„Krieg ist Frieden , Nichtwissen ist Stärke“

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Theaterinszenierung von George Orwells „1984“

20. Februar 2018 | Nationaltheater Mannheim:

Als der britische Autor George Orwell seinen Roman „1984“ veröffentlichte, warnte er schon seit geraumer Zeit vor den Mechanismen der Macht, die lediglich dazu existieren, diese Macht zu zementieren. Um das Volk gefügig zu machen, nutzt das totalitäre System in seinem Roman die Möglichkeiten der uneingeschränkten Überwachung und Manipulation.

Was damals noch Fiktion war, ist heute ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Realität. Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass der Hauptdarsteller der Mannheimer Inszenierung eine gewisse Ähnlichkeit mit Edward Snowden hat. Eigentlich sollte auch Worms im vergangenen Jahr in den Genuss einer Aufführung kommen. Das Interesse hielt sich allerdings in Grenzen, sodass der Termin abgesagt wurde. Ganz anders sah das Ende Februar im Nationaltheater aus, denn dort führt das hauseigene Ensemble „1984“ seit Herbst letzten Jahres vor einem nahezu ausverkauften Saal vor. Das ist auch gut so, denn mehr denn je zehrt die Geschichte um einen jungen Mann, der sich im Netz eines alles überwachenden, totalitären Staates verfängt, von weltweit aktuellen Entwicklungen. Spätestens seitdem der amerikanische NSA Mitarbeiter Edward Snowden deren weltumspannenden Abhörtätigkeiten publik gemacht hat, wissen wir: „Big Brother is watching you“. Regisseur Georg Schmidtleitner legt dabei die Hauptfigur Winston Smith bereits optisch auffällig nah an dem Amerikaner an. Einem im Grunde durchschnittlichen Typen, der dem Leben bzw. dem System skeptisch gegenübersteht und fest daran glaubt, dass man das System ändern kann. Sein Schlüssel hierzu ist die Kraft der Liebe. Die findet er in der Begegnung mit Julia. Bereits bei Orwell ist die Liebe ausdrucksvolles Symbol für die Individualität des Menschen. Schmidleitner visualisiert dies durch das gegenseitige körperliche Begehren und lässt seine Darsteller sich raubtierhaft umkreisen. Letztlich hat das Paar jedoch keine Chance. Beide landen in der Folterhölle der Partei, wobei die Geschichte dem Martyrium Wilsons folgt.

Fazit: Getragen wird das düstere Stück von einem intensiv spielenden Ensemble. Als genialer Einfall erweist sich das Bühnenbild, das in Form eines schwarzen überdimensionalen Drehkreuzes angelegt ist. So wirken Julia und Wilson immer wieder, als seien sie in einem Laufrad gefangen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Hinweis: Das Stück wird auch am 9. und 21. März im Nationaltheater Mannheim aufgeführt.