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Weingenuss ohne Promille

Weingut Keller überzeugt mit „Zero“ Weinen


Zeiten ändern sich, wie auch Geschmäcker. Ein Umstand, den derzeit vor allem Produzenten von alkoholischen Getränken trifft. Deutschlandweit geht seit Jahren vor allem der Bier und Weinkonsum zurück. Der Wormser Winzer Markus Keller ist sich dieser Entwicklung bewusst und präsentiert seit einiger Zeit eine Weinlinie namens „Zero“.

Hier ist der Name Programm. Null Prozent dürften es zwar nicht genau sein, dennoch ist der Gehalt so niedrig, dass man wahrscheinlich zwei Kisten trinken müsste, um im Anschluss auch nur einen Hauch beschwipst zu sein. Mit den drei alkoholfreien Weinen im Angebot reagiert der Winzer aus Pfiffligheim auf den Trend, das immer weniger Alkohol konsumiert wird. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Gesundheitsbewusstsein, demografischer Wandel, die wirtschaftliche Situation vieler Menschen und letztlich ein verändertes Konsumverhalten führten dazu, dass der Weingenuss seit Jahren rückläufig ist. Zwischen August 2024 und Ende Juli 2025 tranken Menschen über 16 Jahre im Schnitt 21,5 Liter Wein, im Vorjahreszeitraum waren es noch 22,2 Liter, informiert das Deutsche Weininstitut.

Da irgendwann Sohn Gabriel das Gut übernehmen wird, war für Markus Keller klar, die Suche nach einem geschmacklich runden Alkoholfreien zu intensivieren. Wie er im Gespräch mit WO! erzählt, reizte ihn das Thema schon während seiner Ausbildung in den 90er Jahren. Auch damals produzierte er schon einen alkoholfreien Wein. Das Ergebnis begeisterte jedoch wenig. Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, weckten die ersten alkoholfreien Weine bestenfalls schale Erinnerungen an einen Wein. Doch das hat sich mit der neuen Linie erheblich verbessert. Tatsächlich haben die drei neuen Weine geschmacklich eine erstaunliche Nähe zum Originalprodukt. Das Geheimnis, warum dies nun gelang, liegt im Verfahren des Alkoholentzugs. Dieser wird sozusagen behutsam verdampft. Und natürlich ist auch die richtige Rebsorte entscheidend, erklärt der Winzer. „Die zugrundliegenden Reben müssen im Geschmack kräftig sein, sodass nach dem Entzug immer noch genug Geschmack für das gelungene Weinerlebnis bleibt“, berichtet Keller.

Im Angebot hat er derzeit zwei Perlweine, davon einer weiß und einer rosé sowie einen klassischen Weißwein. Die Basis bei den Weißen ist ein Gelber Muskateller, der mit seinem leicht süßlichen Geschmack, der an verschiedene Gewürze und Blumen erinnert, mit erstaunlicher Frische überrascht. Selbiges gilt für das fruchtige Aroma der zugrundeliegenden Rosétrauben, die fruchtig prickelnd auf dem Gaumen ein kleines Feuerwerk entfachen. Das Beste daran, auch nach dem dritten Glas ist es möglich, einfach so ins Auto zu steigen und den Weg nach Hause anzutreten, ohne gegen die Promillegrenze zu verstoßen. Sozusagen Genuss ohne Reue.

Weitere Infos zum Weingut finden Sie hier: https://www.weingutkeller.de/

Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf