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Rodung am BIZ: Wertvolles Biotop zerstört

Eine Pressemitteilung des BUND und NABU:

Das Wormser Bildungszentrums (BIZ) soll saniert oder neu gebaut werden. Im Vorfeld der Planung wurde nun Mitte Januar zwischen dem BIZ und der Pfrimm eine rund 7.000 Quadratmeter große Fläche gerodet. Auf diesem Areal war über Jahrzehnte ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten, darunter zahlreiche Singvögel, entstanden. Dort nisteten unter anderem Nachtigall, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen und Zaunkönig. Außerdem war das gerodete Gebiet Jagdrevier verschiedener Fledermausarten wie Mückenfledermaus, Zwergfledermaus sowie für die Große und die Kleine Bartfledermaus. Das Biotop hatte zudem Bedeutung für das Klima der angrenzenden Wohngebiete. Die beiden Wormser Umweltverbände BUND und NABU kritisieren nun die Rodung und die Kommunikationspolitik der Stadtverwaltung.

„Es ist völlig unverständlich, warum für eine Untersuchung des Untergrundes die gesamte Fläche von rund 7.000 Quadratmeter gerodet werden musste. Üblicherweise werden für Baugrunduntersuchungen lediglich Freistellungen oder schmale Schneisen angelegt, um den Zugang zu den Bohr- und Sondierungspunkten zu ermöglichen“, erläutert Michael Leukam, Vorsitzender des BUND Worms. „So ist es auch in der Stellungnahme der Untere Naturschutzbehörde nachzulesen. Leider hat sich das städtische Immobilienmanagement darüber hinweggesetzt“, führt Leukam aus.

Auf Kritik stößt auch die fehlende Information der Stadtverwaltung. „Das Immobilienmanagement hat bereits im Jahr 2023 eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) für die Rodung der Fläche in Auftrag gegeben. Eine Information der Umweltverbände oder der Öffentlichkeit erfolgte zu keinem Zeitpunkt“, so Matthias Bösl, Vorsitzender des NABU Worms-Wonnegau. Erst nachdem die Umweltverbände am 14. Dezember einen Antrag auf Akteneinsicht gemäß Landes-Umweltinformationsgesetz gestellt hatten, erfolgte die Information; pikanterweise erst am 5. Februar – drei Wochen nach der Rodung. Die fehlende Information ist kein Einzelfall. Auch bei der fast zeitgleich stattgefundenen Rodung entlang der Pfrimm unweit der BIZ-Fläche gab es keine Information. Dort soll der bei der Pfrimm-Renaturierung anfallende Aushub eingelagert werden.

Die Umweltverbände sehen in der erstellten artenschutzrechtlichen Prüfung strukturelle Defizite. Nach deren Ansicht wurden beispielsweise die Artenerfassungen unzureichend durchgeführt. So hätte diese mindestens ein vollständiges Vegetations- und Aktivitätsjahr umfassen müssen. Darüber hinaus stützt sich die Prüfung auf veralteten Daten. Außerdem sehen sie Mängel bei artspezifischen Methoden, beispielsweise bei der Erfassung von Reptilien. Und es fehle eine Berücksichtigung der hohen Habitatqualität des Biotops für Tierarten, die zwar noch nicht akut bedroht sind, aber rückläufige Bestandszahlen aufweisen. Damit weiche die artenschutzrechtliche Prüfung von geltenden Qualitätskriterien des Bundesamtes für Naturschutz ab und macht sich dadurch rechtlich angreifbar.

„Das Land Rheinland-Pfalz hat sich außerdem das Ziel gesetzt, den täglichen Flächenverbrauch bis 2030 auf einen Hektar zu begrenzen“, erinnert Bösl, „derzeit werden aber pro Tag rund sechs Hektar Fläche versiegelt“. Auch in Worms geht der Flächenfraß unvermindert weiter. Dabei müsste mit Blick auf Klimaerhitzung und zunehmende Wetterextreme das Gegenteil erfolgen, nämlich eine konsequente Flächenentsiegelung, fordern BUND und NABU.

„Die Stadt Worms verpflichtet sich durch ihre Teilnahme am Klima-Bündnis und am Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt. Im täglichen Verwaltungshandeln ist davon leider wenig zu spüren. Mit großem Gestus feiert man sich für Maßnahmen wie die grünen Zimmer, um mit dem nächsten Beschluss die tausendfache Grünfläche in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu zerstören“, ärgert sich Leukam.

Die Umweltverbände fordern mit Blick auf die Zukunft, dass bei der Planung des neuen BIZ ökologische Belange stärker berücksichtigt werden. Dazu gehören Sanierung vor Neubau, bei unvermeidbarem Neubau eine flächen- und energiesparende Bauweise, der Einsatz regenerativer Energien und eine naturnahe Grünflächengestaltung. „Wir bieten hier unsere Zusammenarbeit an. Manche Fehlentwicklung, wie beispielsweise die naturferne Außengestaltung der Pfrimmtal Realschule, könnte vermieden werden, wenn das Know-how der Umweltverbände berücksichtigt würde“, sagt Leukam abschließend.