Singen für den Kaiser

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Uraufführung des Musicals „Im Schatten von Napoleon“

22. Juli 2014
Das Wormser Theater:

Dass in Worms ein Werk uraufgeführt wird, kommt nicht alle Tage vor. Ok, streng genommen sind die Nibelungen-Festspiele auch Uraufführungen mit dem kleinen Haken, dass nach ihrer zweiwöchigen Laufzeit die Stücke nie wieder aufgeführt werden. Im Falle des von Bert Appermont komponierten Musicals „Im Schatten von Napoleon“ soll das freilich anders sein. Aufgeführt wurde das rund drei stündige Stück im fast ausverkauften Wormser Theater.

Als Auftragsarbeit zum zehnjährigen Jubiläum der Cinephonics komponiert, erzählt das Musical eine fiktive Geschichte um Louis Marchand (Sebastian Wagner), einst Diener des Kaiser Napoleon, der in die Aufklärung der Umstände, die zu Napoleons Tod führten, verwickelt ist. Bezichtigt, dass er ihm Arsen gereicht hätte, so dass der gescheiterte Kaiser Selbstmord begehen konnte, wird Marchand einem stundenlangen Verhör durch den Minister Tallyrand (Kurt Steffens) unterzogen. Am Ende klärt sich natürlich alles auf. Nach weiteren Anhörungen kommt heraus, dass der Graf Montholon (Patrick Twinen) das Arsen weiterreichte. Marchand wird rehabilitiert und versöhnt sich schließlich wieder mit seiner großen Liebe Mathilde (Martina Reisner). Selten zuvor hatte man die Theaterbühne so voll gesehen wie an diesem Abend. Neben den 80 Musikern des Cinephonics Orchester, einem Projekt der Musikschule des Landkreises Alzey-Worms und der Jugendmusikschule Lucie Kölsch, mussten schließlich noch die Sänger und die Bühnenausstattung ihren Platz auf der Bühne finden. Was das Orchester und die Sänger im Laufe der drei Stunden dann boten, war mehr als eindrucksvoll und brauchte den Vergleich mit den großen Musicals nicht zu scheuen. Dass dies gelang war hauptsächlich der Verdienst des belgischen Komponisten und Arrangeurs Appermont, der das Werk an diesem Abend auch dirigierte. Mit einer beeindruckenden Bandbreite an Klangfarben und Stilismen schuf er ein opulentes Musical.

FAZIT: Getragen von hervorragenden Sängern, virtuos arrangiert und dezent, aber fantasievoll ausgestattet, erwies sich „Im Schatten von Napoleon“ als unterhaltsames Werk, das zu recht mit großer Begeisterung vom Publikum gefeiert wurde.