Zoten, Flachsinn und ein Tarzanschrei

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Jürgen von der Lippe mit seinem aktuellen Programm „Wie soll ich sagen…?“

14. März 2017 | Das Wormser Theater:

Jürgen von der Lippe war noch nicht auf der Bühne, als lediglich ein Tarzanschrei aus der Konserve ertönte. Das alleine reichte schon, dass das Publikum im ausverkauften Theater in schallendes Gelächter ausbrach und den bevorstehenden Auftritt mit frenetischem Applaus feierte. Gleichwohl sollte dieser eher zusammenhangslose Opener wegweisend sein für das Programm „Wie soll ich sagen…?“.

Obwohl es im Fernsehen still um ihn geworden ist, muss Jürgen von der Lippe sich und dem Publikum nichts mehr beweisen. Im Grunde wirkte der Abend dann auch wie der Ausflug eines Rentners, dem es zuhause schlicht und ergreifend zu langweilig ist. Neues gab es nicht zu entdecken. Die Witze waren flach wie eh und je, die Charaktere – wie z.B. Kalle – sind bestens bekannt, seinem Markenzeichen, dem offen stehenden Hawaiihemd, bleibt er wahrscheinlich treu, bis er von der Bühne getragen wird, und seine Mitmach-Wortspiele mit einzelnen Gästen sind ebenfalls hinreichend bekannt. Das Publikum störte all dies herzlich wenig – im Gegenteil. Als sei ein guter Bekannter mal wieder zu Besuch, feierten die Wormser ihren Jürgen von der Lippe, als sei er Deutschlands bester Komiker vor Gottes Gnaden. Nun ja. Natürlich ist Humor eine individuelle Angelegenheit, denn schließlich sind Chuck Norris Witze, die auf Martin Schulz umgemünzt werden, („Martin Schulz braucht keine Uhr. Er entscheidet, wie spät es ist“) oder alberne Sprüche („Irgendwie hängt alles zusammen: wenn ich mir am Hintern ein Haar rausreiße, beginnt mein Auge zu Tränen“, Zitat Rainer Calmund) nicht jedermanns Sache. Dass Jürgen von der Lippe dennoch niemals in der unteren Klasse eines Mario Barth landen wird, liegt einzig und allein daran, dass von der Lippe die sprachliche Begabung besitzt, auch den schnödesten Fäkalwitz elegant darzubieten. Da hilft es ihm, dass er in jungen Jahren einmal Lehrer werden wollte und Germanistik studierte. Am Ende gab es eine tosende Welle des Applauses, aber da war der Entertainer schon längst von der Bühne verschwunden.

FAZIT: Die Erkenntnis, dass die früheren Berufs- und Studienerfahrungen einem das ganze Leben prägen, war wohl das tiefsinnigste, was man an diesem Abend erfahren konnte.