Ein Silberstreif am Horizont

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Wormatia startet mit einem starken 1 : 1 beim Fünften FC Homburg

Die gemischten Gefühle vieler Wormser Fans vor dem Auftaktspiel beim FC Homburg waren unbegründet, denn die Mannschaft von Hans-Jürgen Boysen hat beim 1 : 1 eine engagierte Leistung abgeliefert. Trotzdem müssen jetzt dringend ein paar Dreier her, am besten schon im Heimspiel gegen SC Freiburg II. am 1. März (fand nach Redaktionsschluss statt). Trotzdem hat bereits das erste Spiel gezeigt, dass man nur mit Zusammenhalt noch dem Abstieg entkommen kann.

Nach einer absolut enttäuschenden Hinrunde mit 13 Punkten aus 19 Spielen, sollte nach der Winterpause alles besser werden bei der Wormatia. Mit Carsten Strässer, Markus Müller und Sandro Roesner verließen drei Spieler den Verein. Für den restlichen Kader hatte Trainer Hans-Jürgen Boysen eine harte Vorbereitung mit vielen Teambuilding-Maßnahmen angekündigt, die den Kader endlich zu einer Einheit zusammenschweißen sollten. Um den neuen Mannschaftsgeist auch nach außen zu demonstrieren, bestimmte Boysen Rechtsverteidiger Raschid El Hammouchi zum neuen Mannschaftskapitän, als erster und zweiter Stellvertreter des Deutsch-Marokkaners fungieren künftig Erdal Celik und Benjamin Himmel. Für frischen Wind im Abstiegskampf sorgte der Vorstand, der auf dem Jahresempfang verkünden konnte, dass die Sponsoren der Wormatia auch bei einem Abstieg die Treue halten, und noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlug. Als erste Neuverpflichtung konnte Alan Stulin (vorher FC Kaiserslautern II. /GKS Belchatow/Polen) nach Worms gelockt werden. Aber da das Pech der Wormatia auch im Jahr 2014 hold bleiben sollte, verletzte er sich gleich im ersten Testspiel. Der als neuer „Sechser“ vorgesehene Stulin wird mindestens noch in den ersten 3-4 Wochen nach Rundenbeginn nicht zur Verfügung stehen. Für die Offensive wurde vom Drittligisten VfL Osnabrück Marcel Kunstmann verpflichtet. Der 25-jährige Stürmer erzielte in der Saison 2012/13 beim West-Regionalligisten SC Verl in 35 Spielen 16 Tore und wechselte anschließend nach Osnabrück, wo er jedoch keinen Stammplatz erobern konnte. Ebenfalls 25 Jahre alt ist Tufan Tosunoglu (vorher bei MSV Duisburg, Kickers Offenbach, FSV Frankfurt in der 2. und 3. Bundesliga). Nach auskuriertem Kreuzbandriss startete der Offensiv-Allrounder zu Beginn der laufenden Saison einen Neuanfang beim Liga-Konkurrenten SVN Zweibrücken. Nach mehrwöchigem Probetraining erhielt er in Worms einen Vertrag bis Saisonende und fiel ebenfalls wegen einem gereizten Knie zum Auftakt aus. Die womöglich wichtigste Personalie hat der Verein einen Tag vor Ablauf der Wechselfrist getätigt, denn mit Carsten Nulle (38 Jahre) vom Ligakonkurrenten KSV Hessen Kassel soll ein echter Routinier, der im Abstiegskampf extrem wichtig sein kann, den verletzten Wormser Stamm-Keeper Rainer Adolf ersetzen, der nach zweifacher Sprunggelenks-Operation in der laufenden Runde nicht mehr eingesetzt werden kann. Nulle, der in der 2. Bundesliga für den SV Waldhof, Rot-Weiß Oberhausen, den SC Freiburg und SC Paderborn zwischen den Pfosten stand, unterschrieb einen Vertrag bis Saisonende.

Keine guten Vorzeichen zum Auftakt

Trotzdem standen die Vorzeichen vor dem Auftaktspiel nicht gerade bestens. Neben Torhüter Adolf mussten von den Neuzugängen Stulin und Tosunoglu passen, mit Steil (Adduktoren) und Wolf (erkrankt) drohte die etatmäßige Innenverteidigung auszufallen. Da auch Maximilian Mehring (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) und Kevin Wölk (5. gelbe Karte) nicht zur Verfügung standen, musste es fast schon das letzte Aufgebot richten. Aber was Trainer Boysen in der WZ versprochen hatte, traf dann letztendlich ein. Auf die Frage, wer denn nun in Homburg aufl aufe, antwortete dieser wortkarg: „Mit elf Leuten, die engagiert und willig sind!“. Der FC Homburg war in der Hinrunde der stärkste Gegner, der seine Visitenkarte an der Alzeyer Straße abgegeben hatte – trotz eines äußerst schmeichelhaften 1:1 für den VFR durch einen Elfmeter kurz vor Schluss. Da man in der Defensive personell aus dem letzten Loch pfiff, suchte Boysen sein Heil in der Offensive und schickte mit dem kurzfristig genesenen Kunstmann und Adam Jabiri zwei etatmäßige Stürmer auf den Platz, dazu die offensiven Flügelstürmer Oppermann und Akcam. Das Experiment ist geglückt, was aber in erster Linie daran lag, dass man seit langem mal wieder das Gefühl hatte, dass da 90 Minuten lang eine Mannschaft auf dem Platz gestanden hat, bei der Engagement, Einsatz und Wille von der ersten bis zur letzten Minute gestimmt haben. Dabei war man bereits nach 12 Minuten in Rückstand geraten, als eine missglückte Rettungsaktion des ansonsten bärenstarken Kapitäns El Hammouchi im eigenen Kasten landete. Eine Reaktion des VFR kam und zwar unmittelbar. Erst vergab Jabiri (13.), dann köpfte Neuzugang Kunstmann einen Eckball von Oppermann mustergültig ein (15.). Danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel. Zwar war die Viererkette des VFR noch etwas löchrig, aber bei zwei kapitalen Fehlern in der zweiten Hälfte war einmal Routinier Nulle im Tor mit einer sensationellen Parade zur Stelle (50.), einmal half das zuletzt so oft vermisste Glück, das sich in Homburger Unvermögen zeigte (73.). Im Anschluss war es die Wormatia, die mehr zuzusetzen hatte als der selbst ernannte Aufstiegskandidat, der genauso einfalllos spielte, wie seine Fans sangen. Ihr nervtötendes „Wir steigen auf und ihr steigt ab!“, konterten die knapp 200 Wormser etwas geschichtsfester mit „Volk ohne Heimat – ihr seid ein Volk ohne Heimat!“ Ansonsten plätscherte das Spiel dahin, weil vom FCH nichts mehr kam und allenfalls der Gast noch um eine Ergebniskorrektur bemüht war. Doch sowohl Jabiri als auch der eingewechselte Kevin Feucht brachten aus nächster Entfernung nicht die Kugel im Gehäuse der Saarländer unter, so dass unterm Strich ein Unentschieden stand, mit dem beide Seiten leben konnten. Der Punkt bringt der Wormatia in der Tabelle recht wenig. Aber es war ein Auftritt, der Mut macht für die restlichen Spiele. Die Mannschaft hat offensichtlich erkannt, welche Tugenden im Abstiegskampf gebraucht werden und wurde in Homburg mit sehr viel Applaus von den mitgereisten Fans verabschiedet. So kann es weiter gehen.

Jetzt gibt’s nur noch Endspiele

Wenn die noch etwas löchrige Abwehr durch die Rückkehrer Steil und Wolf weiter stabilisiert wird und mit Mehring, Wölk oder den Neuzugängen Tosunoglu und Stulin ein bisschen Kreativität ins Mittelfeld zurückkehrt, wird man mit Boysens Jungs nochmal rechnen können; vorausgesetzt, der Abstand zu den rettenden Plätzen ist nicht ins Uferlose gewachsen. Aber im Endeffekt muss man sowieso auf sich selbst schauen, dass man aus den derzeit 14 Punkten am Ende der Saison ca. 38 – 40 Punkte macht, um nicht zu den Absteigern zu gehören. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten in den restlichen 14 Spielen Teams wie Neckarelz, Hessen Kassel, Pfullendorf, Koblenz, Hoffenheim II., Baunatal oder Ulm bezwungen werden. Klingt schwer, aber nicht unmöglich. Das Schlusswort gebührt deshalb dem neuen Kapitän, Raschid El-Hammouchi, der in der Vorrunde die beständigste Leistung abgeliefert hat und der nicht nur auf den neuen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft setzt: „Ganz klar: Ohne Fans kann man nicht gewinnen! Wer selbst mal auf dem Platz gestanden hat, der weiß, wie sehr es hilft, wenn man von außen unterstützt und nach vorne gepeitscht wird. Deshalb hoffen wir Spieler auf eine solche Unterstützung, und zwar immer und unabhängig davon, ob das Spielergebnis positiv oder negativ ist. Dafür versprechen wir als Mannschaft, immer Vollgas zu geben. Im Endeffekt sind wir doch alle eine Gemeinschaft: Vorstand, Trainer, Spieler, Fans. Und nur wenn alle fest zusammenstehen, können wir es noch packen.“ Dem gibt es wenig hinzuzufügen.

Die „Endspiele“ im März um den Klassenerhalt:

01.03. (SA), 14 Uhr: FC Freiburg (H)
08.03. (SA), 14 Uhr: Hessen Kassel (A)
15.03. (SA), 14 Uhr: SpVgg Neckarelz (H)
21.03. (FR), 19 Uhr: Eintracht Trier (A)
26.03. (MI), 19 Uhr: 1. FC Kaiserslautern (H)
29.03. (SA) – 14 Uhr: SC Pfullendorf (A)

Nicht vergessen:

Am Montag, den 5. Mai 2014, wird das Auswärtsspiel von Wormatia Worms beim SV Waldhof Mannheim (Anpfiff: 20.15 Uhr) LIVE in Sport 1 übertragen. Auf dass der Wormser Gästeblock an diesem Tag ordentlich gefüllt ist!!