Bert Bims

Möbel Boss geht weg aus Worms, „Glücklich im Tivoli“ auch und sogar das einstige Lieblingskind der Stadtpolitik, das Pleiten- Pech-und-Pannen-Nibelungenmuseum, muss vorerst seine Pforten schließen. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, warum macht denn halb Worms die Schotten dicht?“

„In Worms geht alles die Bachgass nunner. Herr Bims, schreiben doch wenigstens Sie mal etwas Positives,“ hat mich unser Verlagschef vor dieser Kolumne geradezu angefleht. Aber das ist nicht so einfach, denn auch mich hat die baldige, end- gültige Schließung von Möbel Boss hart getroffen. Nicht etwa, weil ich schon mal in dem Schuppen gewesen wäre, um mir irgendeinen Billigplunder für mein fürstliches Anwesen zu kaufen. Aber dass einem mündigen Wormser Bürger nun auch noch die theoretische Möglichkeit zum Einkaufen bei Möbel Boss genommen wird, ist ein starkes Stück. Vielen Dank, Ampelregierung! Aber was machen wir dann in der Zwischenzeit mit dem riesigen Gebäude, wenn das Licht-Luftbad-Quartier erst am Sankt Nimmerleinstag kommt? Ich hätte eine Idee. Wenn man mit Möbel Boss aushandeln könnte, dass man ein paar Sofas, Betten und Küchenzeilen stehen lässt, könnte man mit 2 – 3 Handgriffen ein neues Flüchtlingsheim errichten. Davor ist ein riesiger Parkplatz, auf den locker noch ein paar Mercedes E-Klasse passen. Von der Größe des Gebäudes her, könnte ich mir auch eine neue Shisha-Bar oder ein Wettbüro im Möbel Boss vorstellen. Davor ist ein riesiger Parkplatz, auf den locker noch ein paar Mercedes E-Klasse passen (ach, das hatten wir ja schon…).

Als ich dann noch hörte, dass auch das Nibelungenmuseum geschlossen wird, traf es somit einen weiteren Ort, den ich ohnehin niemals aufgesucht hätte. Auch hier stellt sich die Frage, was wir nun mit dieser ollen Blechbüchse an der Stadtmauer machen? APROPOS: Gibt es eigentlich schon eine Shisha Bar oder ein Wettbüro in Worms? Positiv wäre hervorzuheben, dass sich das Nibelungen- museum, trotz aller finanziellen Verluste, immer- hin 23 Jahre in Worms halten konnte – das ist deutlich über dem Schnitt. Dagegen wird sich das Pop-Up-Restaurant „Glücklich im Tivoli“, das mit Spezialitäten aus Frankreich um zahlungskräftige Kunden geworben hatte, bereits nach fünf Monaten wieder aus Worms verabschieden. Als ich hörte, dass es zukünftig keine französischen Delikatessen mehr in Worms gibt, da trifteten meine Gedanken für einen kurzen Moment in Richtung rassistischem Gedankengut ab und es schoss mir völlig unverblümt durch den Kopf: „Naja, es gibt wohl doch nicht so viele Froschschenkelfresser in Worms…“ Jetzt steht das Tivoli wieder leer und in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich schon eine Shisha Bar oder wenigstens ein Wettbüro in Worms? Oh, mein Chef hängt mir im Nacken und weist mich gerade darauf hin, dass meine Kolumne nur wenig Positives enthält. Deshalb hier ein neuer Versuch: Das Wormser Jugendzentrum wird NICHT geschlossen. „Was ist das denn für eine positive Meldung?“ werden Sie nun sagen, schließlich wurde das Jugendzentrum noch gar nicht gebaut. Strenggenommen ist auch das Fördergeld schon anderweitig ausgegeben worden. Damit bestätigt sich einmal mehr eine alte Politikerweisheit: Man muss nur lange genug warten, bis die pubertierenden Rotzgören etwas älter sind und dann interessieren sie sich nicht mehr für ein Jugendzentrum, sondern können altersbedingt bereits mit den Junkies im Albert- Schulte-Park abhängen.

IGITT, PINK!

Während es in der Stadt immer noch keine Shisha-Bar oder ein gescheites Wettbüro gibt, hat jüngst ein Barber-Shop mitten in der KW eröffnet. Während den Urdeutschen der Unternehmergeist offensichtlich abhandengekommen ist, löste die- se Meldung bei teutonischen Kartoffelfressern mindestens so viel Schnappatmung aus wie das neue Auswärtstrikot der deutschen Fußball-Nati- onalmannschaft für die EM im eigenen Land. Das ist so pink wie Barbie, sieht ziemlich stylisch aus, aber ruft bei „echten“ Fußballfans die Assoziation hervor, dass unsere Spieler in „pink-lila-blau“ au- tomatisch wie eine Pussy spielen werden. Bei „Facebook“ wurde daraufhin kräftig das Foto un- serer Weltmeisterelf von 1990 geteilt: „So sahen früher unsere Nationalspieler aus!“ Offensicht- lich ist keinem aufgefallen, dass unser Weltmeis- tertorwart Bodo Illgner schon vor 34 Jahren ein farblich ziemlich ähnliches Trikot trug. Nur hat

sich damals keiner dafür interessiert, denn mit diesem Trikot hat Bodo Illgner im Halbfinale den Elfmeter des Engländers Stuart Pearce gehalten. Und das war alles andere als schwul. Von daher ist mir relativ schnurz, in welcher Trikotfarbe wir diesmal in der Vorrunde ausscheiden. Solange aber die Leistung stimmt, können unsere Jungs auch gerne mit freiem Oberkörper und einer tätowierten regenbogenfarbenen Armbinde spielen. Ab 2027 statt in Adidas dann neuerdings in Nike, was MICKY BEISENHERZ gewohnt zynisch kommentierte: „Den kambodschanischen Näherinnen ist es relativ gleich, für welches stolze Land sie das Nationalheiligtum nähen. Nike oder Adidas ist hier nur eine Frage des Stockwerks.“

EIN WAHLTIPP ZUM ABSCHLUSS:

Sie merken schon, meine aktuelle Kolumne bietet mehr offene Fragen, als tatsächliche Antworten auf die Probleme unserer Zeit. Aber glücklicherweise sind im Juni Kommunalwahlen und des- halb können WIR ALLE in den nächsten Wochen die Stadtratskandidaten mit unseren großen und kleinen Problemen penetrieren. Kleiner Tipp von mir: Die Partei meines Kolumnenkollegen zur Linken, „Worms will weiter“, hat für die Stadtratswahl exakt 42 Kandidaten aufgestellt. Wie jeder Fan von „Per Anhalter durch die Galaxis“ weiß, ist „42“ die Antwort auf alle Fragen. Jetzt müssen wir nur noch alle „WWW“ wählen, dann sind in Kürze alle offenen Fragen geklärt.

Ihr Dr. Bert Bims