Mehr als nur eine Liebesgeschichte

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Premiere der Theaterinszenierung „Der große Gatsby“

Autor: Torsten Schreiner

24. Oktober 2014
Lincoln Theater in Worms:

Es war schon ein großes Vorhaben, als die Theatergruppe Szene 9 bekannt gab, dass sie F. Scott Fitzgeralds großen amerikanischen Roman „Der große Gatsby“ auf der Bühne des Lincoln Theaters inszenieren würden. Tatsächlich feierte das Stück Ende Oktober vor ausverkauftem Haus Premiere.

Mit viel Aufwand setzte die Gruppe, unter der Regie von Christian Mayer, die Geschichte um den geheimnisvollen Millionär Jay Gatsby um. Oberflächlich betrachtet erzählt Fitzgerald in seinem Buch eine klassische Dreiecksgeschichte, in der ein Mann eine Frau liebt, die allerdings bereits mit einem anderen verheiratet ist. Hinter dieser scheinbar banalen Konstellation verbirgt sich jedoch das Portrait eines Mannes, der sein Leben komplett der Illusion unterordnet, dass nur Daisy, jene verheiratete Frau, seinem Leben Erfüllung geben kann. Dafür ist er auch bereit, Menschen zu manipulieren, wie den jungen Nick Carraway, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Diesen benutzt er, um Verbindung zu Daisy herzustellen. Gatsby setzt damit eine Unglücksspirale in Gang, an deren Ende sein eigener Tod steht. Kein leichter Stoff für eine nebenberufliche Theatergruppe. „Standing on the shoulders of giants“ betitelte einst Noel Gallagher ein Oasis Album und musste feststellen, dass die Fallhöhe von eben jenen Schultern sehr hoch sein kann. Nun ist Christian Mayer kein Noel Gallagher, jedoch muss auch er sich den Vergleich mit den Großen gefallen lassen, lehnt er sich doch ebenfalls an große Schultern. Leider finden zu wenige Ideen ihren Weg in die rund zweieinhalbstündige Inszenierung, als dass diese eine eigene Sprache entwickeln könnte. Zwar war auf der Bühne viel los, das lenkte mitunter jedoch von der Geschichte ab und wirkte zuweilen wie der Ablauf aneinandergereihter Nummern. Ähnlich hinderlich erwies sich die Entscheidung, die narrative Erzählstruktur des Buches auf der Bühne zu übernehmen. Zwar las Walter Passian Fitzgeralds poetische Sprache mit angemessen nostalgischer Stimme, doch wirkten diese auf der Bühne erzählerisch hemmend.

Fazit: Ehrenwerter Versuch, der viel Potential erkennen ließ, aber letztlich seinem eigenen Anspruch im Weg stand.