WORMS.BILDER aus Vergangenheit und Gegenwart

Kleine Riesengasse

„WORMS.BILDER“ aus Vergangenheit und Gegenwart sind eine Homage der Künstlerin Karin Ritzheimer an ihre Heimatstadt. Sie haben im Rathaus den idealen Ort zur Präsentation gefunden. Die Ausstellung beginnt mit der Vernisage am Montag, 19. Oktober, um 17:00 Uhr im 2. Obergeschoss und endet am 18. November 2026. Die Öffnungszeiten des Rathauses sind Montags bis Donnerstag 7.30 bis 16:00 und Freitags bis 12:00 Uhr.

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Adolf Kessel führt Ulrike Schäfer in die Ausstellung ein, anschließend beantwortet die Künstlerin Fragen zur Arbeitsweise.

Karin Ritzheimer erforscht seit Jahren zeichnerisch und malerisch Architektur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Worms, zum Beispiel die großen Industriegebäude, die vernachlässigt, aufgegeben, fremd und unzeitgemäß in ihrer Umgebung wirken. Sie sind Relikte, die noch von der wirtschaftlichen Prosperität des 19. Jahrhunderts erzählen. Die monumentalen, steinernen Fassaden trotzten lange dem Verfall, aber ihre Verletzlichkeit war offensichtlich. Schon während der aufwendigen, detailgenauen Dokumentation sind sie aus dem Stadtbild verschwunden, wie der Verbrauchermarkt auf dem Salamandergelände, die Alte Mälzerei oder das Bahndepot.

Von Dauer sind sie nur im Bild. Für Karin Ritzheimer ist das Mittel der Wahl die zeichnerische und malerische Wiedergabe. Der Arbeitsprozess von der Komposition bis zur Ausgestaltung der Details ist langwierig. Die Künstlerin erlernt die Baustruktur und Oberflächenbeschaffenheit vor Ort, aber auch von ihren Schnappschüssen, die sie zuhause als Gedächtnisstütze heranzieht. Eine fotografische Momentaufnahme strebt sie nicht an. Bei aller Realitätstreue steht eine verdichtete Zusammmenfassung, wobei der malerischen Oberfläche besondere Aufmerksamkeit gehört.

Der Alte Schlachthof, mittlerweile das letzte Wahrzeichen dieser Epoche, ist mittlerweile denkmalgerecht saniert. Neben Industriebauten ist unter anderem der letzte Bauernhof in der Innenstadt zu sehen, dessen Schicksal noch ungewiss ist.

Ein Rückblick in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg macht deutlich, dass Themen wie Abriss, Restaurierung, Umnutzung oder Neubau schon immer kontrovers diskutiert wurden. Ein Gebäude wie die Levy’sche Synagoge wurde nicht erhalten. Die Künstlerin versucht die schwindende Erinnerung in einem zeichnerischen Prozess aufzuzeigen. Die Festigkeit der Fassade, ganz brüchig und löchrig, zerfließt mit dem Hintergrund, nur in markanten Details bleibt eine Ahnung von dem einst schönen Gebäude.

Verbrauchermarkt