Quo Vadis Wormatia?

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Nur ein Sieg gegen Eintracht Trier am Dienstag kann Stefan Emmerling noch retten

So schnell kann es im Fußball gehen… Nach dem grandiosen 1:1 vor einer Woche gegen den letztjährigen Meister Hessen Kassel hätte wohl jeder der Besucher, die der Mannschaft von Stefan Emmerling trotz des späten Ausgleichstores ein großes Spiel bescheinigt hatten, einiges darauf verwettet, dass dafür endlich der ersehnte Dreier bei der SpVgg Neckarelz gelingen würde. Schließlich musste der Aufsteiger sogar in einem fremden Stadion in Sandhausen spielen und hatte in Anbetracht von knapp 200 mitgereisten Wormser Fans erst recht ein Auswärtsspiel. Denkste. Als es Mitte der zweiten Halbzeit immer noch 1:0 durch den Führungstreffer von Marcel Abele (14.) stand und die Wormatia mal wieder die gefühlt zwanzigste Konterchance nicht konsequent zu Ende gespielt, manche würden sagen „stümperhaft verstolpert“ hatte, da trösteten sich die ersten gelangweilten Fans im Wormser Block damit, dass es immerhin der erste Sieg der Saison werden würde, auch wenn man über das „Wie“ besser den Mantel des Schweigens hüllt. Dass dem biederen Aufsteiger sieben Minuten vor Schluss noch der Ausgleich und zu allem Überfluss auch noch mit dem letzten Angriff des Spiels der Siegtreffer gelang, war dem Umstand geschuldet, dass die Wormatia nach der Führung nicht nur unfähig war, in den folgenden 70 Minuten (!!!) das beruhigende 2:0 zu erzielen, sondern derart pomadig aufgetreten war, dass man sich fragen muss, gegen wenn man denn eigentlich noch gewinnen will?? Und ist es nicht die Aufgabe des Trainers, seinen in Führung liegenden Spielern in der Halbzeit so viel Selbstvertrauen einzuimpfen, damit man gegen einen Aufsteiger wenigstens ein läppisches 1:0 hält? Zu allem Überdruss hat der Trainer, nicht zum ersten Mal während seiner Zeit in Worms, in der 2. Halbzeit haarsträubende Fehler gemacht. Zunächst Jonathan Zinram einzuwechseln, um ihn dann 20 Minuten, ohne jegliche Verletzung, wegen taktischem Fehlverhalten gegen einen defensiven Mittelfeldmann auszuwechseln, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl jungen Spielern gegenüber. Der arme Zinram stand nach dem Spiel heulend am Zaun, verstand die Welt nicht mehr und wurde wenigstens von den mitgereisten Fans gefeiert, die aufgrund seines starken Spiels gegen Kassel seinen Einsatz von Anfang an gefordert hatten. Stattdessen durfte der erneut vollkommen indisponierte Stareinkauf Baljak, der zuvor schon eine Hundertprozentige in der ersten Halbzeit versiebt hatte, weiterspielen und beim Stand von 1:1 kurz vor Schluss die hundertprozentige Chance zum Siegtreffer derart anfängerhaft versemmeln (frei vorm Tor Richtung ungefähr 10 Meter übers Tor), dass man sich fragen muss, ob das tatsächlich der gleiche Spieler ist, der vor nicht allzu langer Zeit Bundesliga gespielt hat? Aufgrund der arroganten Spielweise in der zweiten Hälfte hätte Emmerling so ziemlich jeden Offensivmann auswechseln können, warum es ausgerechnet den noch fitten Zinram traf, weiß wohl nur der Trainer selbst. Im Übrigen wäre das Wechseldilemma mit Zinram bei einem Sieg nur eine kleine Randnotiz. Das ist es aber nicht, weil zum wiederholten Male in der Schlussphase noch Punkte verschenkt wurden und der Verein mehr denn je mit dem Rücken zur Wand steht.

In der in dieser Woche erscheinenden September-Ausgabe des WO! Magazins steht ein Artikel über die Wormatia mit der Überschrift „Geduld ist gefragt“. Die nach dem Spiel gegen Kassel aufgestellten Thesen (guter Kader, konditionell fit, ein Spielsystem, das es anderen Teams schwer machen wird, gegen die Wormatia zu gewinnen) treffen immer noch zu. Aber nach zuvor nur 5 Punkten aus 5 Spielen und nun einer bitteren Niederlage gegen einen spielerisch beschränkten Aufsteiger, wird auch der Trainer zwangsläufig hinterfragt. Die Bilanz Emmerlings, seit er Trainer in Worms ist, lautet: 5 Siege / 10 Unentschieden /8 Niederlagen. Anders gesagt: 25 Punkte in 23 Spielen sind die äußerst dürftige Bilanz eines potentiellen Absteigers. Dass Emmerling nach der verkorksten Rückrunde, als er ein bereits zerstrittenes Team übernommen hat, eine neue Chance erhalten hat, war richtig so, da die sportliche Leitung von seinen Fähigkeiten als Teamleiter überzeugt war. Wenn aber ein Trainer gut trainiert, aber an der Außenlinie derart glücklos agiert und partout keine Siege eingefahren werden – zusammen mit der punktlosen Hoffenheimer Zweiten ist die ambitionierte Wormatia als einzige noch sieglos – wird der Vorstand handeln MÜSSEN. Das sind nun mal die Gesetze des Fußballs. Jetzt hilft nur noch eines: Ein Sieg, möglichst überzeugend, gegen Eintracht Trier am Dienstag, sonst wird Emmerling gehen müssen, will man eine bereits nach 6 Spieltagen verkorkste Saison noch retten. Jetzt kommt es darauf an, ob die Spieler, wie schon gegen Kassel oder Offenbach, erneut bereit sind, bis an die Schmerzgrenze zu gehen, um ihren angeschlagenen Trainer noch zu retten. Das ist der Kader, der von Emmerling zusammengestellt und in der Vorbereitung trainiert wurde – die meisten seiner Wunschspieler wurden ebenfalls verpflichtet. Jetzt sind die Neuzugänge wie Kevin Wölk, Srdjan Baljak oder Carsten Sträßer, die im bisherigen Saisonverlauf bitter enttäuscht haben, besonders gefordert. Ein Unentschieden oder sogar eine Niederlage werden die aufgebrachten Fans, die bereits nach dem Spiel gegen Neckarelz mit „Trainer raus“-Rufen auf sich aufmerksam machten, nicht noch einmal verzeihen.