Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 66: Blamagen

Im Inland streiten sich Merkel und Seehofer in der Flüchtlingsfrage und in Russland scheidet „Die Mannschaft“, die gar keine war, bereits in der Vorrunde aus. Deutschland blamiert sich zurzeit, wo es nur kann. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, ist denn wenigstens in Worms die Welt noch in Ordnung?“

Keine Sorge, auch in Worms tut unser OB diesbezüglich sein Bestes. Erst lockt Kissel einen Weltstar nach Worms, damit dieser mit zwei Jahren Verspätung endlich „seine“ Brücke tauft. Der schickt ein Video: „Ist das wahr, dass ihr einer Brücke meinen Namen geben wollt? Wenn ja, ich komme gerne.“ Und nach dessen Zusage, antwortet Kissel sinngemäß: „Ätsch, das mit der Brücke war natürlich nur Spaß, wir wollten dich doch damit nur nach Worms locken..“ Wobei ihn der Stadtrat mit der Terence-Hill-Brücke ganz schön hat auflaufen lassen. Dabei lässt Kissel wirklich nichts unversucht, um im November vom Wormser Volk zum OB auf Lebenszeit ernannt zu werden. Im August holt Kissel im Zuge seines Wahlkampfes sogar den viermaligen Deutschen Meister Werder Bremen nach Worms. Mit welchen Versprechungen er das wohl geschafft hat? Ich kann nur mutmaßen, dass er den Bremern versprochen hat, dass die EWR Arena bei einem Sieg des SV Werder in Fischkopp-Arena umbenannt werden soll. Zum einen bezweifle ich auch hier, ob der Stadtrat zustimmt. Zur absoluten Sicherheit sollte die Wormatia auf dem Platz die passende Antwort geben und die Norddeutschen zu leckeren Fischstäbchen verarbeiten.

Apropos Fußball. Ich bin ein typischer Fußballnostalgiker. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber ich habe in den ersten beiden Wochen bei der WM in Russland die Italiener und die Holländer ganz arg vermisst. Gut okay, seit dem Ende der Vorrunde vermisse ich auch die deutsche Mannschaft. Meine Vermutung: Jogis Jungs haben diesmal wegen der fehlenden Rivalität die nötige Einstellung vermissen lassen. Der 2:1-Sieg gegen Holland 1990 hat doch nur so viel Spaß gemacht, weil Frank Rijkaard vorher Rudi Völler in seine frisch geföhnte Lockenpracht gerotzt hat, während Fußball Deutschland zeitgleich am Bildschirm Gift und Galle spuckte. Und die durchaus raren Siege gegen Italien brachten erst so richtig Freude, als die Tifosi anschließend herzzerreißend geheult haben. Dagegen haben mir die trauernden Schweden – bzw. eigentlich eher die Schwedinnen – nach dem Last-Minute-Tor von Toni Kroos fast schon leid getan. Natürlich erst, nachdem ich ausgiebig gejubelt hatte. Zum zweiten und gleichzeitig letzten Mal bei dieser WM, denn kurz danach sind wir ja an einer ganz großen Fußballnation gescheitert, nämlich Südkorea. Vermutlich war die „Todesgruppe F“ einfach eine Spur zu leicht für einen Titelverteidiger. Dass Deutschland so früh ausgeschieden ist, daran war natürlich das Foto von Gündogan und Özil mit dem Despoten Erdogan schuld. Außerdem hat Erdogan nach dieser Promoaktion von den in Deutschland lebenden Türken eine Zustimmung von 65% erhalten. Von solchen Traumwerten können andere Diktatoren nur träumen. Unser aktueller OB wurde zum Beispiel nur von einem Viertel aller Wahlberechtigten gewählt. Dafür hat Kissel in Worms aber „gefühlt“ mehr Macht, als Erdogan in der Türkei. Außer natürlich, wenn es um Brückenumbenennungen geht.

Zum Abschluss meiner Kolumne möchte ich mein Wort an Terence Hill direkt richten. Da ich, nach meiner Lehre zum staatlich geprüften Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest, einige Monate als Kabelträger für einen großen italienischen Filmverleih gearbeitet habe, bekam ich zu dieser Zeit die Gelegenheit, den großartigen Mario Girotti kennenzulernen. Deshalb möchte ich meinem alten Freund einen kleinen Trost in der Sprache zurufen, die ich seinerzeit kennen und lieben gelernt habe: „Scusami terence!. Il nostro sindaco è un uomo di parole vuote!“* Was auf Wormserisch so viel heißt wie: „Nix fer ugut, Terence! Im Wahlkampf vesprischt unsern OB halt viel, bis de Dah rum is.“

Bis zum nächsten Mal,
Ihr Bert Bims

* Entschuldige Terence, unser Oberbürgermeister ist ein Mann der leeren Worte.