Macht frisst Seele

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Theaterinszenierung „Birdland“

20. April 2017 | Nationaltheater Mannheim:

Der britische Dramatiker Stephen Simon ist sowas wie der Rock’n’Roller unter Englands Autoren. Mit seinem Stück „Birdland“, das in Mannheim erstmals in Deutsch gezeigt wird, unterstreicht er diesen Status eindrucksvoll.

Im Zentrum der Geschichte steht Paul, ein Rockstar wie aus dem Bilderbuch. Gestern noch unbekannt, heute Arenarocker, der Konzerte vor 70.000 Fans gibt und natürlich alle gängigen Klischees erfüllt, die Otto Normalverbraucher erwartet. Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Stephen Simons Stück möchte aber nicht einfach eine Nummernrevue sein, sondern ein existentialistisches Stück über Macht – und wie sie den Menschen verändert. Man braucht natürlich kein Hellseher zu sein, um Simons Fazit voraus zu sagen. Macht korrumpiert, Macht macht aus Menschen Monster. Im Falle des Musikers Paul ist das besonders eindrücklich. Paul behandelt selbst seinen besten Freund wie einen Sklaven, verführt dessen Freundin, die sich wiederum das Leben nimmt, nachdem er ihr sagt, dass er den gemeinsamen One-Night-Stand seinem Freund verraten wird. Paul ist überheblich, verletzend, aber auch selbstzerstörerisch. Gespielt wird dieser Kotzbrocken von David Müller, der in der Rolle alles gibt und am Ende mit dem entsprechenden Publikumsapplaus belohnt wird. Das sparsame Bühnenbild verstärkt den Eindruck menschlicher Leere. Lediglich Kinderzeichnungen, die immer wieder an die Wände gezaubert werden, spiegeln die Unreife des Charakters, der am Ende selbst aufgefressen wird. Natürlich zelebrieren die Bilder auch immer wieder Posen, die ein essentieller Bestandteil des „Rockstartums“ sind, aber von Regisseur Burkhard C. Kosminski effektvoll inszeniert werden.

FAZIT: Zuweilen wirkt das Stück des Briten Stephen Simons, als hätte er in den 90er Jahren ein paar Britpop Heroen wie Liam Gallagher begleitet, darüber den Mantel der Moral ausgebreitet und das Ganze mit ein paar melodramatischen Effekten garniert. Das Ergebnis ist trotzdem durchweg spannend, mitreißend gespielt und geschickt inszeniert.

Hinweis: Das Stück läuft am 12. Mai 2017 zum letzten Mal in dieser Saison.