Nächste Haltestelle Glück

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Aufführung der Nibelungenhorde-Inszenierung „Hier und jetzt – oder vice versa“

13. August 2015
Lincoln Theater:

Seit zehn Jahren ist die Truppe, die von der Pädagogin Astrid Perl Haag ins Leben gerufen wurde, fester Bestandteil des Rahmenprogramms der Nibelungen-Festspiele und erstaunt immer wieder aufs Neue, was diese in gerademal drei Wochen auf die Beine gestellt haben.

Basierend auf der sogenannten Trashoper „Haltestelle Geister“ des deutschen Schriftstellers Helmut Krausser, entwickelte der Regisseur Uwe John mit 37 Hordlern in einem Sommerworkshop ein temporeiches Stück, das trotz tropischer Temperaturen im Lincoln Theater für kurzweilige zweieinhalb Stunden sorgte. Die Handlung war dabei eher skizzenhaft. Die Geschichte spielte ausschließlich an einer Bushaltestelle, an der sich die Wege verschiedener Personen kreuzten. Gemeinsam hatten alle Figuren, ob Dealer, Pizzabäcker, Penner, Tussen oder die Prinzessin Gracia Gala von dem Planeten Tallulah, dass sie alle auf der Suche nach irgendetwas waren. Prinzessin Gracia Gala, gleich von drei Darstellerinnen verkörpert, lebte in der Erinnerung an ihr verlorenes Königreich. Nur durch den Konsum von Drogen war es ihr möglich, sich in ihre ersehnte Traumwelt hinein zu katapultieren. Überhaupt versuchten im Laufe des Stücks einige der skurrilen Charaktere ihr Glück mit Hilfe von kleinen Pillen, mit bewusstseinserweiternden Nebenwirkungen, zu finden. Beobachtet wurden alle von drei Geistern, die auf einem Überbau dem bunten Treiben zuschauten, bei dem auch eine Drag Queen, ein Flüchtling, ein Mann auf der Suche nach der Liebe und eine Polizistin mitmischten. Im Laufe des Stücks verstarb ein großer Teil der Charaktere, die fortan als Geister unter den Lebenden wandeln mussten. Am Ende erfolgte die Erlösung und die Geister wurden mit einem Bus in die Unendlichkeit befördert, während andere es schafften, auf natürliche Weise ihr Glück zu finden.

Fazit: Imposante, mitreißende Aufführung mit dem einzigen Wehrmutstropfen, dass sie lediglich ein einziges Mal aufgeführt wurde. Besonderes Lob gebührt den jungen Darstellern, die allesamt tolle Leistungen zeigten. Ein kräftiges Prost auf die kommenden zehn Jahre der Nibelungenhorde.