Jazz im Namen des Reinhardt

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„Dotschy Reinhardt Quintett“ - Konzert der Blue Nite e.V.

12. Oktober 2017 | Das Wormser Theater – Oberes Foyer:

Manchmal kann ein großer Name eine große Bürde sein. Im Falle der Sängerin Dotschy Reinhardt scheint das Erbe eher beflügelnd zu wirken, wie sie jüngst bei einem Konzert im oberen Foyer des Wormser Theaters unter Beweis stellte. Dotschy ist eine Verwandte des 1953 verstorbenen, genialen Jazz-Genies Django Reinhardt.

Frei nach dem Motto „Erbe verpflichtet“ startete das Konzert bereits mit einem Instrumentalstück des großen berühmten Verwandten. Zwar fehlte zu Beginn noch Kontrabassist Max Hartmann aufgrund einer Zugverspätung, doch das fiel kaum ins Gewicht. Ganz in der Tradition Django Reinhardts konzentrierte sich die Bandbesetzung auf Saiteninstrumente. Die bedienten die Musiker mit mitreißender Dominanz, sodass das Fehlen des Bassisten in der ersten Hälfte kaum auffiel. Danach stieg auch die titelgebende Sängerin ein. Mit einer Stimme zwischen „lasziv und rauchig“ und „glasklar und zerbrechlich“ schaffte es die Sängerin, die auch als erfolgreiche Buchautorin tätig ist, das Publikum binnen kürzester Zeit zu verführen. Immer wieder wechselte sie zwischen nachdenklichen Eigenkompositionen wie „Fly away“ oder „Chaplin’s Secret“ (zugleich auch der Name der demnächst erscheinenden neuen CD) und bekannten Jazz-Standards wie „Girl of Ipanema“ oder Gershwins „It’s Wonderful“. Dass alles wie aus einem Guss klang, lag vor allem an der famos aufspielenden Begleitband. Lediglich das gewisse Gefühl, das man mit der temperamentvollen Musik der Sinti und Roma-Szene verbindet, wollte sich nicht so recht einstellen. Ausgerechnet eines der letzten Stücke, mit dem Namen „Romanes“, erfüllte diese Vorstellungen. Gesungen in der eigenen Sprache entfaltete der Song eine Eigendynamik, von der man gerne mehr gehört hätte. Zudem untermauerte dieser Song, wie sehr letztlich das Spiel des anfangs abwesenden Bassisten gefehlt hatte. Der sorgte mit seinem rhythmisch vitalen Spiel endlich für die lang vermisste Tanzbarkeit, die man mit dieser Musik verbindet.

Fazit: Toll gespielt, verführerisch gesungen, durften die Zuschauer einem eindrucksvollen Konzert beiwohnen.