Vom Abglanz des Helden auf eine Stadt

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Bericht zur ersten Medienprobe der Nibelungen Festspiele 2013

Selten war die Erwartungshaltung in den letzten Jahren, bezogen auf die Festspiele, so hoch wie in diesem, was sich auch in dem mehr als gut gehenden Vorverkauf niederschlägt. Immerhin ist die letzte Auseinandersetzung mit dem berühmten Sagenstoff vier Jahre her.

In Form der mediokren Komödie „Das Leben des Siegfried“ kalauerte man sich im Schatten des Doms durch die Geschichte. Kurzweilig, aber letztlich eher belanglos, war es zumindest ein ehrwürdiger Versuch, der Geschichte neue Facetten abzugewinnen. „Zurück zu den Wurzeln!“, könnte das Motto der diesjährigen Inszenierung sein. Wie bereits in den Medien kolportiert, erinnert sich das Team um Dieter Wedel an die Ursprünge der Geschichte und betont den fantastischen Ursprung. Siegfried darf nun endlich nicht nur jagen gehen, wie es seine Vorgänger bevorzugt taten, er darf in diesem Jahr sogar endlich von seinen Heldentaten erzählen.

Foto: Andreas Stumpf

Foto: Andreas Stumpf

Stellvertretend für den Zuschauer gewährte man der Presse einen kleinen Einblick in die bevorstehende Aufführung. Dabei hatte es einen fast schon konspirativen Charakter, als sich an einem Dienstagmorgen im Juni zahlreiche Pressevertreter, egal ob Print, Radio oder TV, im Wormser Theater einfanden, um vom Foyer aus über eine schmale Treppe zu einer Probebühne – in den verschachtelten Räumen des Theaters – geleitet zu werden. Dort angekommen, empfing sie ein improvisiertes Set mit einer ebenso improvisierten Tribüne. Statt Schlamm, wie er in der späteren Arena auftauchen soll, gab es Matratzen, statt eines mittelalterlichen Burgturms eine Gerüstkonstruktion, und der Dom war lediglich als nüchtern an die Wand geschriebenes Wort zu erahnen. Regisseur und Intendant Wedel betonte gleich zu Beginn, dass er sich eigentlich unwohl fühle, der Presse erste erarbeitete Szenen vorzuführen, schließlich sei man noch mitten in den Proben. Gerademal seit zwei Wochen arbeitete das bunt gemischte Team zu diesem Zeitpunkt an dem Stück. Bevor es dennoch was zu sehen gab, erläuterte der deutschlandweit bekannte Regisseur einmal mehr seine Gedanken zu dem Stück. Sprach vom Supermann Siegfried, von dessen Ankunft in Worms sich die Königsfamilie ein Stück von seinem Abglanz erhofft. Irgendwie drängte sich einem in diesem Moment der Gedanke auf, dass man diese Sichtweise auch auf die Stadt Worms, in Verbindung mit den Festspielen, übertragen könnte. Stellt sich nur die Frage, wer in diesem Fall Siegfried ist. Von mir in einem kurzen Gespräch mit diesem Gedanken konfrontiert, winkte Wedel lachend ab. Er als Siegfried, das könne er sich nun gar nicht vorstellen. Wie dem auch sei.

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Foto: Andreas Stumpf

Erste Szenen
Nach diesen wie immer spannenden Ausführungen wurde es dann ernst für die Schauspieler. Während zuvor auf der Probebühne noch eine gewisse Geschäftigkeit herrschte, wurde es plötzlich ruhig, ja fast schon angespannt. Plötzlich erklingt dramatisch der Ruf einer Frau: „Ein Mann muss sterben“. Es ist Brunhild, die hoch oben auf dem Gerüst steht, während dumpfe perkussive Klänge sich mit einem sakralen Ton vermischen und Unheil ankündigen. Auftritt André Eisermann. Mit einem Kreuz vor sich her tragend, spricht er, nein, schreit er mit fester Stimme seine christlichen Thesen hinaus, während Frigga, Brunhilds heidnische Priesterin, ihn argwöhnisch beobachtet. Szenenwechsel: Siegfried taucht auf. Wie ein Popstar, gekleidet in silbernen Stiefeln mit Plateausohlen, marschiert er in die Szenerie ein, begleitet wird er vom Chor der Nibelungen, seinem eigenen Fanclub, in dem auch die Wormserin Nicole Sydow (siehe S. 20) zu finden ist. Zum ersten Mal in der Geschichte wird nun Siegfrieds Kampf gegen den Lindwurm nachhaltig thematisiert. Wedel findet eine äußerst elegante Lösung, diesen zu visualisieren. Dies zu beschreiben, würde dem nicht gerecht werden. Nach dieser eindrucksvollen Szene präsentierte das Ensemble noch den Königinnenstreit. Die wohl zentrale Szene des ersten Nibelungenteils, bei der schließlich die schicksalshaften Weichen für den folgenden Verlauf der Geschichte gestellte werden. Auch diese fällt angemessen dramatisch aus. Insgesamt bleibt nach Begutachtung der noch unfertigen Szenen dem Team zu attestieren, dass das alles sehr beeindruckend kraftvoll, dramatisch und spannend wirkte und zweifelsohne Lust auf das fertige Ergebnis machte.

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Foto: Andreas Stumpf

Gespräche mit Schauspielern
Nach diesen Kostproben gab es noch die Gelegenheit, mit den Ensemblemitgliedern ins Gespräch zu kommen. WO! nutzte die Gelegenheit, mit Siegfried-Darsteller Vinzenz Kiefer über dessen Rückkehr nach Worms zu sprechen. Bereits 2008 war er ein Teil der Festspiele, wenn auch in einer ungleich kleineren Rolle, nämlich als „Hans der Bote“. Kiefer betonte, dass er sich unglaublich freue, diese im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Rolle spielen zu können und erzählte auf sympathische Weise, dass er sich nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten mittlerweile wieder gut in Worms zurechtfinden würde. Auch Tausendsassa Peter Englert, WO! Mitarbeiter, Döftels Sänger und Gerenot-Darsteller, schilderte mit Begeisterung von der Arbeit mit dem jungen Team, welche zwar unglaublich zeitintensiv ausfalle, aber ebenso bereichernd sei. Wie das Ergebnis letztlich aussieht, dazu kann man sich ab dem 5. Juli vor der nach wie vor eindrucksvollen Kulisse des eigentlichen Hauptdarstellers, dem Wormser Dom, selbst seine Meinung bilden. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Noch.

 

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