DON´T PANIC…

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Willkommen zur 36. Ausgabe NA,EVE!? Ich erinnere mich genau an die Nacht vor ziemlich genau drei Jahren, in der ich zum ersten Mal an dieser Kolumne geschrieben habe. Nach gut einem Jahrzehnt Öffentlichkeits- und Pressearbeit in der Musikbranche begann für mich damit eine neue Zeit. Fakt ist, ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass meine Texte den regelmäßigen Weg zur Veröffentlichung in eine Printausgabe finden sollten.

Bis dahin verfasste ich Pressetexte für Musiker, Bandprojekte und managte mein Leben mit der Kunst. Nebenher schrieb mein emotionales Stierherz seit gefühlten Ewigkeiten an einem Roman, der sich rund um die Ereignisse und dem allseits bekannten Haifischbecken der Musikwelt abspielten. Doch in dieser Nacht veränderte sich mit einem Mal alles. Ganz Deutschland schien auf der Hatz nach Herrn Wulff. Natürlich war es keinesfalls in Ordnung, was unser damaliger Bundespräsident sich leistete. Aber die Art und Weise, wie die Medien und unsere feine Gesellschaft mit dieser Affäre umgingen, war mindestens genauso skandalös und zum Fremdschämen verurteilt. Auf einem Mal hatte ich das Bedürfnis meine Meinung darüber kund zu tun und über den eigenen, bisher kreativen Tellerrand zu schauen. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich an oben genannten Zeilen für ein Buch und habe im Traum nicht daran gedacht, öffentlich ein Statement zu politischen Geschehnissen zu äußern. Doch auf eine Art tat mir Herr Wulff leid und so kam ich aus dem Romanschreibenden Kämmerlein gekrochen und machte meinem Ärger ordentlich Luft. Direkt danach, sendete ich diesen Wulff-Text dem Chefredakteur der WO!, der zuvor einen Artikel über ein Fashionevent von mir druckte und meinen Schreibstil mochte. Ich erinnere seine Antwort bis heute genau und öffnete über das Angebot, ab sofort jeden Monat für seinen Verlag zu schreiben, erst mal eine Flasche besten Rheinhessenwein. Meine Profession und Leidenschaft gehörten bis dahin ausschließlich der Musik – das sollte nun anders werden! Denn alles in meinem Leben drehte sich bisher um sie. Privat und geschäftlich. Mit ihr konnte ich mich austoben und meine unbändige Energie loswerden. Sie regiert mein Herz! Lässt es lachen und weinen. Bisweilen staunend, überrascht, ließ sie mich auch mal zornig zurück. Meistens jedoch, macht sie mich bis heute zu einem glücklicheren und hoffnungsvolleren Menschen. Sie ist die Einzige, die ganz wunderbar meinen Verstand umgehen kann um die Seele zutiefst zu berühren. Töne und Klänge aus purer Magie, Harmonien, die das Leben leichter machen. Für mich die perfekte Grundlage. Denn ich gehöre zu der Sorte Mensch, der immer das Positive in Allem sucht. Dabei über meine Grenzen hinaus gehe und keine Angst vor Veränderungen habe. Ich stehe am liebsten auf der hellen Seite des Lebens und bin dort, wo es mir gefällt. Wenn die nächste Herausforderung ansteht, packe ich meine Koffer und suche sie auf. Immer der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, ein fröhliches und positives Vorbild zu sein für die, die keine Kraft haben weiter zu machen, richtig glücklich sein können oder immer zur falschen Zeit am richtigen Ort sind 😉 Vorzuleben, dass das Leben nur dann lebenswert ist, wenn man ganz fest an das Gute, Schöne glaubt und die dunkle Seite der Macht – nur mit einem herzlichen Lachen im Gesicht – auslöscht. Na, klar habe ich mich auch über vieles geärgert. Aber dieser Ärger lag eher darin, dass sich Menschen aus der Nähe betrachtet ignorant, mies oder unfair verhielten. Das ging beim Tierschutz los. Das Thema Bildung hat mich oft genug auf die Palme gebracht. Richtig nervig fand (und finde) ich die Spezies: „Frauchen“. Die scheinbar alleine nicht klarkommen und mit dümmlichem Gesichtsausdruck jeden noch so intelligenten Kerl um ihre Finger wickeln. Bäh. Diese Notbremsen der Emanzipation sind mir bis heute ein Dorn im Auge. All das ist jedoch ein Kindergarten, wenn wir auf den letzten Monat zurück blicken. Da verging selbst mir das Lachen… Ich bin immer noch angefasst, aufgewühlt, unversöhnlich und ja, wütend über die sinnlosen Anschläge auf Charlie Hebdo in Paris. Wie eine schallende Ohrfeige landete diese barbarische Meldung in den Medien und lässt uns mit einem verzweifelnden Gefühl zurück, das einer Ohnmacht gleicht. Ich hörte über diesen Akt der Grausamkeit im Radio, auf dem Weg zum Job. Fühlte mich wie vom Blitz getroffen. Nahm automatisch den Fuß vom Gaspedal, fuhr rechts ran und versuchte diese Meldung zu verdauen. Wie konnte so etwas passieren? Wo sind wir gelandet? Eine kleine Redaktion in Paris? Wer ist als Nächstes dran? Wie sicher sind all die Satire Protagonisten da draußen? Wie viel verstehen diese verwirrten Terroristen von dem, um was es bei Satire geht? Was passiert nun mit unserer Freiheit?! Die Antwort, liegt auf der Hand: Terrorüberwachung auf allen Kanälen. Dieses Attentat wird einmal mehr als Freibrief zur Überwachung ausgenutzt, die zum Schutze des Bürgers stattfindet. Hmm, ja ist klar. „Die Welt“ schreibt zu diesem Thema: „Die Behauptung, mit der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung, das heißt der Erfassung sämtlicher Kommunikationsdaten von 82 Millionen Bundesbürgern über einen längeren Zeitraum, könne man terroristische Straftaten verhindern, ist eine intellektuelle Beleidigung.“ Mich erinnert diese Vorgehensweise an einen meiner Lieblingsromane: 1984. Es ist als ob George Orwell, seiner Zeit Visionär (1948), die magische Kristallkugel auspackte und mit diesem Buch Vorhersagen fällte, die nun eintreffen. Wir könnten hierzu einfach die Protagonisten austauschen und befänden uns mitten in der Neuzeit. Somit wäre der Angriff auf die Pariser Redaktion Charlie Hebdo, wie ein Terrorakt auf das Wahrheitsministerium… Doch alles wird gut, da bin ich mir ganz sicher. Denn es bringt gar nichts zu verzweifeln. Ganz nach dem Motto von Douglas Adams „DON´T PANIC“ dreh ich jetzt erst mal die Anlage auf. Songs of the month: RELAX, SUCH A SHAME, SIGN OTHE TIMES, THRILLER, ENJOY THE SILENCE, FROZEN, BLAME IT TO THE BOOGIE a.m.m. 😉

Stay light und danke fürs Zuhören!
Eure NA, EVE!?