Stell dir vor, die Wormatia spielt…
…und keinen interessiert es…
637 Zuschauer verirrten sich am 14. März zum ersten Heimspiel von Wormatia Worms nach der Winterpause in die EWR Arena. Gemeinsam mit den treuesten der Treuen schippert man als Tabellensechster dem Ende einer Saison entgegen, die man getrost als verkorkst bezeichnen kann. Von daher liegt der Fokus von Fans und Verantwortlichen schon längst auf der nächsten Saison, in der man endlich wieder oben mitspielen will. Nur das „Wie“ bleibt aktuell noch fraglich.
Da zwar in den letzten Monaten personell viel passiert ist bei der Wormatia, aber in FACEBOOK eher über die nächste Saison diskutiert wurde, wäre der Start nach der Winterpause fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Aber immerhin konnte der Auftakt mit einem 3:2Auswärtssieg beim FV DIEFFLEN durch die Tore von Mert Özkaya (31./56.) und Nico Jäger (37.) als gelungen bezeichnet werden. Aber schon eine Woche später gab es zuhause ein ärgerliches Unentschieden gegen den abstiegsbedrohten SC IDAROBERSTEIN. Ärgerlich deswegen, weil man nach der 2:1Pausenführung durch Niklas Meyer (38.) und Mert Özkaya (45.+2) in der Folge gegen einen harmlosen Gegner zu wenig investiert hat, um den entscheidenden dritten Treffer nachzulegen, sodass die Gäste in der siebten Minute der Nachspielzeit noch den 2:2Ausgleich erzielen konnten. Und über die 0:1Niederlage beim SV AUERSMACHER konnte man ab der zweiten Minute den Mantel des Schweigens hüllen, nachdem Kaan Özkaya sich kurz nach Spielbeginn zum Nachtreten hinreißen ließ und seiner Mannschaft mit einer roten Karte einen Bärendienst erwies. Bezeichnenderweise fiel noch der einzige Treffer des Spiels durch einen von Makanda verursachten Foulelfmeter aus der Kategorie „völlig unnötig“ (62.). Die Wormatia Anhänger, die auch im saarländischen Auersmacher mit einem Fanbus vor Ort waren, reagieren zunehmend wütend oder einfach nur teilnahmslos in Anbetracht der sportlichen Entwicklung der Wormatia. Und ganz ehrlich: Ob es am Ende bei Platz sechs bleibt oder es noch etwas weiter nach oben oder unten geht, ist relativ egal. Deshalb schielen die meisten in erster Linie auf die nächste Saison, in der es nach Aussage der Vereinsverantwortlichen um den Aufstieg gehen soll. Freilich fehlt im Moment noch ein wenig die Fantasie, wie dies gelingen soll. Aktuell hat man es beim VfR mit einer mittelmäßigen Oberligamannschaft zu tun, die an einem guten Tag auch mal einen Favoriten ärgern kann, aber über die Dauer der Saison gesehen zu wenig Qualität und Konstanz mitbringt, um zu den Aufstiegsfavoriten wie 1. FC Kaiserslautern II., den FK Pirmasens oder TuS Koblenz aufschließen zu können. Dass zwischenzeitlich auch der FV Engers und der FC EmmelshausenKarbach die Wormatia überholt haben, macht die Sache im nächsten Jahr gewiss nicht einfacher.
Viel Masse, zu wenig Klasse
Bereits jetzt ist absehbar, dass man auch vor der nächsten Saison einen größeren Umbruch erleben wird. Im dritten Oberligajahr wäre dies der dritte gefühlte „Neuanfang“ – sprich: Es werden mehr Neuzugänge kommen als aktuelle Spieler bleiben. Wenn man jedes Jahr mehr als ein Dutzend neue Spieler integrieren muss, ist die mangelnde Konstanz im Kader etwas, was die Fans der sportlichen Leitung zurecht vorwerfen. Die Liste der Spieler, die in den letzten Jahren plötzlich aufgetaucht und genauso schnell wieder verschwunden sind, ist mittlerweile so lang, dass sich manche Fans die mitunter schwer aussprechbaren Namen gar nicht erst einprägen. Dass es zunehmend schwerer fällt, sich mit der Mannschaft zu identifizieren, kann man den Anhängern vor dem genannten Hintergrund nun wahrlich nicht vorwerfen. Andererseits bringt es auch nichts, Kontinuität in einen Kader zu bringen, für den vor der Saison zu viel Masse statt Klasse verpflichtet wurde. Da ist ein größerer Schnitt unverzichtbar und es muss mindestens die Hälfte der aktuellen Stammelf mit starken Neuzugängen durchmischt werden.
Wer bleibt?
Umso wichtiger war es, dass bereits drei Leistungsträger verlängert haben, die man getrost als Schlüsselspieler des aktuellen Teams bezeichnen kann: Kapitän TOM FLADUNG um ein Jahr, Rechtsaußen NICO JÄGER gleich um zwei Jahre und Allrounder LAURENZ GRAF wird in der nächsten Saison in sein drittes Jahr bei der Wormatia gehen. Dazu kommt Stammlinksverteidiger NICOLAS OBAS, ebenso wie die jungen Wilden VASILEIOS SIONTIS (19 Jahre), LUKAS SUNDIN (21) und Rechtsverteidiger RALDA DE OLIVEIRA (19), die zuletzt allesamt zur erweiterten Stammelf zählten. Zusammen mit Torwart IAN WIEDEMANN (U19) und OMAR HASHEM SAYED (U21) hatte der VfR Mitte März bereits neun Spieler für die nächste Saison unter Vertrag – das war längst nicht immer so. Nach Informationen der Wormser Zeitung steht als Neuzugang bislang Innenverteidiger IBRAHIM KATENDE (Basara Mainz) fest.
Wer geht?
Für Diskussionsstoff sorgten dementsprechend die bereits feststehenden Abgänge zur neuen Saison. Weh tat der Abgang von ALTIN VRELLA in der Winterpause zum SV Hummetroth, ebenso wie der Abschied zum Saisonende von MARC NAUTH, der mit dem Ligakonkurrenten FK Pirmasens zukünftig womöglich Regionalliga spielen wird. Mit TOBIAS EDINGER und LUCA BADERSCHNEIDER, die beide vor der Saison vom SC IdarOberstein nach Worms gewechselt sind, schließen sich zwei weitere Stammspieler dem ambitionierten Hessenligisten SV Hummetroth an. Durch Edingers Abgang verliert man einen guten Oberligatorhüter, aber man kann sich damit trösten, dass es genug talentierte Torhüter auf dem Markt gibt – u.a. sitzt ein gewisser Luca Pedretti seit einem Jahr beim VfR Mannheim nur auf der Bank. Mit Baderschneider verliert man einen soliden Innenverteidiger, dessen technische Möglichkeiten allerdings begrenzt waren. Dagegen konnte sich NOAH MAIER als Mittelstürmer nie richtig durchsetzen und wird nach einem halbjährigen Auslandsaufenthalt zukünftig für den ASV Fußgönheim auflaufen.
Wer soll bleiben?
Bleibt die Frage offen, wer von dem aktuellen Kader noch bleiben soll? Ein Muss sollte die Vertragsverlängerung von MERT ÖZKAYA sein, der mit elf Toren und zehn Assists der TopScorer des Teams ist. Während dieser aber zumeist nur im Doppelpack mit seinem Bruder zusagt, wäre eine Weiterverpflichtung von KAAN ÖZKAYA eher verzichtbar. Alle anderen Spieler des aktuellen Kaders wären keine „Muss“Verlängerungen. Womöglich kann sich noch einer der Innenverteidiger, JABEZ MAKANDA oder der oft verletzte LEO KLEIN, einen Platz
im nächsten Kader sichern? In der Offensive müssten BOBBY EDET, NIKLAS MEYER und DAVID SCHEHL
in den nächsten Spielen noch einige gewichtige Argumente für eine Vertragsverlängerung liefern. Von daher warten die Fans der Wormatia in den nächsten Wochen vor allem darauf, welche Neuzugänge der Verein verpflichtet, um das Abenteuer „Aufstiegskampf“ angehen zu können.
Das Restprogramm
Während hinter den Kulissen die Planungen für die nächste Saison in vollem Gange sind, hat der VfR auch noch elf Saisonspiele zu absolvieren. Die Frage, ob die Wormatia in dieser Saison noch einmal mehr Zuschauer als beim ersten Heimspiel gegen IdarOberstein begrüßen darf, kann in Anbetracht des wenig attraktiven Restprogramms getrost verneint werden. Als „Meistermacher“ kann die Wormatia nicht mehr fungieren, weil die Spiele gegen die beiden Spitzenteams schon stattgefunden haben. Dafür geht es noch gegen drei Teams aus dem erweiterten Spitzenkreis: auswärts gegen FV Engers und TuS Koblenz, zuhause am vorletzten Spieltag gegen den FC EmmelshausenKarbach. Tatsächlich ist aber neben dem Geschehen auf dem Platz viel wichtiger, wie man den Kader der Wormatia hinter den Kulissen spitzentauglich für die nächste Saison machen will. Somit bleibt abschließend nur zu hoffen, dass das Interesse der Wormatia Fans bis zur neuen Saison nicht vollends erloschen ist.
DIE NÄCHSTEN SAISONSPIELE:
04.04., 15:30 Uhr: FC Hertha Wiesbach (A) 11.04., 14:00 Uhr: FV Dudenhofen (H)
15.04., 19:30 Uhr: SV Gonsenheim (A)
18.04., 14:00 Uhr: Arminia Ludwigshafen (H)
25.04., 15:00 Uhr: FV Engers 07 (A)
02.05., 14:00 Uhr: Sportfreunde Eisbachtal (H)



