Jazz im Schatten von Miles Davis

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„Martin Auer Quintett“ live beim Blue Nite e.V. Jazz-Freitag

16. Februar 2018 | Das Wormser (Oberes Foyer):

Es ist immer ein gewagtes Unterfangen, sich an einen Klassiker der Musikgeschichte zu wagen. Denn natürlich drängt sich unweigerlich der Vergleich mit dem Original auf. Das Martin Auer Quintett hat sich dieser Herausforderung gestellt. Ob es eine kluge Entscheidung war, mit der CD „Our kind of blue“ ein musikalisches Remake des großen Jazz Meisterwerkes von Miles Davis aufzunehmen, zeigte sich aber erst nach der Pause.

Ursprünglich war das Konzert der Band um den Trompeter Martin Auer zu einem früheren Zeitpunkt geplant. Damals stand die Setliste ganz im Zeichen des großen Miles Davis, doch das Konzert musste verschoben werden. Glück für das Publikum, denn so kamen auch authentische Eigenklänge vom neuen Album des Quintetts, „So far“, zu Gehör – und die müssen sich vor dem Meister des Cool Jazz keinesfalls verstecken. Zwischen entspannt-lässig, balladesk-melodisch oder einfach funky-mitreißend rangierte die musikalische Bandbreite. Die Stücke gaben den einzelnen Musikern immer wieder ausreichend Raum zur Entfaltung. Den nutzten sie auch in der zweiten Hälfte, als man sich gänzlich dem heiligen Gral der Jazzmusik widmete, Miles Davis „Kind of Blue“. Schnell stellte sich jedoch die Frage nach dem „Warum?“ Musikalisch war das auf höchstem Niveau, konnte aber zu keinem Zeitpunkt die lässig coole Magie eines Miles Davis versprühen. Das muss den Musikern klar gewesen sein, weshalb man sich bemühte, Davis Soundkosmos ein wenig modernistische Einsprengsel hinzuzufügen. Besonders ausgiebig geschah dies beim rund zwölfminütigen finalen Stück „All Blues“. Wo Davis betont lasziv agierte, setzte das Quintett auf die volle musikalische Kraft ihres zweifellos vorhandenen Könnens. Das Meisterwerk der Jazzmusik konnte dies jedoch nicht vergessen machen.

Fazit: Covern gehört bei Jazzmusikern zum standardmäßigen Handwerk. Wenn man sich allerdings einem kompletten Werk widmet, gleicht das jedoch fast einer „Mission Impossible“. Dennoch hat sich das Quintett an diesem Abend in Worms wacker geschlagen und seinem Idol ein respektvolles Tribut gezollt.