THE DAY THE MUSIC DIED…
…diesen Satz kennen viele Menschen aus dem Song „American Pie“ von Don McLean aus dem Jahr 1971. Hier heißt es:
„But February made me shiver, With every paper I‘d deliver Bad news on the doorstep, I couldn‘t take one more step.
I can‘t remember if I cried, When I read about his widowed bride. But something touched me deep inside, The day the music died.“
„The day the music died“ bezieht sich hierbei auf einen Flugzeugabsturz am 03. Februar 1959, bei dem die Musiker Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper ums Leben kamen. Worms hatte letzten Monat seinen eigenen Tag, an dem die Musik starb.

Oliver Brandt und ich während der Arbeiten zu einem SWR Beitrag in seinem Laden
Liebe Leser, eigentlich ist Fastnacht und wahrscheinlich sollte hier eine lustige Büttenrede stehen oder irgendein blöder, lustiger Stuss. Das schaffe ich aber gerade nicht und für meinen Chef ist das auch vollkommen okay (Danke!).
Mein guter Freund Oli ist gestorben. Oli hieß eigentlich Oliver Brandt, war 62 Jahre alt und hatte hier in Worms den Plattenladen HEAVEN RECORDS in der Stephansgasse. Es klingt etwas abgedroschen, wenn es immer heißt: „Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er nicht mehr da ist.“ Ich kann es gerade wirklich noch nicht und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Es sind diese Anrufe, die man nie bekommen will – und dann doch bekommt. Danach kommt nur noch: funktionieren. Was tun? Den besten Freund, der fast ein Ziehsohn war, im ThailandUrlaub anrufen und informieren? Ein Posting auf der HEAVENSeite machen? Ja? Nein? Tausend und mehr wirre Gedanken. Und immer wieder kommen dieselben Fragen bei mir an: „Was ist passiert? Wieso? Warum?“ Es gibt keine Antwort.
Oli war ein großer und kräftiger Kerl. Kein Wunder, denn irgendwie bestand dieser Mensch fast ausschließlich aus Herz. Kennen Sie die Sorte Mensch, die man einfach mögen muss? Oli war so jemand – und dabei im Dienst seiner Mitmenschen unterwegs, ob als Zuhörer, Seelentröster oder einfach als (beinahe) allwissendes Musik und Popkulturgenie. Kein Wunder, dass dieser Mensch in Jeopardy abgeräumt hat und in jedem PubQuizTeam die ultimative Geheimwaffe war. Es wundert mich bis heute, dass „Hitster“ nicht von ihm erfunden wurde (Oh Mann, Oli, jetzt muss ich doch kurz lachen).
Olis Lebenswerk war sein Plattenladen „HEAVEN RECORDS“ – ein Ort, an dem er die Menschen einfach aufgenommen hat, so wie sie sind. Wollte jemand einfach nur stundenlang dasitzen und nicht alleine sein – Oli hat ihn gelassen. Und wenn ich ehrlich bin, war das HEAVEN eigentlich mehr ein geheimes sozialpädagogisches Jugendzentrum, getarnt als Schallplattenladen. Viele wunderschöne Geschichten, die ich die Tage auf Social Media lesen durfte, sind irgendwie ähnlich: Alle sind irgendwann mal in diesen Laden gestolpert, der sich früher noch in der Rheinstraße befand, und geblieben. Weil sie die Leidenschaft mochten. Die stundenlangen Gespräche über Musik, das Leben oder die Welt. Das machte das HEAVEN aus.
Mich hat Oli tief geprägt – persönlich und auch musikalisch. Zu Anil (DJ DoubleA) hat er mal gesagt, musikalisch könnte ich sein Sohn sein. Ich gebe allerdings zu, dass er an der Erziehung nicht ganz unbeteiligt war. Und so erging es nicht nur mir. Oli hat den Menschen in seinem Laden die Tür zu neuen Welten eröffnet und sie immer wieder neu hindurch begleitet. Das hat er einfach geliebt (Jetzt muss ich gerade wieder lachen, weil mir die ganzen JenniferRushInsider einfallen. Und wehe, irgendwer hat „We Built This City“ von Starship gespielt – das hat er so richtig gehasst. Hahaha.).
Oli hat es nicht immer leicht gehabt. Als Plattenhändler wird man nicht reich – hier funktioniert nur Idealismus. Und es gab mehrere Momente, an denen das HEAVEN kurz vor dem Aus stand. Erst eine Pleite am alten Standort abgewendet, dann der notgedrungene Umzug in den neuen Laden, weil durch einen Hausverkauf der Mietvertrag gekündigt wurde. Aufbau des neuen HEAVEN in der Stephansgasse. Doch statt Happy End starb sein langjähriger Partner Jorg, der die Seele des Ladens war. Jorgs Tod hat Oli schwer mitgenommen und ihm fast die Leichtigkeit geraubt. Ab und an haben wir den Laden übernommen und Oli nach Dänemark geschickt. Und siehe da: Es gab Licht am Ende des Tunnels. Und er durfte Christoph kennenlernen. Es ging aufwärts. Er blühte auf. Er brannte wieder. Und genau in diesem Moment ging er. Einfach so. Oli, das ist so beschissen unfair! Oli, ich danke dir für alles, was du für die Kultur in der Stadt getan hast – aber noch mehr für das, was du mir persönlich gegeben hast. Ich werde dich nie vergessen, mein Freund.
Viele Menschen fragen mich gerade, was denn mit dem Laden sei. Und ohne Oli kommt mir diese Frage so sinnlos vor. Aber tief in mir drin weiß ich, dass dieser Laden und dieser Spirit nicht einfach weg sein dürfen. Wie hat Marlon so schön gesagt: „Heaven is a place in Worms.“
Bis nächsten Monat. Jim Walker jr.
PS: Ich ho?e, es gibt da, wo du jetzt bist, das Dschungelcamp zu sehen. Du hast es leider um ein paar Tage verpasst.










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