Sagen Sie mal, Herr Bims?

, , Leave a comment

Teil 53: Etikettenschwindel

Nach meiner letzten Kolumne habe ich viele böse Reaktionen erhalten. Man könne doch nicht einfach unseren Weihnachtsmarkt umbenennen und dann gleich noch die Currywurst mit dazu. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, ist das nicht Etikettenschwindel?“

Da hab ich ja wieder ordentlich Staub aufgewirbelt mit meiner letzten Kolumne, in der es um die Umbenennung unseres gesegneten „Wormser Weihnachtsmarktes“ in „Nibelungen Weihnacht“ ging. Das an sich ist zwar witzig, war aber gar nicht als Witz gemeint, sondern ist bittere Realität. Dafür war es natürlich nur ein Scherz, dass unsere „Currywurst mit Pommes“ zukünftig „in pikantem Drachenblut gebadeter Siegfriedszipfel mit frittierten Grumbeerstreifen“ heißen soll. Und dann steh ich nichtsahnend beim „Jazz and Joy“ am Currywurststand, als plötzlich jemand neben mir die Verkäuferin fragt: „Haben Sie noch Siegfriedszipfel in pikantem Drachenblut, gerne mit frittierten Grumbeerstreifen?“ Als hätte die Verkäuferin meine letzte Kolumne gelesen, antwortete sie total schlagfertig: „Ja, ist denn heut schon Nibelungen-Weihnacht?“ Nachdem sich beide als große Bert-Bims-Fans geoutet hatten, fragte die Verkäuferin noch einmal nach: „Die frittierten Grumbeerstreifen, wollen Sie die mit Kriemhilds Menorrhö oder Hagens Liebessaft?“ Zugegeben: Diese Begriffe „für Ketchup oder Mayo?“ kannte ich noch gar nicht. Auch was unser „Jazz & Joy“ selbst angeht, wurde darüber spekuliert, ob der Name noch zeitgemäß sei und ob gerade junge Leute mit „Joy“ andere Musikrichtungen verbinden? Bei einer WO! Spontanumfrage am Wormser Hauptbahnhof, welcher Name des Festivals ein jüngeres Publikum anlocken würde, favorisierte die klare Mehrheit der „Jugendlichen bis 25 Jahre“ als neuen Namen „Jazz and Joint“. Derweil antworteten „Besucher ab 60 Jahren“ mehrheitlich: „Wir interessieren uns zwar überhaupt nicht für Jazz, aber Joy Flemming lassen wir uns auf keinen Fall entgehen…?“

Ständig nur Etikettenschwindel
Ja, der Name ist schon wichtig, wenn man bestimmte Käuferschichten ansprechen will. So darf z.B. „Tofu-Butter“ nicht mehr Butter heißen, weil der Name den Verbrauchern etwas vorgaukeln würde, was letztendlich gar nicht drin ist; nämlich echte Milch von glücklichen Kühen, selbstverständlich abgezapft nach dem deutschen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516. Gleichzeitig darf sich aber die CSU weiterhin „Christlich Soziale Union“ nennen. Was sagt denn bitteschön dieser Name über den Inhalt aus? Also „sozial“ waren die definitiv noch nie und das „christlich“ im Namen bleibt ja nur erhalten, damit sie weiterhin alle katholischen Wähler (also ca. 80% in Bayern) ansprechen. Dafür müssen sie dann gegen so neumodischen Kram wie die „Homo-Ehe“ aufbegehren. Wobei ich irgendwo gelesen habe, dass Horst Seehofer bereit wäre, sich der Homo-Ehe zu öffnen – zumindest in gewissen Teilen (nein, das ist nicht sexistisch gemeint!). Vielmehr könne sich Seehofer als Zugeständnis vorstellen, zumindest die „Ehe zwischen schwulen Männern und lesbischen Frauen“ zu erlauben. Nur leider hat ihn dann wohl jemand aus seinem Ministerium darauf hingewiesen, dass bereits „halb Bayern“ in einer derartigen Beziehung lebe (Hinweis: In meiner ersten Textfassung stand statt „halb Bayern“ noch „alle Fans vom FC Bayern München“ – das wurde aber offensichtlich von der Chefredaktion wegredigiert…). Deshalb sage ich: Weg mit dem moralischen „C“ im Namen!! Und dem „S“ gleich noch dazu. Wo ist der Bundesgerichtshof, wenn man ihn mal wirklich braucht? Macht aus der CSU endlich die „U“, also nur noch „Die Union“ (Sektion Bayern)“. Deutschland heißt bei einer Weltmeisterschaft schließlich auch nicht mehr Deutsche Fußball-Nationalelf, sondern „Die Mannschaft“. Konsequenterweise müsste man auch den Nibelungenkurier umbenennen in „Mitteilungsblatt des für den Wahlkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“. Tut ja aber offiziell keiner, weil der alteingesessene Name einfach griffiger ist und eine gewisse Neutralität zum Ausdruck bringen soll. Dagegen erwägt man ernsthaft, den Frankfurter Flughafen zukünftig „Helmut-Kohl-Airport“ zu nennen, obwohl „Bimbes-Airport“ viel einprägsamer wäre und zudem auch noch hessischer klingt. Aber man muss diese ganzen Etikettenschwindel nicht verstehen. Deshalb heißt auch der Sänger der Scorpions weiterhin „Klaus Meine“, obwohl „Maus Kleine“ viel passender wäre. Und der Typ zu meiner Linken ist der „Peter Englert“ und nicht der „Hartmut Englert“, sonst wäre er nicht Sänger bei den „Döftels“, sondern bei „PUR“. Und wer will das unserem Peter ernsthaft antun? Oder wahlweise den „Döftels“.

Ihr könnt also auch in Zukunft so viel Etikettenschwindel betreiben, wir ihr wollt. Für meine Kolumne gilt auch weiterhin: Wo „Bert Bims“ drunter steht, ist auch „Bert Bims“ drin. Dafür stehe ich mit meinem Namen, mit dem man garantiert kein Schindluder treiben kann.

Ihr Bert Bims

PS: Ich kaufe ein „U“ für meinen Nachnamen.