Leute des Jahres

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Darling des Jahres
Nuran David Calis (Regisseur der Nibelungen-Festspiele)
Die Frischzellenkur, die sich die Zuschauer und Organisatoren der Nibelungen-Festspiele bereits 2015 erhofften, bekamen sie erst im Jahr 2016 in Person von Regisseur Nuran David Calis.

Eigentlich wollte man den Bielefelder Regisseur mit Migrationshintergrund schon in dem Jahr, als Nico Hofmann den Staffelstab von Dieter Wedel übernahm. Aufgrund terminlicher Verpflichtungen musste er ablehnen. In der Not übernahm Thomas Schadt die Regie, der gemeinsam mit Nico Hofmann und Albert Ostermaier das neue Nibelungen Team bildete. Das Ergebnis fiel jedoch ernüchternd aus. Ganz anders sah das in diesem Jahr aus. Der Ex-Türsteher, Dramatiker und Regisseur Calis entstaubte den Nibelungenmythos und katapultierte ihn erfolgreich in die Gegenwart. Dabei ist es kein leichtes Unterfangen, Albert Ostermaiers wortgewaltige Texte zu bändigen und in ein freilufttheaterfähiges Konzept zu fassen. Calis gelang dies mit einem Gespür für Tempo, Bildgewalt und sensible Schauspielführung. Der Lohn der Mühe war ein überregional positives Medienecho und eine sehr gute Zuschauerauslastung. Dass das Stück dabei nicht immer Sinn machte, interessierte am Ende des Abends die wenigsten. Dafür war es schön anzuschauen, inklusive eines horrormäßigen apokalyptischen Finales, auch wenn die Unterwasserkamera, die Calis im Gespräch mit WO! ankündigte, ausblieb. Eben „assoziatives Theater“, wie Kulturkoordinator Volker Gallé in einem Gespräch bemerkte. Man darf gespannt sein, wie Calis „Glut“ ausfällt, wenn er im Sommer das gleichnamige Stück, wieder aus der Feder Ostermaiers, am Westportal des Wormser Kaiserdoms inszeniert.

Text: Dennis Dirigo


Darsteller des Jahres
Uwe Ochsenknecht (u.a. bei den Nibelungen-Festspielen)
Wer auch immer gemeckert hat, dass die Besetzung der Hauptrolle in „Gold – Der Film der Nibelungen“ mit Uwe Ochsenknecht jemanden getroffen habe, dessen beste Zeit schon ein paar Jährchen zurückliegt, muss spätestens nach diesem Jahr Abbitte leisten.

Der in Biblis geborene Tausendsassa glänzte nicht nur bei den Nibelungen-Festspielen als ein dem Tode geweihter Regisseur einer Produktion, die zunehmend im Chaos versinkt. Das brachte ihm und den Nibelungen-Festspielen eine Übertragung in „3-Sat“ ein – zur besten Sendezeit, samstags um 20.15 Uhr.
Ochsenknecht war aber auch Teil des Ensembles des erfolgreichsten Musical des Jahres „Tabaluga – Es lebe die Freundschaft“. 390.000 Besucher in 19 Städten sahen bei 64 Shows Peter Maffays Märchen um den kleinen grünen Drachen, der sein Gedächtnis verliert und nicht mehr weiß, was Freundschaft bedeutet und wer seine wahren Freunde sind. Hierbei trifft er auf eine Bauchtänzerin – in Person von Uwe Ochsenknecht wohlgemerkt – „die“ mit für die meisten Lacher des Abends sorgt. Ochsenknecht wirkte aber auch in dem Kassenschlager des Jahres in den deutschen Kinos mit. In „Willkommen bei den Hartmanns“ gibt er eine großartige Persiflage eines Schönheitschirurgen ab und läuft an der Seite seines alten Buddys Heiner Lauterbach zur Höchstform auf. Dementsprechend wird 2016 als das Jahr in die Geschichte von Uwe Ochsenknecht eingehen, in dem er ein ziemlich glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Film-, Musical- und Theaterproduktionen bewiesen hat. Denn Kassenschlager in ihrem Metier waren sie allesamt.

Text: Frank Fischer


Wormser Preisträger des Jahres
Frank Schreiber (Filmkomponist)
Es kommt nicht oft vor, dass ein Sohn von Worms mit einem international renommierten Preis bedacht wird. Dem in Worms-Abenheim lebenden Filmkomponisten Frank Schreiber ist dies 2016 gelungen. Er gewann einen Preis beim ISFMF (International Sound and Filmmusic Festival).

Damit bewegt er sich im Kreise erlesener Filmkomponisten wie Alan Silvestri („Zurück in die Zukunft“), der für die Musik zu dem Film „The Walk“ gewann, dem isländischen Shooting Star Johann Johannsson („Arrival“), der für seine Musik zu dem Drogen-Thriller „Sicario“ ausgezeichnet wurde und Thomas Newman („Findet Dorie“), den man für „Bridge of Spies“ ehrte. Frank Schreiber gewann für seine Musik, die er für die vierteilige SWR Dokumentation „Spuren im Stein“ schrieb. Musikalische Begleitung fand er in den Wormser Gitarristen Helmut und Jan Strecker. Es war nicht der erste Preis, den der talentierte Musiker mit nach Hause nehmen konnte. Das filmmusikalische Handwerk erlernte er an der Universität Oldenburg und an der Filmakademie Ludwigsburg. In den 90er Jahren hinterließ er mit der Band „Simsalabimstein“ seine musikalischen Spuren in Worms. Dort sorgte er mit seinem Keyboard vier Jahre lang für das nötige Soundgewand. Derzeit arbeitet er an dem Animationsfilm „Manou – The Swift“, einer deutsch-französischen Gemeinschaftsproduktion. Bei dem aufwendig produzierten Film stellt er sich der Herausforderung, die Abenteuer einer skurrilen Seemöwe zu vertonen. Während er bei bisherigen Produktionen überwiegend elektronisch arbeitete, wird die Musik zu dem im Sommer startenden Film von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eingespielt.

Text: Dennis Dirigo


Überraschungsgast des Jahres Nr. 1
Bundestrainer Joachim Löw besuchte die Premiere der Nibelungen-Festspiele
Wie unspektakulär wäre doch die Gästeliste bei der diesjährigen Premiere der Nibelungen-Festspiele ausgefallen, wenn nicht in letzter Minute noch Joachim Löw, unser Bundes-Jogi, zugesagt hätte…

Weder Ottfried Fischer, noch Roberto Blanco hatten sich zur Premiere der diesjährigen Nibelungen-Inszenierung „Gold – Der Film der Nibelungen“ am 15. Juli 2016 angekündigt. Doch dann erreichte uns einen Tag vor der Premiere die Nachricht, dass wohl einer der bekanntesten Deutschen, Bundestrainer Joachim Löw, in Worms vorbei schauen würde. Mit der Nibelungen-Darstellerin Dennenesch Zoudé und ihrem kurz zuvor verstorbenen Gatten, Regisseur Carlo Rola, verband Löw eine große Freundschaft, weshalb er der Brünhild aus „Gold“ einen Besuch abstattete. Schon mit Betreten des roten Teppichs in der Stephansgasse brandete großer Jubel auf und Löw war fortan ein gefundenes Fressen für die zahlreichen Fotografen. Aber Löw, längst geübt im Umgang mit den Medien und den Fans, lächelte über alles charmant hinweg und stand für jede Menge „Selfies“ zur Verfügung. Anschließend besuchte der Schwabe, der ganz bodenständig im Prinz Carl Hotel übernachtet hat, bis weit nach Mitternacht die After-Show-Party im Café TE und war auch dort umzingelter Mittelpunkt des Abends. Im Übrigen hat Löw, der dieses Jahr bei der EM in Frankreich den Finaleinzug nur knapp verpasst hat, Ende Oktober 2016 seinen Vertrag als Bundestrainer vorzeitig bis 2020 verlängert. Das Schlusswort gebührt deshalb DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Ich habe immer betont, dass ich mir keinen besseren Trainer für unsere Nationalmannschaft vorstellen kann als Jogi Löw. Er hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren mit seiner Leidenschaft und einer hohen fachlichen Kompetenz geprägt, weiterentwickelt und zum WM-Titel geführt.“ Dem gibt es wenig hinzuzufügen. Auf nach Russland 2018 zur Titelverteidigung!!

Text: Frank Fischer


Überraschungsgast des Jahres Nr. 2
Pietro Lombardi („DSDS“-Gewinner 2011) besuchte ein Heimspiel von Wormatia Worms
Beim Heimspiel der Wormatia gegen den VfB Stuttgart II saß ein junger Mann auf der Tribüne, der zuletzt eher unfreiwillig die Klatschspalten der Boulevardpresse gefüllt hatte, weil seine Frau ihn öffentlich betrogen hat. Die Rede ist von Pietro Lombardi.

„Pietro wer?“ fragt ein Teil unserer Leserschaft vollkommen zu Recht. „Na, der Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar 2011“, der von Sarah Lombardi quasi vor Millionen Fernsehzuschauern betrogen wurde!“ antwortet daraufhin der Klatschpresse lesende Teil unserer Leserschaft. Zugegeben: Dass sich das DSDS-Glamour-Paar getrennt hat, mag für manche so interessant sein, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Für andere wiederum war es das beherrschende Thema Nummer 1 – selbst zu der Zeit, als Donald Trump neuer US-Präsident wurde. Die Frage, wie man den armen Jungen in Zeiten von Twitter, Facebook und Instagram derart öffentlich betrügen kann, schien wichtiger zu sein als die Tatsache, dass gerade ein Rassist zum Präsidenten in Amerika gewählt wurde. Als jener Pietro also am 19. November 2016 das Heimspiel von Wormatia Worms gegen den VfB Stuttgart II besuchte, sprach sich das rum wie ein Lauffeuer und er musste in der Folge geduldig zahlreiche Selfies über sich ergehen lassen. Der Grund für seinen Besuch: Lombardi ist mit dem Wormatia-Linksverteidiger Alan Stulin befreundet und durfte anschließend auch mit in die Kabine, um an einer so genannten Mannequin-Challenge teilzunehmen. Das brachte der Wormatia sogar einen Kurzbeitrag in der Sendung „Promiflash“ ein, wo darüber berichtet wurde, dass es sich Pietro – trotz Sarahs Fremdgehaktion – bei seiner Lieblingsmannschaft Wormatia Worms gut gehen ließ. Als Glücksbringer taugt der gebürtige Karlsruher allemal, denn die zuvor in sechs Spielen sieglosen Wormser gewannen an diesem Nachmittag mit 3:1.

Text: Frank Fischer


„Neu-Wormser“ des Jahres
Rapper Haftbefehl eröffnete einen Club mit Shisha-Bar in Worms
Als der Rapper Haftbefehl beschloss, seinen zweiten Club in Deutschland zu eröffnen, suchte er sich als Standort das Rhein-Main-Gebiet aus. Dort, wo Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt oder seine Heimatstadt Offenbach geradezu nach einer neuen Shisha-Bar dürsten, entschied er sich letztendlich für den Standort: Worms….

Dabei betritt der Offenbacher Rapper mit der Eröffnung einer Shisha-Bar mit Cocktail-Lounge kein Neuland, denn in Babenhausen (bei Frankfurt) betreibt er seit Dezember 2015 erfolgreich „Babos Bar“ – in Anlehnung an seinen bekanntesten Hit. Zwar erreichte die Single „Chabos wissen wer der Babo ist“ im Jahr 2013 „nur“ Platz 30 der deutschen Single-Charts, allerdings wurde der Begriff „Babo“ (Zazaisch für Vater oder Chef) fortan zu einem geflügelten Wort in der Szene. Das Wort „Babo“ fand Eingang in die deutsche Jugendsprache und wurde im November 2013 von einer Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags zum „Jugendwort des Jahres 2013“ gewählt. Ansonsten handeln die Texte von Hafti von den üblichen Rap-Themen, z.B. über das Leben im kleinkriminellen Milieu, Drogen, Waffengewalt oder die Diskriminierung von Migranten. Der Rapper mit türkisch-zazaisch-kurdischer Abstammung hat am 16. Dezember 2016 „Babos Worms – Shisha und Cocktail Lounge“ in der Hafenstraße 5 in Worms eröffnet und zählt damit etwas überraschend zu den „Neu-Wormsern“ des Jahres.

Text: Frank Fischer