Gefangen im Käfig der Gefühle

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Theaterinszenierung „Locked in – Eingeschlossen“

19. November 2017 | Lincoln Theater Worms:

Es ist der ewige Klassiker. Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich ineinander, ziehen zusammen und trennen sich wieder. Eine Geschichte, wie sie weltweit täglich passiert und die auch von Sandra Ledderhos und dem syrischen Flüchtling Hayyan Nofal unter dem Titel „Locked in“ im Lincoln Theater gespielt wurde.

Etwas mehr als eine Stunde lang erzählt das Stück konsequent aus der Perspektive des Paares. Eine mutige Entscheidung, schließlich bedeutete das für die beiden Darsteller, die Regie führten, das Buch schrieben und auch im echten Leben ein Paar sind, höchste Konzentration. Alex geht zum ersten Mal in seinem Leben in ein Café. Dort lernt er Leila kennen. Beide durchleben in der Folgezeit die bekannten Stationen einer Liebe – vom ersten Verliebt sein bis hin zur Entfremdung und der ohnmächtigen Wut des Verlassenen. Hierbei schaffte es der junge theatererfahrene Nofal (er studierte in Damaskus Theater und Schauspiel), seiner Figur eine eindringliche Nähe zu vermitteln. In diesen Momenten ist das Stück mehr als nur ein Beziehungsdrama, das mit dem schlimmstmöglichen Ausgang endet, es ist auch ein Stück über kulturelle Unterschiede. Als Leila ihm vorwirft, sie bei einem Raubüberfall nicht beschützt zu haben und sie ihn zum Gehen auffordert, ist er in seinem Mann-sein gekränkt. Gefangen in seinem patriarchalisch anerzogenen Stolz, gekränkt von einer Frau. Allerdings funktionierte die Dichte nicht immer, dazu war auch das Schauspiel der Beiden zu eingeschränkt, was sich vor allem in den zu leise gesprochenen Dialogen niederschlug. Die Inszenierung geriet, unter zu Hilfenahme von verschiedenen Spieltechniken (Pantomime, Schattentheater, Ausdruckstanz), dennoch flott und kurzweilig. Auch fiel die spartanische Bühnenausstattung angenehm auf. Mit nur wenigen Mitteln gelang es den Beiden, sowohl den Eindruck des Cafés als auch der ersten gemeinsamen Wohnung glaubhaft zu vermitteln. Beherrscht wurde die Bühne von einem symbolischen Käfig.

Fazit: Mutig erzähltes und dargestelltes Stück, das deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.