Im Sauseschritt durch Luthers Leben

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Theateraufführung „Luther in Worms - und die Folgen“ der Theatergruppe Szene 9

31. Oktober 2017 | Lincoln Theater:

Es war ein ehrgeiziges Vorhaben, das Regisseur, Autor und Bühnenbildner Thomas Staller zu Ehren des Reformationstages plante. Nämlich die wichtigsten Stationen des Reformators Martin Luther in 20 Szenen mit einer Gesamtspielzeit von einer Stunde inszenieren zu wollen. Unterstützung bekam er vom Ensemble des Lincoln Theaters, Szene 9.

Natürlich wäre es ein Leichtes gewesen, Luthers schwierigen Weg, beginnend mit dem Anschlag der 95 Thesen bis hin zur Bibelübersetzung, in einer ausladenden Zwei-Stunden-Aufführung auf die Bühne zu bringen. Die Idee des Hessen, der in der Oktober-Ausgabe in unserem Fragebogen Rede und Antwort stand, war jedoch, das Leben des streitbaren Mönchs auf die wichtigsten Momente zu verdichten. Natürlich ist es in dieser kurzen Zeit nur schwer möglich, einem komplexen und schwierigen Charakter wie Luther gerecht zu werden, auch wenn Staller Luthers dunkle Seiten – wie dessen Judenhass – andeutete. Eigentlicher Mittelpunkt des Stückes, das letztlich in gerademal 47 Minuten durch Luthers (David Heilig) Leben sauste, waren dessen Auftritt vor dem Wormser Reichstag und sein Verhältnis zu seinen Vertrauten Georg Spalatin (Jonathan Schulz) und Thomas Münzer (David Zerfaß). Während Luther die sanfte Reformation durch Überzeugung umsetzen wollte, war Münzer sowas wie ein mittelalterlicher Revoluzzer, dem auch der Griff zur Waffe nicht fremd war. Das alles wurde souverän von den jungen Schauspielern dargestellt und mit Leben gefüllt, während das stimmige Bühnenbild und die Kostüme etwas für das Auge boten. Lediglich die Ausflüge in Luthers Liebesleben, sprich das Kennenlernen von Katharina von Bora und die anschließende Hochzeit, wirkten etwas geglättet. Charme im Umgang mit Frauen war etwas, das man dem Reformator nicht unbedingt nachsagen konnte.

Fazit: Dennoch zeigte das Stück, dass man auch in kürzester Zeit Geschichte spannend darstellen kann. Am Ende war man versucht zu sagen: „Es hätte ruhig noch ein wenig länger gehen können.“