Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 61: „Ärger mit Justicia“

Regisseur Dieter Wedel steht wegen Missbrauchsvorwürfen juristischer Ärger ins Haus, Oppenheims Bürgermeister Marcus Held muss sich wegen dem Vorwurf der „Untreue“ in 15 Fällen und „Bestechung“ verantworten. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, was sagen Sie denn zu den jüngsten Enthüllungen?“

Erklärung vorab: Im Jahr 2017 musste der Verlag wegen mir keine Rechtsanwaltskosten, Gerichtskosten oder gar Schmerzensgelder an Lokalpolitiker zahlen. Wir haben letztes Jahr auch keine Post von der Staatsanwaltschaft Mainz erhalten, adressiert an „Fischer-Verlag, z.H. Herrn Bert Bims“ (Das ist immer noch der interne Redaktionsbrüller schlechthin!!). In einer verrückten Zeit, in der Helden zu Buhmännern mutieren, kann ich Ihnen eines versichern: Ihr Kolumnist des Vertrauens sitzt fester im Sattel denn je. 2018 kann kommen, mein Vertrag als Satiriker und Klatschreporter wurde um ein Jahr verlängert. Juhuu!!

Das ist aber auch die einzige gute Nachricht, die ich Ihnen bisher aus dem Jahr 2018 übermitteln kann. Anderen ging es zuletzt längst nicht so gut, was Ärger mit Justitia angeht. Zum Beispiel dem großen Regiezampano Dieter Wedel, der sich auf seine alten Tage anschickt, der „deutsche Harvey Weinstein“ zu werden. Zu dieser Sache nur so viel: Schlimm daran ist nicht, dass manche Opfer erst vier Jahrzehnte darüber gesprochen haben, sondern, dass immer mehr Leute aus der Filmbranche von einem offenen Geheimnis sprechen. Wenn jetzt angeblich Erleichterung in der Branche herrsche, weil es dem „Grabscher“ Wedel an den Kragen ginge, muss man fragen, warum keiner aus der Filmbranche schon viel früher seinen Mund aufgemacht hat?

Und dann ist da noch der „Held von Oppenheim“, dem selbst der Landesrechnungshof und die Staatsanwaltschaft Mainz keine Furcht einjagen. Während diese längst die Aktenschränke im Rathaus leer räumen, draußen Hunderte Oppenheimer für seinen Rücktritt demonstrieren und täglich neue Hiobsbotschaften über Helds Schandtaten den 7500-Seelen-Ort erschüttern, sitzt der Herr Bürgermeister am Schreibtisch und erzählt „seinen“ Journalisten grinsend die Mär von der Verschwörung gegen seine Person. Von Schuldeingeständnis oder gar Reue keine Spur. Soll sich ein Bürgermeister, der seit 12 Jahren im Amt ist, tatsächlich noch an so banales Zeugs wie Gesetze, Verordnungen, Dienstanweisungen oder gar Stadtratsbeschlüsse halten? Ermächtigt der Wähler den Bürgermeister nicht automatisch dazu, spätestens ab der dritten Amtszeit über alles alleine entscheiden und sich hinwegsetzen zu dürfen? Jemand, der so viel für Oppenheim getan hat. Zum Beispiel die Schulden der Stadt massiv in die Höhe treiben. Oder Neubaugebiete ausweisen (Stichwort: „Der Held macht viel!“) und dabei Parteifreunden oder ominösen Maklern Hunderttausende aus der Stadtkasse zuschieben. Die einzigen, die noch zu ihm halten, sind diejenigen, die von Helds Vetternwirtschaft am meisten profitiert haben. Ansonsten herrscht seit geraumer Zeit in der Causa Held das so genannte „Schweigen der Sozis“. Bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer, bei Innenminister Roger Leventz. Ja, selbst unser OB in Worms wollte nicht mehr mit unserem Magazin sprechen, nachdem wir den Maggus zu hart angegangen waren. Irgendwie erinnern mich Helds Unschuldsbekundungen der letzten Wochen an die Szene aus „Der bewegte Mann“, als Til Schweiger von seiner Freundin mitten beim Fremdvögeln auf dem Klo erwischt wird und sagt: „Aber ich kann das erklären. Es ist nicht so, wie du denkst!“ Aber natürlich, das hatte ich komplett vergessen, gilt auch für Helden weiterhin die Unschuldsvermutung, solange die Gerichte keine juristische Entscheidung gefällt haben. Vorab eine moralische Entscheidung zu treffen, das kann mir aber keiner nehmen. Meine lautet: „Marcus Held ist mindestens genauso raffgierig, karrieregesteuert und postengeil wie so mancher andere in seiner Partei.“

Warum kommt mir plötzlich Martin Schulz in den Sinn? Zur Erinnerung: Das ist der Kanzlerkandidat der SPD, der innerhalb eines halben Jahres vom Messias zum „20,5%-Schulz“ mutiert ist. Was soll so jemanden noch in der Politik erwarten? Richtig: Einen Ministerposten in einer GroKo. Unterstützung findet er, wen wundert’s, bei Andrea Nahles, die einem gut dotierten Pöstchen auch nie abgeneigt ist, nachdem es mit einem Engagement in der „Muppets Show“ nicht geklappt hat. Spätestens, als Nahles beim Parteitag ihr zartes Stimmlein erhoben hat, wackelte der ganze Saal. Aber keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, das war kein Applaus oder Trampeln. Und erst recht kein politisches Erdbeben. Da hatten sich nur gerade unfassbar viele Sozialdemokraten gleichzeitig im Grab rumgedreht. Jetzt soll man auch noch in die Partei eintreten, um deren Politik abzuwählen. Das wäre so, wie wenn 50.000 Schalker zu Borussia Dortmund gehen, um deren Mannschaft auszupfeifen. Irgendwie macht es halt doch mehr Spaß, sich für eine Sache zu begeistern. Aber warum sag ich dir das noch, liebe SPD, du hörst deinen Bürgern ja sowieso nicht mehr zu.

Gute Besserung an Dieter Wedel, Marcus Held und die gesamte SPD wünscht:

Ihr Bert Bims