Aus dem Stegreif zum Sieg

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Wie die Finnin Sonja Hiukka Jahrgangsbeste beim Nibelungenlauf wurde

Hierhergekommen ist sie, um die deutsche Sprache zu lernen, doch das heißt ja nicht, dass man den ganzen Tag hinter der Schulbank verbringen muss. Gerademal vier Wochen war die 17 jährige Sonja Hiukka in Deutschland, als man sie ansprach, beim Nibelungenlauf mitzumachen. Am Ende war sie mit einer Zeit von 51:40 Minuten auf der 10 Kilometerstrecke schließlich die Jahrgangsbeste.

Eigentlich kommt die junge Frau aus dem kleinen Ort Muonio, der nur 200 Kilometer vom Polarkreis entfernt ist. Das entspricht ungefähr der Strecke von Worms nach Köln. Wikipedia zählt ganze 2347 Einwohner. Ein Ort, an dem die Möglichkeiten eingeschränkt sind, in dem es im Sommer knapp über 20 Grad sind und im Winter umso kälter. Demensprechend ist eines ihrer Hobbys Snowboarding, eine Leidenschaft, der sie in Rheinhessen nicht unbedingt nachkommen kann. Laufen hingegen zählte nie zu ihren bevorzugten Sportarten. Nach Worms kam sie Anfang August durch den Rotarier Club Worms, der den Schüleraustausch organisiert. Bei drei Familien wird sie in dieser Zeit leben, zurzeit beim Weingut Schreiber in Worms-Abenheim. In dem idyllischen Wormser Stadtteil absolvierte sie auch das erste und einzige Lauftraining über eine Strecke von knapp 5 km. Zum Nibelungenlauf kam sie ebenfalls durch den Rotarier Club bzw. durch deren Mannschaft AC Nibelungen. Da viele erfahrene junge Läufer am Start waren, rechnete sie sich keine besonders guten Chancen aus. Umso überraschter war sie selbst, als sie als Erste ins Ziel lief. Angesprochen darauf, ob sie nochmal bei einem Lauf starten würde, lacht sie und betont, dass sie sich erst mal auf die Schule konzentrieren möchte, denn im Moment fällt ihr es noch recht schwer, dem Unterricht im Rudi Stephan Gymnasium folgen zu können. Ausgeschlossen ist ein Start bei einem weiteren kleinen Marathon jedoch nicht. Danach gefragt, was der prägnanteste Unterschied zwischen ihrer Heimat in Lappland und Rheinhessen ist, erklärt sie, dass natürlich das Wetter ganz anders, viel wärmer, sei. Auch in Sachen Essen und Trinken unterscheide sich Deutschland sehr von ihrer Heimat. Wein gebe es dort nur gelegentlich an Weihnachten oder Geburtstagen, während in Worms der Wein ständig präsent sei. Auch würde hier viel mehr Wurst und Fleisch gegessen werden. In Muonio, wo sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zusammenlebt, würde viel Gemüse und Lachs auf den Tisch kommen. Wenn Fleisch, dann eher Rentier. Wenn sie zurück in Finnland ist, möchte sie das Abitur machen und schließlich Psychologie studieren. Das würde sie dann auch gerne im Ausland tun, allerdings eher in Österreich, denn die Berge dort möchte sie auch kennen lernen. Zuvor freut sie aber auf ihre Zeit in Deutschland und die folgenden Gastfamilien. Vielleicht sieht man sie in naher Zukunft auch wieder, wie sie beim Zieleinlauf die Arme zum Jubel hochwirft.