Die Lichtgestalt der Steuerbetrüger

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Der Fall Uli Hoeneß

Das Jahr 2013 hat uns eines gelehrt: In Deutschland gilt ein Steuerhinterzieher noch etwas, sofern er Präsident des beliebtesten Fußballvereins hierzulande ist und bei der Jahreshauptversammlung ganz furchtbar ehrliche Tränen vergießt. Dann wird aus einer Steuerstraftat plötzlich eine „Dummheit mit Folgen“. Wie der Fall Uli Hoeneß gezeigt hat, war Deutschland im Jahr 2013 vor allem „einig Heuchlerland“.

Wir alle wissen es. Der Präsident des FC Bayern München e. V. wird im nächsten Jahr nicht im Knast landen, obwohl die Summe der nicht versteuerten Kapitalerträge aus Aktien- und Devisengeschäften vermutlich locker ausreichen würde, um ihn für lange Zeit hinter Gitter schicken zu können. Aber so einen wie den Uli kann man doch nicht genauso bestrafen wie einen Dahergelaufenen. Ob er nun 2, 3 oder in Wirklichkeit sogar 10 Millionen hinterzogen hat, spielt im Endeffekt keine Rolle, denn schließlich hat der Uli den FC St. Pauli gerettet, den Stadtrivalen 1860 München nicht geradewegs in die Insolvenz rauschen lassen und seine Bayern permanent für Flutopfer oder andere Katastrophengeschädigte spielen lassen. Sogar den überführten Brandstifter Breno wollte er vor der Staatsanwaltschaft schützen. Selbst als der heute größte Konkurrent ins Schlingern geraten war, bewies der Uli nicht nur Weitsicht, sondern ein ebenso großes Herz, als er dem BVB ein Darlehen gewährte. Ist ja auch blöd, wenn man keinen richtigen Gegner mehr hat. Wenn aber eine Mannschaft zu stark wurde, hat der Uli sofort seine Geldbörse geöffnet und erst mal den Konkurrenten geschwächt. Ach nee, ich bin gerade verrutscht, ich war ja beim sozialen Engagement, für das er sogar mal die bayerische Staatsmedaille erhalten hat. Vermutlich zusammen mit Günther Beckstein. Und wenn er irgendwo einen Vortrag gehalten hat, hat Herr Hoeneß das Honorar umgehend für eine karitative Einrichtung gespendet – selbstverständlich gegen eine Spendenquittung zur Reduzierung der eigenen Steuerlast. Wer bis hierher noch geglaubt hat, dass wenigstens die vermeintlich Guten doch bitte auch die Guten bleiben mögen, kann gerne weiter träumen. Alle anderen haben sich schon längst damit abgefunden, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Steuerhinterziehung längst so etwas wie Volkssport ist. Im Kleinen wird die Putzfrau nicht angemeldet, ein Uli Hoeneß schafft halt seine Monopoly-Millionen in die Schweiz. Es gibt nicht mehr die Unterscheidung zwischen „ehrlich“ & „unehrlich“, sondern nur noch zwischen „erwischt“ & „noch nicht erwischt“. Warum man allerdings einen Unterschied macht zwischen dem Präsidenten des FC Bayern München und einem kleinen Handwerker, erschließt sich mir nicht. Klar, der Handwerker wird halt nicht von Tausenden glorifiziert oder darf öffentlich Krokodils-Tränen vergießen. Ganz davon abgesehen, dass diese Flennerei überhaupt nicht zu den „Mia sann mia- Bayern“ passt, ist der wahre Unterschied ein anderer: Während dem Handwerker schon wegen dem kleinsten Beschiss bei der Kilometerpauschale ein Steuerbeamter auf die Finger klopft, schafft ein Hoeneß richtig große Summen am Staat vorbei – zusätzlich zu den mutmaßlich ganz ganz vielen Millionen, die der Würstchenfabrikant sowieso offiziell besitzt. Trotzdem ist mir vollkommen wurscht, ob Hoeneß 2014 im Gefängnis landet oder nicht. Ich brauche zur persönlichen Befriedigung kein Bild von Uli Hoeneß im Knast und werde die eine Entscheidung nicht mit Mitgefühl und die andere nicht mit Häme kommentieren. Vielmehr ist doch diese Maßlosigkeit derer, die sowieso schon mehr als genug besitzen, die wahre Sauerei, die so viele Millionen Menschen auch im Jahr 2013 wieder bitter enttäuscht hat.