Wormatia Worms im Jahr 2017:

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Kapitel 1: „Das Trauma Morlautern“ ODER: Hochmut kommt vor dem Fall

24. Mai 2017: SV Morlautern – Wormatia Worms 2:1 (Finale Verbandspokal)

Da ein Aufstieg der Wormatia in absehbarer Zeit eher utopisch erscheint, sehnen sich die Fans Jahr für Jahr nach dem Gewinn des Südwestpokals, der zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt. Im Jahr 2017 sollte es nun endlich wieder klappen mit dem Titel. Der Gegner im Finale am 24. Mai 2017 in Pirmasens war der Oberligist SV Morlautern.

Zuletzt gelang der Pokalsieg im Jahr 2012 gegen den FK Pirmasens (4:1), bei den anschließenden DFB Pokalschlachten gegen Hertha BSC Berlin (2:1) und den 1. FC Köln (3:4 n.e.) stand der Verein bundesweit im Fokus. Der Pott war somit auch das große Saisonziel 2016/2017. Da die Endspielpaarung „Wormatia Worms gegen SV Morlautern“ frühzeitig feststand, konnten Fans, Verantwortliche und natürlich auch die Spieler mehr als ein halbes Jahr lang auf den Finaltermin hin fiebern. Verbunden mit der Hoffnung: „Endlich wieder ein Titel, endlich wieder DFB Pokal!“ am Endspieltag bewegte sich eine Karawane mit 13 binnen kürzester Zeit ausverkauften Fanbussen Richtung Pirmasens, mindestens nochmal so viele fuhren mit dem Auto. Mit jeder Menge Zuversicht im Gepäck. Schließlich hatte die Mannschaft von Trainer Steven Jones dank eines starken Endspurts noch den sechsten Platz in der Regionalliga Südwest erreicht, war seit Wochen gut drauf und zuletzt elf Punktspiele in Folge ohne Niederlage geblieben. Warum sollte ausgerechnet gegen den SV Morlautern, der gerade so dem Abstieg in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar entronnen war, etwas schief gehen? Als die knapp 1.500 Wormser unter den 2.461 Besuchern ein paar Stunden später nach Hause fuhren, hatten sie jede Menge Frust und Enttäuschung im Gepäck. Was war geschehen? Von Beginn entwickelte sich bei sommerlichen Temperaturen ein Sommer-Kick mit einem Oberligisten, der besser als erwartet ins Spiel fand. Als Gegner ein Regionalligist, der – auf seine eigene Stärke vertrauend – gemächlich seinen Stiefel runter spielte. Gemessen an der Bedeutung des Spiels vielleicht etwas zu gemächlich, so dass den anfangs noch so euphorischen Wormser Fans schon früh dämmerte, dass das Spiel keinesfalls der erhoffte Selbstläufer wird. Als Jan-Lucas Dorow kurz vor der Pause, zu einem nahezu perfekten Zeitpunkt, per Kopf die Führung glückte, schien das Spiel endlich den erwarteten Lauf zu nehmen. Jetzt noch den einen oder anderen Konter abschließen gegen einen in der zweiten Halbzeit konditionell nachlassenden Gegner – und der Drops ist gelutscht. So der Plan, der nur bis zur 61. Minute Bestand hatte, bis der Underdog aus heiterem Himmel durch einen Distanzschuss von Marcell Öhler den Ausgleich schaffte. Spätestens jetzt hätten die Alarmglocken bei Spielern und Trainerteam der Wormatia klingeln müssen. Taten sie aber nicht. Weiterhin rannten die Wormser planlos an. Zwar mit 80 Prozent Ballbesitz, aber ohne Tempo, ohne Spielwitz und vor allem ohne Ideen, wie man das Abwehrbollwerk des SV Morlautern knacken kann. Als die Ersten schon eine Verlängerung oder gar Elfmeterschießen befürchteten, kam es sogar noch dicker. Bei einem der seltenen Angriffe des SVM über die Mittellinie, kam es in der 80. Minute zu einem unnötigen Freistoß an der Seitenlinie. Die scharf vors Tor getretene Flanke segelte über Freund und Feind hinweg und landete am langen Pfosten bei Kevin Ulali, der zum 2:1 einschoss. Erst jetzt machte sich Hektik auf Wormser Seite breit. Bis zum Schlusspfiff sollten zwar insgesamt drei Einwechslungen erfolgen, am planlosen Offensivspiel der Wormatia änderte sich jedoch nichts mehr, bis Schiedsrichter Marco Deyerling nach insgesamt 95 Minuten abpfiff. So bestätigte sich an diesem Tag wieder einmal, dass Mentalität durchaus Qualität schlagen kann. Die Einstellung jedes einzelnen Spielers der Wormatia war an diesem Tag eines Finales nicht würdig. Durch die Finalniederlage gegen Morlautern hat der Verein eine Menge Geld verloren, mit dem man den Saisonetat der Regionalligamannschaft hätte entscheidend aufstocken können. Aber getreu dem Motto von Lothar Matthäus „Wäre, wäre, Fahrradkette“ spielte stattdessen der SV Morlautern in der 1. Runde des DFB-Pokals und unterlag der Spielvereinigung Greuther Fürth mit 0:5. Wormatia Worms dagegen stürzte nach der Finalniederlage in eine tiefe Depression, die noch lange Zeit anhalten sollte.