WO!rmser Originale

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Teil 1: Roger Kegel

Wormser Originale sind Leute, die – aus den verschiedensten Gründen – aus der Stadt nicht mehr wegzudenken sind, wobei man nicht zwingend in Worms geboren sein muss, aber man sollte doch zumindest sein Herz hier verloren haben.

Um das erste Wormser Original zu finden, mussten wir gar nicht lange suchen. Mit Roger Kegel haben wir in den eigenen Reihen in unserer Medienberatung jemanden gefunden, der in unserer Stadt so bekannt wie ein bunter Hund ist. Weil wir finden, dass es viel über ihn zu erzählen gibt, widmen wir den ersten Teil unserer neuen Serie „Wormser Originale“ unserem WO! Medienberater Roger Kegel. Der ist übrigens gar nicht in Worms geboren, sondern in Weinheim, aber längst hier heimisch geworden. Heimat ist eben kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.

Es ist Samstagabend, halb zwölf, die Damensitzung des WCC dauert bereits geschlagene vier Stunden. Roger ist gefühlt schon seit Stunden in der Maske, um sich in das Bond-Girl Elektra King zu verwandeln. Als er perfekt gestylt die Bühne betritt, wird aus ihm plötzlich ein anderer Mensch, der es genießt, dass die Kameras und alle Blicke auf ihn gerichtet sind. Vergessen die zuvor etwas langatmige Sitzung, denn nach wenigen Minuten kocht der Saal. Roger ist zweifelsohne eine kleine Rampensau, man merkt sofort: Hier ist er in seinem Element. Als der Applaus, das Brot des Künstlers, aufbrandet, steht Roger strahlend in der Bühnenmitte, inmitten seiner Jungs vom WCC-Männerballett. Darauf angesprochen, dass in der Choreografie sicherlich sehr viel Arbeit gesteckt habe, antwortet ganz der Profi: „Wenn die Leute dafür Geld bezahlen, sollen sie auch eine gute Show erhalten.“ Sein verstorbener Opa Edmund, bei dem er als Scheidungskind ab seinem 12. Lebensjahr aufgewachsen ist, hat ihm immer prophezeit, dass er für die Bühne gemacht ist. Roger Kegel, der mit Zunamen eigentlich „Günterberg“ heißt, aber nach der Hochzeit am 08.08.2008 mit seiner Kirsten deren Familiennamen annahm, hat schon früh das Rampenlicht gesucht – lange vor seinem „Durchbruch“ 2011, als er dank „The Biggest Loser“ plötzlich deutschlandweit bekannt war. Er spielte mit bei „Richterin Barbara Salesch“, bei „Richter Alexander Hold“ und war zu Dreharbeiten in nahezu allen großen Metropolen des Landes – in Köln, Berlin, München. Viel verdient hat er als Laiendarsteller nicht, aber zweifelsohne viel gesehen. Sein Traumberuf war schon immer „irgendwas vor der Kamera oder vor Publikum“, jetzt bekam er die Möglichkeit, in diese Arbeit reinzuschnuppern. Auch bei „Deutschland sucht den Superstar“ versuchte er 2006 sein Glück. Damals wog er 180 Kilo und konnte mit seiner Joe Cocker-Röhre so manchen Castingteilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes „in den Schatten stellen“. Zunächst fand ein Vorcasting statt, denn von den vielen hundert Kandidaten schaffen es direkt vor die Jury nur die ganz Schlechten, die Hoffnungsvollen und die sicheren Recall-Kandidaten. Roger gehörte zu den Hoffnungsvollen, wurde aber trotz seines durchaus vorhandenen Talents von Dieter Bohlen persönlich abgewatscht. „Wer will schon so einen Dicken auf dem Poster in der BRAVO sehen?“ Zu dieser Zeit wirkte Roger auf mich zwar nicht unglücklich, er schien trotz seines Gewichtes das Leben zu genießen, aber irgendetwas machte ihn trotzig und innerlich unzufrieden. Als er Vater wurde, seine gesundheitlichen Probleme immer größer wurden und er beim Spielen mit seinen Kindern schon bei der geringsten Anstrengung außer Atem geriet, wusste er, dass er sein Leben gravierend verändern muss. 2010 sah er im Fernsehen die erste Staffel von „The Biggest Loser“ und wusste, dass er die ideale Kombination aus „Abnehmen“ und „sich vor einer Kamera bewegen“ gefunden hatte. Vielleicht würde er es schaffen, sein Leben zu verändern, wenn er von einem TV-Filmteam begleitet wird? In der 2011 ausgestrahlten zweiten Staffel bildete Roger mit seiner ebenfalls übergewichtigen Mutter Sabine das pfundschwere Team Rosa, das sich fortan zum Kult-Gespann entwickelte, weil beide ihr Herz auf der Zunge trugen. Natürlich ist er von vielen dafür belächelt worden, wie er mit seiner genauso dicken Mutter einen Berg hoch gehechelt ist. Oder wie er, um Immunität zu erlangen, binnen Sekunden mehr als 1000 Kalorien, hauptsächlich in Schokolade, runter geschlungen und sich deswegen mit seiner „Mutsch“ lautstark in die Wolle gekriegt hat. Aber am Ende der Staffel mussten sie alle Abbitte leisten, denn aus der übergewichtigen Rampensau war längst eine schlanke Kampfsau geworden. Der Respekt, den er sich damals erworben hat, war es wert, anfangs dafür ausgelacht zu werden. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch Rogers Lebensmotto, der aufgrund seiner authentischen Art zum Publikumsliebling avanciert war, dem aber auch genauso viel Häme und böse Kommentare entgegengebracht wurden: „Ich bin nicht Everybody’s Darling. Entweder man liebt mich oder man hasst mich.“ Heute wiegt er nur noch halb so viel wie damals. Der große Rummel, den die Sendung (damals noch Kabel 1, heute SAT1) kurz nach der Ausstrahlung auslöste, hat zwar etwas nachgelassen, aber ruhig ist es auch nicht. Bei „Mieten. Kaufen. Wohnen“ (VOX) war Roger als Wohnungssuchender in Berlin zu sehen. Bei Promi-Charity-Tanzveranstaltungen in der Region ist er ebenso am Start wie die Familie Katzenberger, mit der er gut befreundet ist. Das erklärt auch, warum man Roger und seine Kiki bei der Hochzeit von Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis live bei RTL 2 unter den Hochzeitsgästen entdeckte. Kürzlich wurde er zu einer Talkshow nach Salzburg eingeladen, um über seine Zeit bei „The Biggest Loser“ zu berichten. Außerdem ist gerade ein Buch über die „15 Publikumslieblinge und ihre Erfolgsgeheimnisse“ erschienen. Das Kapitel Roger umfasst alleine 14 Seiten. Vielleicht klopft ja auch irgendwann das Dschungelcamp noch einmal an, so wie kurz nach „Biggest Loser“, als er in der engeren Auswahl war, aber wegen Krankheit absagen musste. Vor allem wird Roger auch heute noch oft erkannt, das freut ihn. Früher haben ihn die Leute angegafft, weil er zu dick war, heute sehen sie ihn eher ungläubig an, weil er so viel abgenommen hat. Das ist eben die Kehrseite der Medaille und Roger kennt beide Seiten bestens. Deswegen würde er auch niemals den Stab brechen über einem Übergewichtigen, weil er weiß, wie schwer es ist, aus diesem Teufelskreis wieder raus zu kommen. Stolz ist er auch heute noch auf seine Leistung. Wenn er seine beiden kleinen Kinder, Marie (3 Jahre) und Moritz (7 Jahre), ansieht, weiß er, warum sich alle Mühen gelohnt haben. Er liebt seine Familie über alles, er hat Freundschaften zu schätzen gelernt und weiß, was es heißt, die Freuden des Lebens zu genießen. Trotzdem ist Roger nach wie vor eine kleine Diva, die manchmal motzig wie eine kleine Prinzessin sein kann. Aber man weiß immer, woran man bei ihm ist. Wenn es ihm gut geht, sieht man das sofort, wenn es ihm schlecht geht, sowieso. Aber keine Sorge, das geht vorbei. Insgesamt erlebt man Roger heute viel entspannter, so wie jemanden, der mit sich selbst im Reinen ist und sich auf das freut, was noch kommt. Auf die Frage, ob er glaubt, dass er seine „15 Minuten Ruhm“ schon überschritten hat oder ob da noch etwas Größeres kommen wird, antwortet er vielsagend lächelnd: „Ich denke schon…“ Egal, was es sein wird: Roger wird schon irgendwie die Bühne rocken…