Eine Stadt so bunt wie ihre Kultur in dieser Nacht

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„11. Wormser Kulturnacht“

08. Juli 2017 | Wormser Innenstadt:

Es war ein Wetter, dass wie gemacht war für die mittlerweile 11. Auflage der „Wormser Kulturnacht“. Nicht zu heiß, aber auch gewiss nicht zu kalt und vor allem trocken, trieb es rund 2.400 Menschen auf die Straßen, um sich dem bunten Treiben an 35 Veranstaltungsorten zu widmen. Eine Zahl, die es natürlich unmöglich macht, jedem Veranstaltungsort einen Besuch abzustatten, weswegen der WO! Schwerpunkt auf dem Besuch diverser Konzerte lag. Umrahmt wurde die Tour von zwei Veranstaltungen, die Musik nur am Rande benötigten.

Gleich zwei Konzerte präsentierte der Weinladen Valckenberg von Filippo Borgnolo. Absolut ungewöhnlich war der Auftritt des Quintetts Gretchens Pudel, bei dem der Name ihrer CD, „Liedgutrecyling“, auch Programm ist. Deutsche Volkslieder, wie „Hänschen Klein“ oder „Ein Männlein steht im Walde“, treffen hierbei auf versierte Jazz-Musiker, die den Stücken ein ganz besonderes Gewand verpassten. Das war zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig, gefiel aber durch das pointierte Spiel und die eigenwillig originelle Interpretation dieser altbekannten Lieder. Etwas konventioneller ging es bei der Big-Band Windkraft der Lucie-Kölsch-Musikschule zu. Unter der Leitung des bekannten Saxofonisten Gary Fuhrmann spielten die jungen Musiker im klassischen Big-Band-Sound Evergreens wie „What A Wonderful World“ und sorgten für eine herrlich entspannte Atmosphäre an diesem Sommerabend. Während Gretchens Pudel im Innenhof des Weinladens in ihre musikalische Welt einluden, öffnete Borgnolo für die Musik von Windkraft den sogenannten Glaskopf, einen Hinterhof des Traditionsweingutes.

Rau und dennoch empfindsam gestaltete sich der Soundtrack des Worms-Kölners „Bankert“, namens Dirk Beiersdörfer, der an diesem Abend im Hamburger Tor auf seinen bewährten Kollegen, „Kafruse“, verzichten musste. Gleichzeitig lud der neugegründete Nachbarschaftsverein, der die ehemalige Kneipe als Treffpunkt nutzen möchte, zu einem Nachbarschaftspicknick ein. Ganz in diesem Sinne dieses bürgerlichen Nebeneinanders fand Bankert Beiersdörfer schnell musikalische Unterstützung in dem Anwohner Norbert Köhler, der mit seinem Cajon für die nötige rhythmische Unterstützung sorgte.

Offen für die Geschichte Deutschlands präsentierte sich das Wormser Rathaus, in dessen Innenhof der bekannte Liedermacher und ehemalige DDR-Dissident Stephan Krawczyk mit seinem Lutherprogramm „erdverbunden“ Musik zum Mitdenken spielte. Religiös nicht unbedingt, aber auch mit inhaltlicher Tiefe ausgestattet ist die Musik von Neil Young. Der hatte zwar keine Zeit, auf der Kulturnacht zu spielen, für Abhilfe sorgte indes die Band Loners United go Neil Young, die es schaffte, in einer bestens gefüllten Ralfs Tanzgalerie, die Musik des verschrobenen Amerikaners stilecht zu präsentieren. Den musikalischen Rahmen für diese Nacht stellte die Samba-Trommelgruppe Lundi, die mit ihrem perkussiven Sound ein Stück Brasilien durch die Fußgängerzone trug.

Bevor die Musiktour an diesem Abend begann, startete der Kulturnacht-Abend in der Wormser Kinowelt, wo Geschäftsführer Patrick Mais zu einem ausgesuchten Kurzfilmprogramm lud. Dieser Einladung folgten bereitwillig zahlreiche Filminteressierte, sodass lediglich die ersten beiden Reihen frei blieben. Der halbstündige Filmcocktail beeindruckte mit einer virtuosen Auswahl, die einmal urkomisch, dann wieder tieftraurig war.

Eine ganz besondere Vernissage zu der Ausstellung „The Sense of Beauty“ gab es im Wormser Mozartsaal mit den Bildern des Schauspielers und Füllfedermalers Axel Neumann zu bestaunen. Neumann ist mit seinen Füllergemälden ein echter Pionier. Beeindruckend mit entsprechender Lichtinszenierung in Szene gesetzt, begeisterten die ausdrucksstarken, zum Teil großflächigen Gemälde mit ihrer überbordenden Fantasie und ihrem intensiven Farbenspiel. Wer nicht da war, hat echt was versäumt.

Fazit: Natürlich ist das nur ein kleiner Ausschnitt aus dem tollen Programm der Wormser Kulturnacht, die einmal mehr zeigte, dass Worms eine lebendige Stadt ist, die viel zu bieten hat. Neben den erwähnten Konzerten gab es noch Lesungen, Kirchenführungen (inklusive Turmbesteigungen), eine 201-jährige Geburtstagsfeier (ja, Rheinhessen ist schon wieder ein Jahr älter), Ausstellungen und noch mehr zum Hören und Sehen.