„Miss Undercover“ – „Atemlos durch die Nacht“

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Autorin: Christiane Walther

Worms, 20.09.2014, 20:00 Uhr

Bei 20 Grad am Römischer Kaiser und 30 Grad im Ankleideraum beginnt die Modenschau auf dem längsten Laufsteg an der langen Einkaufsnacht. Über 65 Models drängen sich zwischen geschätzten 250 Outfits in den ehemaligen Geschäftsräumen von „Weltbild“. Nahezu 100% Luftfeuchtigkeit und eine knisternde Anspannung liegen in der Luft. Start für die erste Catwalk-Gruppe. Als teilnehmendes Model der Modenschau verfolge ich als rasende Reporterin für WO ! – DAS Wormser Stadtmagazin dieses Spektakel live hinter den Kulissen.

Foto: Privat
Foto: Privat

Noch 5 Minuten, dann ist unsere Gruppe dran. Das Lampenfieber steigt, aber nicht nur das. Die Temperatur unter meinen Outfit von ADLER auch! Ich blicke in die Augen meiner Mitstreiterinnen und sehe Aufregung, Hektik und Glanz. Der Moment, kurz bevor es los geht, ist der spannendste. Wir beobachten die Gruppe vor uns im gleißenden Scheinwerferlicht, wir spüren unsere weichen Knie und wie sich kleine Schweißtröpfchen auf der Stirn bilden. Der Platz am Römischen Kaiser ist randvoll gefüllt mit gutgelaunten Zuschauern. Und los geht’s! Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ hallt durch die Soundanlage an diesem lauen Spätsommerabend. Und wir stolzieren flotten Schrittes über den Laufsteg. Das Blitzlichtgewitter kommt mir so grell vor, dass ich kaum die Menschen wahrnehme, ich laufe einfach meinem Vordermann hinterher und es funktioniert. Der Applaus in meinem Ohr sagt mir, dass es der Menge wohl gefallen hat und das hysterische Kreischen meiner Model-Kolleginnen in der Umkleide ist noch lauter als das gegenseitige, fröhliche Abklatschen. Die überschwappende Euphorie wird jäh gestoppt durch die Anfeuerung der fleißigen Ankleidehelferinnen. In wenigen Minuten schälen wir uns aus mehreren Lagen an Klamotten, um uns wiederum winterfest in Vollmontur mit Jacken, Stiefel, Mützen und Schals zu werfen. Umwerfend auszusehen wird immer schwerer, denn mittlerweile ist die Temperatur in dem überfüllten Raum auf geschätzte 40 Grad gestiegen. Und dennoch stiefeln wir megacool bei Rihannas „Diamonds“ für JOST über den Catwalk. Wir genießen diesen zweiten Lauf, schlendern lässig mit einer hippen Handtasche an großen Augen vorbei, schwelgen in dieser Aufmerksamkeit. Beim anschließenden Lauf für KAUFHOF mit der Dirndl-Trachtenmode und der Gaudi-Almjodler-Mucke konnte ich es mir sogar nicht verkneifen, meinen Cashmirpullover durch die Luft zu schleudern. Und kurz vor dem Start für C&A schauen wir uns wehmütig an, weil es schon die letzte Präsentation unserer Gruppe ist. Mist, ausgerechnet jetzt schon fertig, gerade wenn man sich an diesen Ausnahmezustand gewöhnt hat. Und ich bekomme mit jedem Schritt über die Bühne vor Freude eine Gänsehaut und versuche diesen Moment in meinem Kopf und meinem Herzen für die Ewigkeit festzuhalten.

Konnte ich Sie für einen Moment in die Amateur-Model-Welt entführen?

Foto: Bernward Bertram
Foto: Bernward Bertram

Die Lange Einkaufsnacht war sicherlich für die Wormser Bürger und die Geschäftswelt eine Bereicherung! Auch wenn es Stimmen gab, die ein Haar in der Suppe bzw. Kunden ohne Einkaufstasche fanden. Aber hier passierte etwas Großes und die Veranstalter hatten bestimmt während der Vor- und Nachbereitungszeit die eine oder andere schlaflose Nacht deswegen. Apropos schlafen: Entzückend fand ich die Kollektion von ATRIUM mit ihren zuckersüßen Haus- und Schlafanzügen. Ich wäre am liebsten direkt hinein geschlüpft und hätte mich an die bunt gemusterten Kissen gekuschelt. Dann wäre ich tief und fest eingeschlummert und hätte von der Präsentation von CHAMÄLEON geträumt. Ausgefallener Konplott-Schmuck glitzert auf den schwarzen, wogenden Etageren-Kostümen. Der Song „The Lillies of the valleys“ entführt mich in eine fantastisch funkelnde Traumreise… Moment mal – das war gar kein Traum…… oder?