Musik vs . Fußball 1:0

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„44. Open Air Hamm“

Autor: Stefan Gärtner

21. Juni 2014
Rheinwiese 12 Apostel bei Hamm:

Zurück an alter Stätte begeisterte das 44. Open Air Hamm mit tollen Bands und der gewohnt einzigartigen Atmosphäre, auch wenn König Fußball am Samstag ein harter Konkurrent war.

Da hatten es die Bands am Freitag schon etwas einfacher, die auf die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums in Hamm trafen. Über dem Samstag hing jedoch von Anfang an das Damoklesschwert des Deutschlands-Spiels um 21 Uhr gegen Ghana. Tatsächlich war der Platz abends etwas leerer als sonst, so mancher klebte am mitgebrachten Fernsehgerät auf dem Zeltplatz oder im Chill-Out-Zeit fest, wo das Spiel ebenfalls übertragen wurde. Als jedoch nach dem Kinderprogramm am frühen Abend gegen 18 Uhr die Garanten für gute Laune, THE OFFBEAT-SERVICE, loslegten, stellte sich der Pegel im Publikum von Anfang an auf Kurzweil ein und es wurde schon nach den ersten Songs munter losgetanzt zu den jamaikanischen Ska-Klängen. Mit einer kompetenten Bläserfraktion ausgestattet, sorgten die acht Musiker aus Worms schnell für ausgelassene Stimmung unter den Besuchern und bereiteten perfekt den Boden für MONDO MASHUP SOUNDSYSTEM, die mit einem Dutzend Mitgliedern noch weniger Platz auf der Bühne hatten. Der Stimmung auf und vor der Bühne tat dies aber keinen Abbruch, der funkig angehauchte HipHop Reggae Stilmix mit eingestreuten Jazzelementen kam gut bei den Festivalbesuchern an. Ebenso wie die GRAVELTONES, Londons heißer Insidertipp, die von ihrer punkigen Attitüde her mitunter an „The Hives“ oder „The Babyshambles“ erinnerten. Einen krassen Bruch gab es mit LOUIS BARABBAS & THE BEDLAM SIX aus Manchester, die am stärksten gegen das parallel laufende Deutschland-Spiel ankämpfen mussten. Sie kompensierten dies mit einer aberwitzigen Bühnenshow, die das Publikum ins Staunen versetzte. „Rocktheater“ trifft es wohl tatsächlich am besten, wie man die Songs beschreiben kann, die bereits in zahlreichen Filmen und Burlesque-Shows zu hören waren. Zum Abschluss des Festivals fanden sich nach Mitternacht dann wieder alle bei TRANSMITTER aus Hannover vor der Bühne ein, die für den grandiosen Höhepunkt eines hochklassigen Festivalsamstags sorgten. Ihr Electro, der verschiedene Stilrichtungen verbindet, wurde bereits 2011 auf dem Open Air Hamm gefeiert. So mancher, der beide Auftritte gesehen hat, war der Meinung, dass Transmitter diesmal sogar noch eine Schippe draufgelegt hätten. Als Spielverderber erwies sich diesmal die Polizei, die bei dem seit 43 Jahren als absolut friedlich bekannten Festival, bei dem es noch nie nennenswerte Vorkommnisse gab, drei Kontrollpunkte in der Umgebung aufgebaut hatte, um teilweise sogar die Taschen von Fußgängern (!!) zu überprüfen. Da wollte sich wohl jemand noch schnell eine Beförderung verdienen, bevor Marihuana auch hierzulande offiziell legalisiert wird. Komischerweise kommt bei den Ordnungsbehörden keiner auf die Idee, die Besucher eines Helene Fischer- oder eines Andrea Berg-Konzertes auf ihren Alkoholpegel hin zu untersuchen. Da könnte man mindestens genauso viele Führerscheine einkassieren wie bei einem friedlichen „Hippie-Festival“…

Foto: Andreas Stumpf

Foto: Andreas Stumpf

Fazit: Wer sich statt dem 2:2 der deutschen Mannschaft gegen Ghana für das Open Air Hamm entschieden hat, lag damit sicherlich nicht verkehrt. Am Samstag gab es keinen Ausfall im Line-Up, jede Band wusste zu gefallen.