Die Konzerte des Jahres

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Ein Weltstar in Worms – Anastacia
16. März 2017 | Das Wormser im Mozartsaal

Eine kleine Überraschung war es schon, als Mitte Februar verkündet wurde, dass US-Superstar ANASTACIA für ein Charity-Konzert nach Worms kommen würde. Selbstredend waren sämtliche Karten binnen eines Tages ausverkauft und die 1.200 Besucher bekamen am 16. März 2017 ein hochprofessionelles Konzert im Mozartsaal geboten.

Das Wichtigste jedoch: Die Veranstaltung fand zugunsten der Deutschen Kinderkrebsstiftung statt, 10 Euro jeder verkauften Karte wurden gespendet. Ermöglicht wurde der Auftritt der in Chicago geborenen Sängerin durch das finanzielle Engagement des Wormser Rechtsanwalts Tim Brauer, der die KVG als Veranstalter gewinnen konnte. Das atelierblau versteigerte im Vorfeld Kunstwerke für den guten Zweck, so dass an diesem Donnerstagabend insgesamt 25.000.- Euro gespendet werden konnten. Anastacia selbst zeigte sich bei ihrer Ankunft in Worms äußerst sympathisch, herzte krebskranke Kinder, die dem Konzert beiwohnten, und stellte sich bereitwillig für Selfies zur Verfügung. Wer die Vita der US-Sängerin, die selbst an Brustkrebs erkrankt war, näher verfolgt hat, weiß, dass sie sich schon seit etlichen Jahren sozial in dieser Sache engagiert. Das Konzert selbst war natürlich ein Selbstläufer. Ekstase im Publikum sieht zwar anders aus, aber wer sein 90-minütiges Konzert nahezu ausschließlich mit großen Hits der 90er/Anfang 2000er bestreiten kann, hat natürlich leichtes Spiel. „Paid My Dues“, „Sick And Tired“ oder „Not That Kind“ – mit den Songs, mit denen Anastacia zum Weltstar wurde, waren viele im Publikum groß geworden. Gegen Ende hin kam dann auch mehr Bewegung ins Publikum, ehe „Left outside alone“ und „One Day in Your Life“ ein Konzert beendeten, von denen man gerne mehr in Worms hätte.


Das (vorerst) letzte Konzert im Kanal 70 – The Döftels
31. März 2017 | Kanal 70

Der Kanal 70, Kultstätte zahlreicher Konzerte oder Partys in der Vergangenheit, wurde im September 2017 wegen dringendem Sanierungsbedarf vorübergehend geschlossen. Das vorerst letzte Konzert in einem standesgemäß ausverkauften Kanal haben am 31. März 2017 die DÖFTELS bestritten.

Wenn sich ein Wormser Musiker, egal welchen Alters, an den Kanal 70 erinnert, denkt er zumeist an die ersten Gehversuche als Band mit schweißtreibenden Konzerten vor enthusiastischen, da in der Regel noch sehr jungen Fans. Das Publikum der Döftels ist zwar nicht mehr ganz so jung, aber mindestens genauso enthusiastisch wie der gewöhnliche Kanal Konzertbesucher. angeheizt wurden diese von den beiden Vorbands „Uncle Herb“ und „Supernova Plasmajets“, ehe die neuen Disco-Könige „The Döftels“ die Bühne enterten und ihr Publikum im Sturm eroberten. Während die neue Musikrichtung auf ihrem zweiten Album „Neue deutsche Disco“ durchaus noch gewöhnungsbedürftig war, stellten die Döftels bei der offiziellen Vorstellung der neuen Songs einmal mehr unter Beweis, dass sie eine erstklassige Liveband sind, die zudem noch eine echte Rampensau am Mikro hat. Am Ende des Abends glich der Kanal einem stickigen Partykeller mit schweißgebadeten, aber glücklichen Besuchern. Schließlich konnten die knapp 200 Besucher noch einmal so richtig steil gehen bei den Döftels, dem vorerst letzten Konzert im Kanal 70.


Als der Mozartsaal brannte – Völkerball (Rammstein Tribute)
21. April 2017 | Das Wormser im Mozartsaal

Man mag zu Coverbands stehen, wie man will. Wenn sie aber ihren Job so perfekt verrichten wie VÖLKERBALL, kann man sich getrost das Geld für die Originale sparen. So wie am 21. April 2017, als die Rammstein-Coverband vor 1.200 Besuchern den Mozartsaal für einen Abend in Brand gesteckt hat.

Nicht umsonst heißt das Motto der Band „99% Rammstein, 100% Völkerball“. Wer die Band um Frontmann Till Lindemann schon einmal live gesehen hat, weiß was das bedeutet. So viel Rauch, Feuersalven und Pyroeffekte hat der Mozartsaal seit der Eröffnung noch nicht gesehen. Da Völkerball den Originalen, auch was die Interpretation der Songs angeht, in nichts nachstehen, war der Mozartsaal an diesem Abend zum Bersten voll und die Besucher hellauf begeistert. Nahezu jede Epoche des Schaffens von Rammstein wurde abgedeckt, Publikumsklassiker wie „Du hast“ oder „Mein Teil“ wurden lautstark vom Publikum begleitet. nach 135 Minuten endete der Abend mit dem ersten großen Hit von Rammstein, „Engel“, bei dem standesgemäß noch einmal die halbe Bühne brannte. Da die Kapazität des Mozartsaals wohl niemals für die Originale ausreichen wird, tut es auch mal eine nahezu perfekte Kopie, die zudem nur einen Bruchteil des Eintrittsgeldes eines normalen Rammstein-Konzertes verlangt.


Als der Marktplatz bebte – Sportfreunde Stiller
16. August 2017 | Markplatz im Rahmen von „Jazz & Joy“

Mit der Verpflichtung der SPORTFREUNDE STILLER für das Sonderkonzert konnten die Veranstalter nicht viel falsch machen, lieferten diese doch einen gewohnt stimmungsvollen Auftritt, der Lust auf das eigentliche Festival machte. Leider blieb es das mitreißendste Konzert eines Jazz & Joy-Wochenendes, das man mit „unspektakulär“ am treffendsten umschreiben könnte.

Die Sportfreunde Stiller sind eine ausgefuchste Festivalband, die mit ihrem bubenhaften, bajuwarischen Charme die Leute bei „Rock am Ring“ genauso um den Finger wickelt, wie auf dem Wormser Marktplatz. Der Satz „falls ihr es noch gemerkt habt, wir gehören zum Joy-Teil des Festivals“ als Begrüßung und Auflockerung für das anfangs noch reservierte Wormser Publikum reichte aus, um das Eis zu brechen. Bei den Sportis darf nämlich auch gelacht werden, spätestes wenn sich die Drei mal wieder verbal die Bälle zuspielen. Zudem hatten die drei Jungs aus der Nähe von München in der jüngsten Vergangenheit mit „Applaus, Applaus“, „New York, Rio, Rosenheim“ oder „Das Geschenk“ veritable Radiohits, die jeder kennt und die natürlich kräftig mitgesungen wurden. Bei den Liveklassikern wie „Ein Kompliment“ oder „Ich, Roque“ hat der Marktplatz dann ordentlich gebebt. Derweil konnten Matt Bianco auf dem Weckerlingplatz nicht ganz die Erwartungen erfüllen, wie so vieles an diesem Wochenende. allenfalls an der Jugendherberge gab es Bands, die vom restlichen Mainstreams des Festivals abwichen. Als Publikumsmagnet entpuppte sich Milow, wegen dem am Festivalsamstag gut doppelt so viele Besucher zum Marktplatz gepilgert waren, wie noch am Abend zuvor. Der grundsympathische Belgier spielte bei traumhaftem Sommerwetter ein unterhaltsames Konzert mit Popsongs – wie „You Don’t Know“, „You And Me“ und natürlich „Ajo Technology“ – die keinem weh tun, aber halt auch ziemlich „unspektakulär“ sind. Wie so vieles bei „Jazz & Joy 2017“.


Ein Abend zum Relaxen – Schiller
19. Oktober 2017 | Das Wormser Theater

Im Rahmen seiner „Klangwelten“-Tour trat der Electro-Künstler SCHILLER am 19. Oktober 2017 im Wormser Theater auf, das leider nicht ganz ausverkauft war, aber ein durchweg entspanntes Publikum zurückließ.

Schiller, der im Jahr 2019 auf seiner Arena-Tour in der weitaus größeren Mannheimer SAP Arena spielen wird, setzte für seine aktuelle Tour auf einen Dolby-Surround-Sound, der eher für kleinere Säle konzipiert war. Tatsächlich funktionierten seine „Klangwelten“ in einem eher steifen Rahmen wie dem Wormser Theater erstaunlich gut. Schließlich ist Schiller bekannt als Adresse für all jene, denen Techno zu hektisch ist, die aber trotzdem gerne zu elektronischer Musik die Seele baumeln lassen. Oder sich in gemütliche Theatersitze zurücklehnen. In seinen eher sphärischen Ambiente-Sound mit Trance-Elementen streut er immer wieder Elemente aus Rock, Pop oder Disco ein, begleitet von einem ausgetüftelten Lichtspiel und den entsprechenden Videoeinspielern. Das, was Schiller schon seit 20 Jahren erfolgreich macht, ist zwar Mainstream-Techno und weit davon entfernt, innovativ oder gar richtungsweisend für diese Musiksparte zu sein. Eine spannende Abwechslung in dem ansonsten von Schauspielgruppen und Comedians bespielten Theatersaal war der Abend mit Schiller aber allemal.


Wie der Orgelgott Worms rockte – Mambo Kurt
25. November 2017 | Cafe TÉ

In einem Jahr, in dem Dieter Thomas Kuhn ausnahmsweise mal nicht den Mozartsaal ausverkaufen durfte, spielte – nur einen Steinwurf entfernt – der mindestens genauso kultige MAMBO KURT ein kleines „Wohnzimmerkonzert“ auf der TE-Bühne vor knapp 100 handverlesenen, aber restlos glücklichen Besuchern.

Mambo Kurt feiert gerade sein 20-jähriges Bühnenjubiläum und ist zur Kultfigur geworden, weil er schon auf den großen Metal Festivals des Landes, wie „Wacken“ oder „With Full Force“, bewiesen hat, dass man auch richtig harte Jungs lediglich mit einer Yamaha-Heimorgel rocken kann. In derart intimer Atmosphäre wie in Worms hatte der Mann, der im TV durch sein Mitwirken bei „Veronas Welt“ oder der „Pierre M. Krause Show“ einem Millionenpublikum bekannt wurde, sowieso leichtes Spiel. Kaum hatte Mambo Kurt sein Kultinstrument angeworfen, tobte der ganze Saal. Schon kurz danach wurden die ersten Stagediver gesichtet, die sich über die überschaubare Menge tragen ließen. Und Mambo Kurt gab den Leuten, was sie brauchen, um in Wallung zu geraten. Wie gewohnt machte er dabei auch nicht vor unterschiedlichen Musikstilen Halt. Depeche Mode, Die Ärzte und Europe sind schließlich genauso orgeltauglich wie Dr. Alban, AC/DC oder Rage Against the Machine. Gesanglich gewohnt schief zwar das Ganze, aber äußerst unterhaltsam.