Von der roten Zora zur Heldentochter

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Wo! Im Gespräch mit Linn Reusse

Mit gerade mal 16 Jahren avancierte sie mit der Rolle der roten Zora – in der gleichnamigen Kinoverfilmung von 2008 – zur Heldin zahlreicher Kinder. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon fast so was wie ein alter Hase im Showgeschäft. Bereits ab 2003 sammelte die junge Berlinerin Erfahrungen als Synchronsprecherin, u.a. in dem Kinohit „Die Geisha“. An der Ernst Busch Schauspielschule in Berlin verfeinerte Linn Reusse später ihr Spiel und ist seitdem auf Deutschlands Bühnen unterwegs. In diesem Jahr führt sie ihr Beruf nach Worms. In dem Stück „Siegfrieds Erben“ spielt sie Swanhild, Tochter von Kriemhild und Siegfried und Schwester von Gunter, der von Jimi Blue Ochsenknecht gespielt wird.

WO! Sie spielen Swanhild, eine Figur, die es so in der Nibelungensage nicht gibt. Was können Sie uns über diesen Charakter erzählen?
In der Nibelungensage haben Siegfried und Kriemhild nur ein einziges Kind, das ist Gunther. Bei uns wurde Swanhild als weiteres Kind der beiden hinzugefügt. Beide Kinder verbindet das Schicksal, ohne die Eltern aufgewachsen zu sein. Der Mythos um Siegfried und Kriemhild begleitet sie von Beginn an. Swanhild versucht im Grunde, ihr Leben lang ihrer Mutter nachzueifern. Sie versucht Kriemhilds Lebensziel, Rache zu nehmen, zu verstehen. Trotz dieser Gewalt, die ihre Mutter am Ende verursachte, bewundert sie Kriemhild. Swanhild ist aber auch eine sehr rebellische, anarchische Figur. Ihr eigenes Ziel ist es, sich von all diesen Dingen zu befreien, unabhängig zu sein.

WO! Man könnte sie auch mit einer Promi-Tochter vergleichen, die im Schatten ihrer mächtigen Eltern aufwächst?
Ja, das kann man damit sehr gut vergleichen. Sie bewundert zwar die Eltern, empfindet es aber als anstrengend, immer mit diesen verglichen zu werden. Dabei will sie doch nur ein eigenständiger Mensch sein. Gerade bei Kindern berühmter Eltern sieht man oft, dass das ganz schwer ist.

WO! Wie nähern Sie sich als Schauspielerin dieser Figur?
Ich suche erstmal nach Indizien. Wo kommt die Figur her, was treibt sie um? Letztlich versuche ich zu verstehen, warum sie tut, was sie tut. Natürlich habe ich mich auch mit den Nibelungen beschäftigt, da mir die Geschichte nicht so präsent war. Und ich muss sagen, dass ich völlig begeistert war. Die Geschichte las sich für mich sehr spannend, fast wie ein Krimi. Außerdem stecken in der Geschichte so viele Bezüge, die sich in heutigen Geschichten wiederfinden. Genauso beeindruckten mich die Parallelen zur Antike.

WO! In der Geschichte geht es auch um Macht über Frauen, ein zeitloses Thema!
Das ist richtig, aber es geht auch generell um das Thema Macht. Das wird anhand des Schatzes verdeutlicht, der ja nicht wirklich da ist. Nur durch die bloße Behauptung begründet sich die Machtstellung der neuen Könige von Worms, denen alle möglichen Menschen folgen, nur weil sie daran glauben. Dieses Motiv finde ich sehr faszinierend und es findet sich absolut in unserer heutigen Welt wieder.

WO! Mit welchem Text, außer natürlich dem Buch zu „Siegfrieds Erben“, haben Sie sich auf ihre Festspielzeit vorbereitet?
Unser Regisseur Roger Vontobel bat uns, uns mit Hebbels Nibelungentext auseinander zu setzen.

WO! Haben Sie sich anfangs mit der wortgewaltigen Sprache Hebbels schwer getan?
Anfänglich schon ein wenig. Im Großen und Ganzen finde ich das Lesen von so alten Texten aber eher beeindruckend. Ich fand ziemlich schnell in den Text und fühlte mich berührt von der Geschichte.

WO! Wirkt es auf Sie einschüchternd, auf einer großen Open-Air-Bühne im Schatten des mächtigen Doms zu spielen?
Es wird für mich natürlich eine komplett neue Erfahrung werden, auf die ich mich absolut freue. Insofern habe ich keinen Moment gezögert, als die Anfrage kam, in dem Stück mitzuspielen. Ich habe auch gehört, dass es hier sehr heiß werden kann. Das wird natürlich mit meinen recht langen Haaren sehr spannend. Da bin ich mal sehr gespannt.