Die andere Seite einer Stadt

, , Leave a comment

Der Schulcontainer-Report Worms

Wenn sich Wormser Bürger in sozialen Netzwerken über die hohen Kulturausgaben der Stadt im Zusammenhang mit Nibelungen-Festspielen & Co. beschweren, wird oft und gerne auf den desolaten Zustand der Wormser Schulen verwiesen. Grund genug für uns, einen aktuellen „Schulcontainer-Report Worms“ zu erstellen.

Wir gehen deshalb in dieser Ausgabe der Frage nach, wie es tatsächlich an den Wormser Schulen aussieht? Wo wird in Containern unterrichtet, in welchen Schulen stehen „demnächst“ Sanierungsmaßnahmen an?

„Wir brauchen Kultur und die kostet Geld – daran ist nichts verwerflich – aber bitte nicht auf Kredit. Ich kann Eltern nicht mehr erklären, wieso die Chemie- oder Biologiesäle nicht nutzbar sind, aber jedes Jahr mehr als 3 Mio. Euro an Steuergeldern für Festspiele verwendet werden – und ich will und werde das nicht mehr erklären.“

Diese Worte stammen von Mathias Englert vom FWG Bürgerforum und bringen das auf den Punkt, was nicht wenige Wormser denken. Zwar handelt es sich bei den Themen „Bildung“ und „Kultur“ um zwei völlig unterschiedliche öffentliche Töpfe, die hierfür angezapft werden müssen. Den Bürgern geht es aber wohl eher um die grundsätzliche Frage, wie sich eine hoch verschuldete Stadt, die nicht einmal ihre Schulen in Stand halten kann, hoch defizitäre Festspiele und weitere Millionenausgaben im Kulturbereich „leisten“ kann. Von daher ist es natürlich nur eine Schutzbehauptung unseres Oberbürgermeisters, die Stadt würde das Hundertfache der kürzlich vom Stadtrat genehmigten Zuschusserhöhung für die Nibelungen Festspiele (siehe WO! Ausgabe März 2018) in Schulen investieren. Englert fand auch hierfür deutliche Worte: „Wenn der OB behauptet, die Stadt würde das Hundertfache der beantragten Erhöhung in Schulen investieren, ist das falsch. Die Stadt investiert 2018 keine 20 Mio. Euro in Schulen, sondern nur rund 12 Mio. Euro mit dem Unterschied, dass die Nibelungenfestspiele nach 16 Tagen vorbei sind, die Schulen aber weiterbestehen und ihren Zweck erfüllen müssen. Außerdem geht es nicht um die Erhöhung, sondern um den gesamten Zuschuss der Stadt.“ Richtig ist natürlich, dass die Fördermittel des Landes oder Sponsorengelder, die für ein Kulturereignis fließen, nicht automatisch für Schulsanierungsmaßnahmen zur Verfügung stehen würden, wenn man komplett auf Kultur verzichten würde. Oder anders gesagt: Auch ohne Nibelungen-Festspiele oder Jazz & Joy würden viele Wormser Schulen vermutlich genauso heruntergekommen aussehen. Für die Schüler, die in Containern unterrichtet werden oder mit einer mangelhaften Ausstattung in Fachsälen zurechtkommen müssen, ist das aber nur ein schwacher Trost.