrechtlicher und steuerrechtlicher Gründe, weil der wirtschaftliche Betrieb im Heylshofpark keinen zwingenden Zusammenhang zu den förderfähigen Aufwendungen des künstlerischen Bereichs (Aufführung) hat. Unterm Strich zählt allerdings, was die Festspiele insgesamt kosten, denn wahrscheinlich hat der Steuern zahlende Bürger nur wenig Interesse an der Art und Weise, wie etwas verbucht wird. Das bedeutet, dass die Festspiele aktuell 4,3 Millionen Euro kosten, von denen ca. 2,8 Millionen Euro über Steuergelder finanziert werden (davon 650.000 Euro Landeszuschuss). Viel Geld für eine Stadt, deren Gesamtverschuldung sich auf rund 400.000.000 Euro beläuft und in der Klassensäle vermehrt in Container verlegt werden.

Wie sieht es eigentlich mit den Einnahmen aus?

Diese bestehen aus Ticketerlösen (865.000 Euro), Sponsorengeldern (364.000 Euro) und privaten Spenden in Höhe von 250.000 Euro. Klaus Karlin (CDU) erklärte im Stadtrat hierzu, dass man alles daran setzen muss, das Sponsoring auszuweiten. Etwas, was gar nicht so einfach ist, wie auch Michael Kissel einräumte: „Wir können uns in absehbarer Zeit nicht mehr auf Spenden und Sponsoren verlassen. Die Geschäftsführung der Festspiele braucht allerdings Spielräume.“ Dass das Geschäft mit den Sponsoren nicht so einfach ist, erkannte man schon im Beteiligungsbericht der Stadt Worms aus dem Jahre 2013. Dort registrierte man die Schwierigkeit, Sponsoren als verlässliche Partner zu halten. Konkret hieß es: „Im kommenden Jahr 2014 müssen größte Anstrengungen unternommen werden, um die unter Punkt 7 „Risikobericht“ beschriebenen Einbußen bei Sponsoren- und Spendengeldern zu kompensieren sowie gleichzeitig die technischen- und künstlerischen Budgetvorgaben (…) einzuhalten.“ Ein Umstand, der 2018 immer noch Gültigkeit hat und auch zukünftig die Festspiele beschäftigen wird, denn es ist nicht auszuschließen, dass die Festspiele auch in den kommenden Jahren mit Kostensteigerungen zu rechnen haben.

Der Nutzen für Worms?

Die kritischen Stimmen im Zusammenhang mit den Festspielen werden wohl auch nach 17 Jahren nicht verstummen und werfen erneut die Frage nach dem Nutzen für Worms auf. Ein Thema, das Michael Kissel im Stadtrat wie folgt zusammenfasste: „Ich habe den Eindruck, dass der große Zusammenhang nicht erkannt wird und man sich im Kleinkarierten verliert.“ Diesen großen Zusammenhang versuchte 2014 die Wormser Hochschule mit einer Studie zu erklären. Die Erkenntnis: Die Festspiele bringen für Worms eine Wertschöpfung von 1,6 Millionen Euro, bezogen auf Übernachtungen, Gastronomie und Einzelhandelseinnahmen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Festspielen stehen. Anders formuliert, die Festspiele sind im Grunde ein Konjunkturprogramm. Bei öffentlichen Geldern von 2,8 Millionen Euro könnte man reflexhaft von einem schlechten Geschäft reden. Doch ist das tatsächlich so?