Fröhlich lernen im Container

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Schulbaustellen und kein Ende

Wenn man das Wort Container hört, denkt man reflexhaft erst mal an die überlangen Züge, die sich gemächlich, aber nur schwer überhörbar, ihren Weg durch den Wormser Bahnhof bahnen. Mit diesen Transportcontainern haben sie natürlich wenig zu tun, auch wenn sie von außen optisch daran erinnern, die unzähligen Schulcontainer, die derzeit die Schulhöfe von Wormser Schulen zieren. Zu tun haben sie allerdings mit der derzeitigen Problematik in Worms, dass eine ganze Reihe von Schulen sanierungsbedürftig sind oder aufgrund von aktualisierten Brandschutzregelungen modernisiert werden müssen. Das kostet Geld und sorgt, sowohl im Stadtrat als auch in der Bevölkerung, für viele Diskussionen. im Fokus der Kritik steht dabei immer wieder Baudezernent Uwe Franz (SPD). Fairerweise muss man natürlich sagen, dass die baulichen Probleme der Wormser Schulen bereits anfingen, als der ehemalige JUWI-Manager noch nicht dieses Amt bekleidete. Und ganz nebenbei kann man auch schon mal die Übersicht verlieren – in Anbetracht der zahlreichen Bauprojekte.

Nibelungenschule:
Das derzeit aufwendigste Bauprojekt dürfte die Sanierung der Nibelungenschule darstellen. Für insgesamt 13,5 Millionen Euro wird das denkmalgeschützte Gebäude generalüberholt. Die Arbeiten erfolgen in mehreren Schritten, derzeit finden diese im sogenannten Metzlerbau statt. Vor kurzem wurden erste Teile fertiggestellt, die die Stadt auch der Presse vorstellte, um den Aufwand zu verdeutlichen, den man betreibt. Da die Klassensäle während der Umbauarbeiten nicht genutzt werden können, wird der Schulhof seit 2014 von gestapelten Containern gesäumt. Insgesamt 730.500 Euro ließ sich die Stadt die Anschaffung dieser modernen Schulcontainer kosten.

Staudinger-Grundschule:
Diese gehören auch zum Gesamtbild der Staudinger Grundschule. Für Schlagzeilen sorgte die Grundschule, als bekannt wurde, dass sich dort während eines Unterrichts die Decke zu zwei Drittel absenkte. Glücklicherweise passierte keinem Schüler etwas. Durch das Gewicht der Deckenverkleidung und der Beleuchtungssysteme hatten sich Nagellöcher geweitet und die Stabilität beeinträchtigt. Da fast alle Räume mit einer solchen Deckenkonstruktion versehen sind, blieb der Stadt nichts anderes übrig, als die Säle zu sperren. Aus wirtschaftlichen Gründen strebt die Stadt mittel- und langfristig einen Abriss und den Bau eines neuen Gebäudes an. Derzeit sind die Grundschüler ebenfalls in Containern untergebracht. Geplant war, dass nach den Sommerferien ein Umzug in die Säle der ehemaligen Staudinger-Hauptschule stattfinden sollte, doch das ist abschließend noch nicht geklärt, denn eigentlich war auch geplant, dass die Schüler des Gauß-Gymnasiums in diese Räume umziehen. Auch dort steht nämlich ein umfangreiches Sanierungsprogramm an.

Karmeliter-Realschule plus, Kerchensteiner-Grundschule und Nelly-Sachs-IGS:
Klar ist hingegen, dass die Schüler der Karmeliter-Realschule plus, die im Moment in dem ehemaligen Hauptschulgebäude der Staudinger unterrichtet werden, nach den Sommerferien in die modernisierte Karmeliter-Realschule plus in der Innenstadt umziehen sollen. Die wird derzeit vergrößert und zur Ganztagsschule ausgebaut. Hier pflastern ebenso Container den Schulhof. Die veranschlagten Kosten belaufen sich derzeit auf rund 11 Millionen Euro, von denen vier Millionen Landeszuschüsse sind. Aufeinander gestapelte Klassensäle mit Aluminiumwänden finden sich auch in großer Zahl auf dem Gelände der Kerchensteiner-Grundschule und der Nelly-Sachs-IGS. Statt eines lauschigen individuell gestalteten Klassensaals heißt es für die Grundschüler: Unterricht im Schulcontainer. Für die Sanierung, Modernisierung und den Ausbau des Standortes wurden rund 30 Millionen Euro bislang investiert. Wenn die Dinge gut laufen, sollen die umfangreichen Bauarbeiten im November 2018 abgeschlossen sein.

Ernst-Ludwig-Schule:
Davon können die Schüler der Ernst-Ludwig-Schule nur träumen, denn dort sollen die Bauarbeiten frühestens 2019 beendet werden. Das historische, denkmalgeschützte Gebäude wird seit 2013 saniert. Hier plant man mit Kosten von ca. 8,4 Millionen Euro. Die Grundschüler werden ebenfalls in Schulcontainern unterrichtet, die sich wiederum auf dem Gelände der Staudinger-Schule befinden.

Ein Überblick über die wichtigsten Schulsportanlagen:
Neben den umfangreichen Maßnahmen an den Hauptgebäuden befinden sich aktuell auch viele Schulsportanlagen im renovierungsbedürftigen Zustand oder müssen sogar komplett neu gebaut werden. Das ehrgeizigste Projekt dürfte derzeit in Pfeddersheim zu finden sein. Auf dem Gelände der Paternusschule entsteht anstelle der alten Einfeldhalle, die fünf Jahre lang nicht genutzt werden konnte, eine moderne Zweifeldhalle. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf rund 2,8 Millionen Euro, das Land fördert das Projekt mit 40 Prozent. Eine Herausforderung im Hinblick auf die löchrige Stadtkasse ist die geplante Errichtung der Dreifeldsporthalle in der Carl-Villinger-Straße und der unweit davon entfernten Elo-Turnhalle, die wegen einstürzender Decken nicht nutzbar ist. Die beiden Projekte sorgen im Stadtrat regelmäßig für Streit. Während das Projekt in der Carl-Villinger-Straße auf dem früheren Gelände der Stadtgärtnerei komplett neu aus dem Boden gestampft wird, soll die marode Turnhalle abgerissen und anschließend neu errichtet werden. In der neuen Sportanlage in der Nähe des Schwimmbads soll später der Sportunterricht der Westendrealschule und der Oberstufe des Eleonoren-Gymnasiums stattfinden, während in der Sporthalle in der Brucknerstraße die restlichen Klassen des Gymnasiums unterrichtet werden. Die Kosten für das Projekt der Dreifeldsporthalle sind derzeit mit fünf Millionen Euro veranschlagt, inwieweit das Land finanziell unter die Arme greift, ist im Moment noch nicht klar. Kalkuliert wird mit einem Zuschuss bis zu 40 Prozent der Kosten. Eine Fertigstellung ist bis 2021 angedacht, danach soll die Elo-Sporthalle neu errichtet werden. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik.

Wie sieht es mit der Ausstattung der Fach-Säle aus?
Zukunftsmusik ist allerdings nicht der Investitionsstau, was die Unterhaltung der Klassensäle angeht. Denn was bringt schon ein runderneuerter Klassensaal, wenn die entsprechende Ausstattung fehlt? Zwar sind in dieser Hinsicht die einzelnen Fördervereine der Schulen sehr engagiert und spendeten im vergangenen Jahr Sachmittel im Wert von 30.886,24 Euro, doch das reicht längst nicht, um einen reibungslosen Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten. Vor kurzem unternahm die Stadtratsfraktion von der FWG Bürgerforum eine Begehung der Fachsäle des Gauß-Gymnasiums, gemeinsam mit dem Schulleiter Gerrit Mennecke. Der lobte zwar die Zusammenarbeit mit Reinigungspersonal und Hausmeistern. „Diese tun, was sie können, um einen angemessenen Unterricht zu ermöglichen, aber auch deren Fähigkeiten haben Grenzen“, verwies er aber auch auf die Defizite. Hauptproblem ist, dass wegen akuter Sicherheitsmängel naturwissenschaftlicher Unterricht derzeit nur eingeschränkt möglich ist. Experimente seien nicht durchführbar, wodurch man nicht die Einhaltung des Lehrplans gewährleisten könne. Nach Expertenschätzung belaufen sich die Kosten pro Fachsaal auf ca. 150.000 Euro, dazu kämen für die Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie je 50.000 Euro für die notwendige Erneuerung der Sammlung. Auch Stadtrat David Hilzendegen (Die Grünen) kritisiert die Situation, nachdem OB Kissel auf eine Anfrage erklärte, dass die Schulen selbst für die Ausstattung verantwortlich seien und schließlich ein jährliches Budget zur Verfügung gestellt werden würde. „Hier werden wir ganz konkret in naher Zukunft Verbesserungen diskutieren müssen. Priorität muss aus meiner Sicht eine auskömmliche Finanzierung aus regulären Mitteln sein, die den Schulen die Möglichkeit eröffnet, sowohl das Alltagsgeschäft zu stemmen, als auch individuelle Schwerpunkte setzen zu können. Die Erhöhung um einen Euro pro Schüler/ in und Schuljahr aus dem letzten Jahr waren nicht der große Wurf und das weiß die Verwaltung auch“, schreibt er in einer Stellungnahme. „Mit Investitionen in die Bildung investieren wir in unsere Zukunftsfähigkeit“, heißt es in einem Zitat des Oberbürgermeisters auf der Homepage der Stadt Worms. Worte, an denen er sich auch messen lassen muss.