RATHAUSGEFLÜSTER oder SOMMERLOCH IM JANUAR?
2026 ist ein Jahr der Wahlen in Worms. Die Landtagswahl am 22. März stellt die Weichen, ob man es zukünftig weiterhin mit einer SPD geführten Landesregierung zu tun hat oder doch eher die CDU das Ruder in RheinlandPfalz übernimmt. Dies ist auch nicht unbedeutend für die OBWahl in Worms, die Ende des Jahres stattfinden soll. Aber obwohl bis November noch ein paar Monate Zeit sind, kursierte schon zum Jahresanfang das erste heiße Gerücht zur OBWahl durch Worms, dass die CDU einen Überraschungskandidaten ins Rennen schicken würde. Wir haben nachgefragt, was dahintersteckt.
Wenn Mitte 2027 die Amtszeit von Oberbürgermeister Adolf Kessel endet, dann gehen acht lange Jahre zu Ende, nachdem Kessel seinen Vorgänger Michael Kissel nach einem deutlichen Sieg in der Stichwahl abgelöst hatte. Die Unterschiede zwischen dem extrovertierten und stets die Öffentlichkeiten suchenden Kissel und seinem Nachfolger Kessel waren von Anfang an nicht zu übersehen. War Kessel in der ersten Hälfte seiner Amtszeit selten aufgetaucht, ist er dann in der zweiten Hälfte völlig untergetaucht. Bezeichnend die Szene, als Mathias Merkel von der KVG im letzten Jahr bei der Premiere der NibelungenFestspiele durch den Heylshof rannte und die Gäste fragte, ob sie den OB gesehen hätten, weil dieser eine Rede halten sollte, aber zu diesem Zeitpunkt unauffindbar war. Während sein Vorgänger, der gerne die große Bühne suchte, schon längst mit den Hufen gescharrt hätte, hielt Kessel noch einen entspannten Plausch im Park. Gleichwohl hat Kessel zuverlässig auf Probleme reagiert und war da, wenn er gebraucht wurde. Er bewies Entscheidungswillen, als der Kaufhof geschlossen wurde und sich die Stadt mit ihrem Bürgerservicebüro im hinteren Teil des Gebäudes einmietete. Als die geplanten Kosten für die Bebauung des Salamandergeländes in exorbitante Höhen schossen, präsentierte Kessel prompt eine Ersatzlösung. Auch wenn man in beiden Fällen über die hierbei geschlossenen Deals unterschiedlicher Meinung sein kann, bewies Kessel zumindest Entschlossenheit. Unter Kessel gab es im Rathaus flache Hierarchien, jedoch besteht zwischen „flachen Hierarchien“ und „auf der Nase herumtanzen lassen“ nur ein schmaler Grat. Die Frage, ob es Kessel geschafft hat, die Verwaltung zu 100 Prozent hinter sich zu scharen, dürfte eher verneint werden. Auch hat Kessel aus eigenem Antrieb keine Initiative angestoßen oder einen Schwerpunkt gesetzt. Sein Vorgänger Kissel stand für das Thema Kultur, um damit den Tourismus in der Stadt anzukurbeln. Aber wofür stand eigentlich Kessel, der in den letzten Jahren allenfalls noch als Insolvenzverwalter einer chronisch abgebrannten Stadt wahrgenommen wurde? Wenn man sich auf den Rathausfluren umhört, bescheinigt nahezu jeder dem aktuellen OB, dass er zu den fleißigsten seiner Zunft gehört. Gleichwohl wollen nicht wenige erkannt haben, dass eine Führung fehlt, die mit Visionen und klaren Zielen eine Marschrichtung vorgibt. Kessel war während seiner bisherigen Amtszeit ein solider Handwerker, aber gewiss kein Visionär.
OB WAHL IM NOVEMBER?
Wenn im November, ein neuer Oberbürgermeister der Stadt Worms gewählt wird, dann dürfte ein Kandidat ziemlich sicher feststehen. Innerhalb seiner Partei beliebt und respektiert, wird TIMO HORST für die Sozialdemokraten ins Rennen um die OBKrone gehen. Horst ist fest verwurzelt in Worms, gilt als volksnah und als jemand, der sich um auftretende Probleme kümmert. Da ihm auch allgemein eine gute Arbeit als Baudezernent im Stadtvorstand bescheinigt wird, ist Horst der einzig logische Kandidat mit Siegchancen, den die Wormser SPD in ihren eigenen Reihen hat. Selbiges gilt auch für die vermutliche OBKandidatin der CDU, STEPHANIE LOHR, die als aktuelle Bürgermeisterin das junge Gesicht der Christdemokraten ist. Während Horst in seiner Tätigkeit als Baudezernent als „Kümmerer“ gilt, wird Lohr hauptsächlich als „Modernisiererin“ wahrgenommen, auch wenn ihre Neigung zu Innovationen oft nur einen überschaubaren Erfolg mit sich brachte. Das Problem ist, dass man auch innerhalb der eigenen Partei nur schwer abschätzen kann, wie groß die Beliebtheit von Lohr bei den Wählern ist.
Als sich Stephanie Lohr bei der Landtagswahl 2021 für die CDU um einen Landtagsposten bewarb, musste sie sich mit 30,3 % gegenüber Jens Guth von der SPD, der 37,4% erreichte, deutlich geschlagen geben. Auch innerhalb der Verwaltung hält sich die Begeisterung in Grenzen, zukünftig womöglich unter einer Oberbürgermeisterin Lohr arbeiten zu müssen, deren mitunter harscher Führungsstil längst nicht bei allen gut ankommt. Lohr gilt als wenig kompromissbereit, weshalb Spitznamen wie „Die Eisprinzessin“ über die Rathausflure schallen. Trotzdem wäre nach jetzigem Stand am ehesten Stephanie Lohr prädestiniert, für die CDU bei der Wormser OB Wahl anzutreten.
DAS GERÜCHT ZUR OB WAHL
Bereits Anfang des Jahres machte ein Gerücht die Runde, das im ersten Moment fast schon absurd klang, aber bei genauerem Hinsehen gar nicht so abwegig gewesen wäre. Da Stephanie Lohr bei einem Wahlsieg der Christdemokraten in RheinlandPfalz eher an einem Staatssekretärsposten in Mainz interessiert wäre, würde die CDU einen Überraschungskandidaten für die OBWahl in Worms nominieren. Und zwar den früheren Geschäftsführer der Kultur und Veranstaltungs GmbH und der Nibelungen Festspiele gGmbH, SASCHA KAISER. Der weiß zweifelsohne, wie man eine Stadt nach außen hin gut repräsentiert, allerdings ist Kaiser bisher politisch überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten. Nach seiner langjährigen Tätigkeit bei zwei städtischen Gesellschaften ist Kaiser nach seinem neunmonatigen, eher glücklosen Intermezzo im Vorstand der sat–Gruppe nun bei Tim Brauers Timbra Group tätig. Da Brauer oh
nehin als heimlicher Macher der Stadt gilt, wäre es nur konsequent, einen Kandidaten aus dem eigenen Unternehmen als Stadtoberhaupt zu installieren. Bevor aber das Gerücht weiterhin die Runde macht, haben wir direkt bei Kaiser nachgefragt. Der fühlte sich durchaus geschmeichelt, dass man ihm den Posten eines Oberbürgermeisters zutraue und räumte ein, dass auch ihm das Gerücht zu Ohren gekommen war. Grundsätzlich wolle er sich möglichen politischen Ambitionen nicht abschließend verwehren. Das Oberbürgermeisteramt gehöre aber eher nicht dazu. Aber wie bei so vielen Gerüchten stellt sich nicht nur die Frage, ob etwas „dran“ ist, sondern auch nach dem „Warum“ und wer das Gerücht in Umlauf gebracht hat? Womöglich war es nur ein bewusst gestreutes Gerücht, um zu zeigen, dass die OBKandidatur längst noch nicht beschlossene Sache ist?
WEITERE KANDIDATEN?
Somit läuft nach jetzigem Stand alles auf einen Zweikampf zwischen den beiden aktuellen Dezernenten hinaus. Vielleicht wird der Zweikampf zwischen Lohr und Horst aber auch zu einem Drei oder Vierkampf? Da die Zeiten vorbei sind, dass die beiden Altparteien CDU und SPD fest mit Ergebnissen über der 30%Marke rechnen können, wäre die logische Konsequenz, dass auch „Worms will weiter“ einen eigenen OBKandidaten aufstellt, mutmaßlich PETER ENGLERT. Mit e i n e m Ergebnis von 14,6 % bei der letzten Kommunalwahl und
acht Sitzen im Stadtrat werden das die Wähler von „Worms will weiter“ geradezu erwarten. Bei der OBWahl im November 2018 erreichte Englert sensationelle 20,5
% und brachte damit als Drittplatzierter sogar den knapp vor ihm liegenden amtierenden Amtsinhaber Michael Kissel (21,9 %) ins Schwitzen. Der Unterschied zu heute: Damals war Englert ein Überraschungskandidat, der – inmitten der kurz vorm Rentenalter stehenden Kessel und Kissel – mit jungen, frischen Ideen wie ein bunter Farbklecks wirkte. 2026 würde er auf zwei ebenfalls noch junge Kandidaten treffen, die sich lange Jahre ihre Meriten als Dezernenten verdienen konnten, während Englert in seiner bisher sehr kurzen Zeit als ehrenamtlicher Dezernent nur wenig eigene Akzente setzen konnte. Die Frage wird deshalb sein, ob sich Englert einen anstrengenden Wahlkampf antut, wenn die Aussichten, den Überraschungscoup von 2018 zu wiederholen, eher gering sind. Nicht zu unterschätzen ist derweil der mutmaßliche Kandidat der AfD für die OBWahl, THORSTEN ENDREß, der auch als Wormser Direktkandidat für die an stehende Landtagswahl antritt. Nach zuletzt 19,7 % bei der Kommunalwahl im Juni 2024 ist die AfD als drittstärkste Kraft allemal eine ernstzunehmende Konkurrenz in Worms. Bei einem erfolgreichen Abschneiden bei der Landtagswahl könnte Endreß zwar im Mainzer Landtag landen und die Wormser AfD müsste sich nach einem neuen Kandidaten für die OBWahl umsehen. Aber da die OBWahl zwar als Personenwahl gilt, aber die Anhänger der AfD ihre Partei zumeist unabhängig von irgendwelchen Kandidaten wählen, liegen auch diesmal 20 % im Bereich des Möglichen. In den nächsten Wochen werden die Weichen gestellt, wer letztendlich seinen Hut für die Wormser OBWahl in den Ring werfen wird.
Kommentar: Frank Fischer










