Raue Stimmen, harte Riffs und weiche Texte

, , Leave a comment

Konzert der Band „Bankert und Kafruse“

08. April 2017 | Zum alten Kelterhaus in Alsheim:

Dass das „Alte Kelterhaus“ ein Herz für handgemachte Musik hat, ist längst über die Ortsgrenzen von Alsheim hinaus bekannt. Anfang April zog es das Duo „Bankert und Kafruse“ in die Gaststätte, die mit ihrer verträumten Optik auch als Kulisse für das Auenland herhalten könnte.

Hinter dem hemdsärmeligen Namen verbergen sich die beiden Vollblutmusiker Dirk Beiersdörfer und Alex Günther, die im Dienste des Bluesrock unterwegs sind, diesen allerdings in den Kontext ihres ganz eigenen musikalischen Universums setzen. Konkret bedeutet das eine geschmackvolle Kreuzung aus Psychedelic, Deutsch-Rock und eben jenem Blues. Das Erstaunliche dabei ist, dass sich diese scheinbaren Gegensätze perfekt miteinander verbinden. Zusammengehalten wird diese Mischung von Dirk Beiersdörfers Stimme. Irgendwo angesiedelt zwischen Tom Waits und Bob Dylan, schafft sie ein Spannungsfeld, das von manchem Besucher gerne auch mit einer Nähe zu Deutschrockern wie Wolf Maahn oder Westernhagen assoziiert wurde. Das mag zunächst ein wunderlicher Vergleich sein, aber mit wem auch immer man dieses von Zigaretten und Whiskey geschwängerte Timbre vergleichen möchte, fest steht, dass sich dieses wunderbar in die melancholisch faszinierende Stimmung der überwiegend selbst geschriebenen Songs einfügt. Das klang oft rau und ungeschliffen, was wohl auch das erklärte Ziel dieser Musik ist. Verstärkt wurde das Duo an diesem Abend durch Volker Schuhmacher, der die Gitarrenwand mit seiner Fingerfertigkeit verstärkte, sowie Markus Fröse, der mit einem reduzierten Schlagzeug dennoch für den idealen Beat sorgte. Songs wie „Freischwinger“, auch als Clip zu sehen bei YouTube, zeigten, dass die Musik – fernab von infernalischen Klangkaskaden – auch einfühlsam und zerbrechlich sein kann. Stimmliche Auflockerung gab es immer wieder durch den sporadischen Einsatz von Alex Günthers deutlich „cleaneren Stimme“, zu hören u.a. in der gelungenen Cover-Version des Depeche Mode Klassikers „I Feel You“.

FAZIT: Bei bestem Besuch im stimmungsvollen Ambiente des Kellergewölbes im Alsheimer „Kelterhaus“ spielte das Duo, das an diesem Abend zum Quartett anschwoll, ein spannendes Konzert. Starke Songs, starke Instrumentalisten und ausdrucksvolle Stimmen. Was will man mehr?