Ist Leben mehr als nur ein Spiel?

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Theateraufführung „Kreise – Maneges“

12. September 2017 | Lincoln Theater:

Es ist eine Theatertournee der etwas anderen Art. Mit dem Fahrrade reisen die beiden Schauspieler Clement Labil und Christina Gumz von Frankfurt nach Strasbourg, um ihr deutsch-französisches Theaterstück „Kreise – Maneges“ zu spielen. Auf dieser Reise parkten sie ihre Räder auch im Lincoln Theater. Mit wenigen Requisiten im Gepäck bzw. auf der Bühne begeisterten die beiden Schauspieler mit einem heiter nachdenklichen Stück.

Angesiedelt im Zirkusmilieu spielte dies für das eigentliche Stück nur eine rudimentäre Rolle, wobei der Zirkus auch für das kindlich Naive der männlichen Hauptfigur stehen könnte. Pierre liebt sein Leben und das Karussell, das er zusammen mit seiner Freundin Marie betreibt. Marie wiederum sehnt sich nach mehr. Sie träumt davon, irgendwann richtig Urlaub zu machen, nicht jeden Euro umdrehen zu müssen und einfach einen normalen Beruf ausüben zu können oder wie sie reüssiert: „Alles geht an uns vorbei“. Das führt natürlich zu Konflikten, denn Pierre wiederum liebt die Poesie, das leichte Leben sowie die fehlende Verantwortung. Pierre ist letztlich ein Träumer, der nicht erwachsen werden will. Immer wieder wechseln während der munteren Diskussion die Schauspieler die Sprache. Was kompliziert klingt, funktionierte ausgezeichnet. Auch wer nicht des Französischen mächtig war, konnte diese aufgrund des lebhaften Spiels ebenso gut verstehen. Gegen Ende nahm das Stück eine überraschende Wendung, in dem Pierre Marie mit einem selbstgeschriebenen Manifest des Friedens überraschte. Anfangs davon begeistert, merkt sie bald, dass Pierres Ziele ehrenvoll, aber nicht so leicht umzusetzen sind. Hier kam schließlich auch das Publikum ins Spiel, das zuvor mit kleinen Textpassagen ausgestattet wurde, die sie an entsprechender Stelle einwerfen mussten. So entstand ein interaktives Stück, das dadurch eine lebhafte Dynamik entwickelte. Zwischendurch regnete es auch noch Schlipse und ein paar BHs auf die Bühne.

Fazit: Allerdings war es schade, dass nur wenige Wormser den Weg ins Lincoln fanden, um dieses originelle und tiefgründige Stück zu erleben.