„ALLES HAT SEINEN REIZ!“

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Wo! Im Gespräch mit dem Entertainer Jürgen von der Lippe

Ihn als lebende Legende zu bezeichnen, wäre etwas abgeschmackt. Ihn allerdings als Instanz in Sachen Comdey zu sehen, würde ihm schon eher gerecht werden. Jürgen von der Lippe, der Mann mit einem Faible für bunte Hemden, gehört wohl zu den ganz Großen der deutschen Comedy Szene.

Erste Humorsporen verdiente er sich bei den Gebrüdern Blattschuss, jener Gruppe, die mit Blödelsongs wie „Kreuzberger Nächte“ große Charterfolge feierte. 1979 verließ Gründungsmitglied von der Lippe die Gebrüder, um fortan auf eigenen Beinen zu stehen. Mit den von ihm moderierten Sendungen „So isses“ und „Donnerlippchen“ untermauerte er seinen Erfolg als Solokünstler. Dabei zeigte er sich stets wandlungsfähig und schlüpfte in die unterschiedlichsten Rollen und wandelte zwischen Sänger, Moderator, unterhaltsamen Vorleser oder Stand up Comedian. Der in Bald Salzuflen geborene Entertainer (1948) hat allerdings immer noch nicht die Nase voll vom unablässigen Touren. Mit seinem aktuellen Programm „Wie soll ich sagen“ kommt er auch am 11. November 2014 in das Wormser Theater. Vielleicht gibt es dort auch einen Ausblick auf sein im Januar erscheinendes Buch „Beim Dehnen singe ich Balladen“.

Sie touren zurzeit durch Deutschland, halten Lesungen und absolvieren dabei noch ein paar TVAuftritte. Wie finden Sie Ruhe und wie halten Sie sich fit?
Jeden zweiten Tag Sport und viel lesen.

Können Sie das genauer beschreiben?
Ich spiele Tennis, gehe aufs Laufband oder den Crosstrainer und mache spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen für Rücken, Schulter, Knie. Was das Lesen betrifft, so habe ich immer die verschiedensten Bücher dabei, je nach Stimmung und Moment. Zurzeit habe ich unter anderem „Vermächtnis – Die Kohl Protokolle“ oder Torsten Sträter „Der David ist dem Goliath sein Tod“ mit auf der Tournee.

Sie sind 65, einem Alter, in dem sich die meisten Deutschen schon in der Rente befinden. Warum geben Sie sich noch all den Stress?
Weil ich den Zeitpunkt mit 65 verpasst habe und jetzt mit 66 ist es zu spät für Rente. Nein, wir Zirkuspferde sind Triebtäter und brauchen die Bühne.

Wie empfinden Sie das Altern und könnten Sie sich vorstellen, auch mal im Seniorenheim aufzutreten?
Oh, das sind zwei sehr verschiedene Fragen. Das Altern macht mir bis jetzt noch keine Probleme, im Gegenteil, die Altersmilde empfinde ich als wohltuend. Zur zweiten Frage: Offensichtlich waren Sie noch nie in einem Seniorenheim. Die Beschäftigung mit den eigenen Beschwerden überwiegt bei den Bewohnern doch sehr stark das Interesse an irgendwelchen Darbietungen.

Nach über 30 Jahren Comedy, was bringt Sie heute selbst noch zum Lachen bzw. woher beziehen Sie Inspirationen für ihre Bücher und Shows?
Es sind über 40 Jahre und ich lache genauso oft und gern und über alles Mögliche wie früher. Inspiration beziehe ich aus allem und jedem, was mich umgibt. Menschen, Bücher, Zeitungen, andere Medien, alles.

Wie entsteht ihr Tournee Programm? Ist das eine Kombination aus Altem und Neuem oder legen Sie viel Wert darauf, ihr Programm ausschließlich mit neuen Sachen zu bestreiten?
Grundsätzlich ist ein Programm komplett neu. Ich habe aber ein paar all time favorites, Lieblingsgags, die ich immer wieder einbaue, was auch gar nicht auffällt. Und wo es sich anbietet, arbeite ich auch gern mal mit einem Witz, den der eine oder andere dann natürlich kennt, was auch nicht schlimm ist.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem aktuellen Programm „Wie soll ich sagen?“
Die bewährte Mischung aus Stand up-Monologen, Liedern, Parodien, Figuren. Zum ersten Mal hole ich auch Leute aus dem Publikum auf die Bühne und mache Wort- und Musik-Spiele mit ihnen, was sich immer mehr zum Renner entwickelt.

Fernsehen, Film, Lesungen, Bühne! Was ist für Sie als Künstler Ihr Lieblingsmedium und warum?
Alles hat seinen Reiz, aber als aktiver Künstler war und ist die Bühne für mich die Hauptsache, das schließt Lesungen mit ein.

Sie gelten als modische Instanz in Sachen bunte Hemden. Suchen Sie selbst die Hemden aus und haben Sie einen Überblick, wie viele Sie haben?
Es ist im Laufe der Jahre zur Dienstkleidung geworden. Für die verschiedenen Anlässe braucht man auch immer wieder Nachschub. Ich schätze es sind an die 50 Hemden.

Misten Sie selbst aus oder übernimmt das jemand aus Ihrem Stab?
Das übernimmt die Natur, indem die älteren Stücke irgendwann zu klein sind (lacht)!

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!