Meinungen – bedeutender als Tatsachen?

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Häufig erlebe ich, wie stolz Leute auf ihre Meinung sind und glauben, dass sie zweifellos ganz richtig liegen. Zwar haben wir seit einiger Zeit den seltenen Vorteil der „Freien Meinungsäußerung“. Doch sollten wir denn nicht sorgfältiger darüber nachdenken, ob wir wirklich den richtigen Weg gehen? Leider aber kann man immer noch beobachten, dass so viele Meinungen mehr oder minder falsch sind. Schlimmer noch: Manche Menschen lassen sich selbst durch Tatsachen nicht belehren. Diese Personen sind sozusagen „immun“ gegenüber festen Beweisen.

Die heimliche Macht heutiger Meinungsmacher scheint weiterhin unbekannt zu sein. Hinzu kommt, dass wir vielfältigen Beeinflussungen und Suggestionen ausgesetzt sind. Aus natürlichen Gründen beherrschen uns egoistische Interessen. Jedoch in sehr unterschiedlichen Maßen. Die meisten Interessenkonflikte sind somit unvermeidlich. Bedauerlich ist, dass dies zu einem Übermaß an Unfrieden führt. Man kann sagen, die Meinung ist meine Sache. Leider auch Fortschrittsbremse! Doch als Menschen, die ja über den Tieren stehen (oder stehen sollten), sollten wir eigentlich die eigene Ansicht und eigene Interessen einschränken zum Wohle aller. Im Zeitalter der Massengesellschaft mit übersteigertem Profitdenken, wird der Mensch immer unzufriedener und unfriedlicher. Wer mir dieses als puren Pessimismus vorwerfen möchte, dem ist nicht zu helfen! Durch Leugnen der (schlimmen) Zustände auf diesem überbevölkerten Planeten, sind die akuten Probleme nicht zu lösen.

Bedauerlich ist, dass soviel in dieser Welt falsch läuft. Statt eines nützlichen Miteinanders, hat sich die Methode „alle gegen alle“ herausentwickelt. Lehrreich ist in dieser Beziehung (auch) unsere Sprache: Tagtäglich ist das Wort und der Begriff „Meinung“ zu hören. Ein nützliches Wort „Deinung“ aber fehlt immer noch….

Beim Wort „Meinung“ bleibend, ist ebenso festzustellen, dass unser Staat meint, dass ein lebenslanges Lernen für viele (oder alle?) zur Lösung millionenfacher Arbeitslosigkeit führen könnte. Im Gegensatz zu dieser Forderung steht die große Masse, die nicht lernwillig ist. Daraus resultiert eine Entwertung jeglicher Meinungsäußerung. Außerdem steht die einzelne Meinung gewöhnlich im deutlichen Gegensatz zu einer allgemeinen Meinung.

Zur Unterstützung meiner Ausführung jetzt eine Definition aus einem philosophischen Lexikon (gekürzt von mir): „Meinung wird heute zusammen mit Glauben und dem Wissen als ein Akt der Wahrheitsfindung bestimmt. Der M. oder dem Meinen werden die Eigenschaften des rein Subjektiven, Unbestimmten, sowie das Verhaftetsein an die sinnliche Wahrnehmung zugeschrieben. Damit ist die Meinung gegenüber dem Wissen ein defizienter Modus der Erkenntnistätigkeit.“

Zusammenfassend nun eine abschließende Darlegung: Meinung oder Glauben kann keine objektiv richtige Beurteilung von Zuständen oder Tatsachen sein und ist somit stets an den Einzelnen gebunden. Außerdem können sich Meinungen von Zeit zu Zeit ändern. Niemals hatten Meinungen einen absoluten Wert! Von echtem Wert aber sind Wissenschaft und, eingeschränkt, die moderne Philosophie.

Schließlich empfiehlt sich aus Obigem, bescheiden mit seinen Ansichten und Überzeugungen umzugehen, zumal zu erwarten ist, dass wir – hoffentlich! – noch etwas klüger werden können. Machen wir´s, wie manche Philosophen, die gern und reichlich Fragezeichen hinter ihre Aussagen und Sätze setzen!

Bleibt hier noch die gewohnte „Spaßkiste“. Hier ist sie:

Sagt der eine zum anderen: „Deine Ansicht ist falsch, die Tatsachen sprechen dagegen“. Antwortet der andere: „Umso schlimmer für die Tatsachen!“

Mit freundlichen Grüßen:
Ihr Heinz Dierdorf