Handgemachtes zwischen Elektro und Rock

, , Leave a comment

The Iron Keys und Minusmen (Funzel) / Mutant Voodooclub (Fabrik)

14. Oktober 2017 | Funzel und Fabrik in Worms:

Es gibt sie noch, die alternative Musikszene der Stadt Worms. Inmitten zahlloser Cover-Band-Projekten wollten wir zuletzt schon eine Vermisstenanzeige aufgeben, wäre da nicht dieses eine Wochenende gewesen, das uns davon überzeugte, dass es doch noch Musiker gibt, die sich ihrer künstlerischen Integrität verpflichtet sehen.

Gleich an zwei Orten hatte der Musikinteressierte die Möglichkeit, in die Wormser Alternativszene einzutauchen. In der Funzel sorgten die Bands „The Iron Keys“ und „Minusmen“ dafür, dass es ein musikalisches Leben hinter dem Bahnhof gibt, während in der Fabrik der „Mutant Voodooclub“ zu einer Werkschau der ESC-Tonstudios lud. Den Auftakt zu diesem wilden Musiktrip lieferten „The Iron Keys“, die im Rhein-Neckar-Delta längst eine feste Größe sind. Mit eingängigen Songs der Marke Powerrock zeigte das Quartett einmal mehr, dass sie zuverlässigen Partyservice bieten, der einfach Spaß macht. Punktabzug gab es indes für den Sound, der zuweilen zu schwammig klang. Der Gesang hatte seine liebe Mühe, gegen die Gitarrenwand, die vom spielfreudigen Schlagzeug unterfüttert wurde, Akzente zu setzten. Ein Problem, mit dem auch die psychedelischen Klangwelten von „Minusmen“ zu kämpfen hatten. Besserung ist jedoch in Sicht, da beide Bands auch auf der bevorstehende Rocknacht spielen, wo sie ihre Qualitäten unter deutlich besseren Bedingungen zu Gehör bringen können. Ganz im Zeichen der elektronischen Musik stand die Fabrik. Dennoch gab es kein vorgefertigtes Dosenfutter für die Ohren, sondern eine eindrucksvolle Liveperformance, bei der drei (!) DJ’s gleichzeitig den Sound des Mutant Voodooclub schufen. Das war mitreißend und vor allem extrem tanzbar. Artefatale lieferte zur Musik den passenden Bildersturm, der die Fabrik in ein surreales Licht tauchte.

Fazit: Zwischen Electro und Rock bewies der Abend, dass es noch Musiker gibt, die ihrer eigenen Kreativität Ausdruck verleihen wollen und nicht einfach Altbekanntes aufwärmen. Ein Abend mit Wormser Subkultur, der erst weit nach Mitternacht endete, der aber Lust auf mehr machte.