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Herausforderung Hausarztsuche

Weitere Praxisschließungen verschärfen Situation in Worms

„Ärzte dringend gesucht“ schrieben wir im Februar 2023. Seitdem gab es zahlreiche Bemühungen, insbesondere dringend benötigte Hausarztpraxen in Worms anzusiedeln. Doch nach wie vor ist die Situation mehr als angespannt.

Wer derzeit bei der Ärztegemeinschaft Liebenauerfeld nach einem neuen Hausarzt sucht, stößt stattdessen in der Praxis auf den Hinweis, dass diese keine neuen Patienten mehr aufnimmt. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Wochen eine weitere Praxis (Dr. Hanisch) geschlossen hat und am 31.03. die Praxis Dr. Hess folgt. Ebenso verweist das Schreiben darauf, dass die Kapazitäten der Ärztegemeinschaft vollends ausgelastet seien. Dabei suche man mit dem Wormser Gesundheitsnetz (Woge) nach Lösungen. Doch wie können diese Lösungen aussehen? Im Gespräch erklären LisaMarie Süß und Sascha Dupuis, beide Woge, dass es tatsächlich in Worms derzeit nur noch zwei Praxen gebe, die Patienten aufnehmen. Kurzfristige Optionen se
hen beide im Ausweichen auf das Monsheimer Versorgungszentrum, das mit der Niederlassung einer weiteren Hausärztin aktuell Patienten aufnimmt. In Worms hingegen dürfte sich die Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen.

Wie Dupuis erklärt, sind aktuell rund 14 Prozent der Hausärzte in der Stadt über 70 Jahre. Das sind acht Praxen, die in den nächsten Jahren schließen werden. Wie Dupuis vorrechnet, behandelt ein Arzt ca. 1.000 Patienten im Quartal. Rein rechnerisch, so Dupuis, seien im Moment in Worms fünf Bedarfsstellen unbesetzt. Das bedeute, dass rund 10.000 Wormser keine Versorgung haben. Tendenz steigend. Süß betont, dass man täglich mit Ärzten im Austausch stehe, um weitere Niederlassungen zu ermöglichen. Doch Worms ist nicht die einzige Stadt, die um Ärzte ringt. So verweisen beide auf die deutlich höheren Quoten unbesetzter Stellen in Städten wie Neustadt a.d. Weinstraße, wo gar 19 Plätze unbesetzt sind, oder Ludwigshafen mit 13. Doch das alles hilft den Patienten in Worms nicht wirklich. Eine kleine Erleichterung erhofft man sich von einem Medizinischen Versorgungszentrum. Die Weichen dafür wurden im September 2025 im Stadtrat gestellt. Wie Dupuis erläutert, würden zunächst zwei Hausärzte ihre Dienste anbieten können. Das wären immerhin rund 2.000 weitere Patienten im Quartal. Bis es soweit ist, wird aber wahrscheinlich noch einiges an Zeit vergehen, zumal der Fachkräftemangel auch hier ein gewichtiges Wort mitzureden hat.

Text: Dennis Dirigo, Foto: rogerphoto; adobestock.com