Betrifft: WO! – Ausgabe Januar 2017

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In unserem im Januar 2017 herausgegebenen Jahresrückblick veröffentlichten wir unter dem Titel „Nur noch Abzocke? Mangelhafte Getränkeversorgung im Wormser Kultur- und Tagungszentrum“ einen Kommentar in der Rubrik „Flops des Jahres“. Darin beschäftigten wir uns mit Problemen, die aus unserer und aus der Sicht von Kunden in den letzten Monaten bei der Bewirtschaftung der Theaterbesucher aufgetreten waren. Wenige Wochen danach erreichte uns eine Mail der Familie Borgnolo, in der diese ihre Sicht der Dinge, wie es zu der Preiserhöhung kam, darlegte. Wir haben deshalb den Originaltext mit aktuellen Anmerkungen der Familie Borgnolo versehen.

WO! JAN 2017: Als vor fünf Jahren das neu errichtete Kultur- und Tagungszentrum eröffnete, ging dies auch mit der Eröffnung des italienischen Restaurant Sapori einher. Der war ab diesem Zeitpunkt auch der Premium Caterer bei Veranstaltungen in selbigen Räumlichkeiten und tat dies auch zur großen Zufriedenheit der meisten Besucher. Doch dann kam der Festspielsommer 2016. Während im Heylshofpark die Weinpreise schon länger bei 5,- für 0,2 Liter liegen, zog Sapori im Sommer nach und erhöhte die Preise ebenso auf 5.- Euro. Das wäre an sich nur ein kleines Ärgernis, hätte der Gastronom nicht auch noch beschlossen, am Personal zu sparen.

• Vorab sollte man natürlich auch erwähnen, dass die Preise seit Wiedereröffnung des Theaters vor fünf Jahren überhaupt noch nicht erhöht wurden. Zu der Erhöhung selbst erklärte die Familie Borgnolo, dass diese aufgrund von gestiegenen Betriebskosten und der Einführung des Mindestlohnes aus unternehmerischer Sicht unumgänglich war: „Sie zahlen nicht einfach so fünf Euro – sie zahlen fünf Euro für Qualität und für Service.“ Zudem war es natürlich eine unglückliche Unterstellung unsererseits, dass wir in diesem Zusammenhang schrieben, dass der Gastronom gleichzeitig beschlossen hätte, am Personal zu sparen, da sich die Anzahl der eingesetzten Mitarbeiter nach den verkauften Zahlen für das jeweilige Theaterstück richtet.

WO! JAN 2017: Für gewöhnlich gibt es bei Veranstaltungen, die von mehr 350 Zuschauern besucht werden, die Absprache, dass auf beiden Seiten des Theatersaals Getränke und kleine Snacks angeboten werden. Seit der Preiserhöhung ist zumeist nur noch eine Seite geöffnet, was in den letzten Monaten immer wieder zu großer Unzufriedenheit unter den Gästen führte. Besonders skandalös war dies bei der ausverkauften Badesalz-Vorstellung, bei der es außerdem keine Pause gab. Obwohl Getränke nicht in den Theatersaal mitgenommen werden dürfen, verkaufte das Personal bis wenige Sekunden vor Beginn fleißig Getränke. Die Leidtragenden waren das Servicepersonal am Theatersaaleingang, die den verärgerten Kunden den Einlass verwehren mussten, während eine Servicekraft wohl der Mut zum Diskutieren fehlte und die Besucher nebst Getränke einließ. Das stieß wieder einigen Besuchern auf, die abgewiesen wurden. Immerhin war der Getränkeverkauf beidseitig geöffnet.

• Richtig ist natürlich, dass es im laufenden Theaterbetrieb vor Beginn der Vorstellung und vor Ende der Pause die sogenannte Drei-Gong-Regelung gibt, die den Gästen signalisiert, dass die Vorstellung gleich beginnt. Da aber bei den von uns genannten Veranstaltungen viele Gäste anwesend waren, die mit den Ritualen des Theaterbetriebs nicht vertraut waren, hat die Familie Borgnolo sich bereit erklärt, dass man zukünftig mit einem Aushang auf die Regelung hinweisen werde. Ebenso sind seit Anfang des Jahres Hinweise angebracht worden, dass Getränke nicht mit in den Theatersaal genommen werden dürfen.

WO! JAN 2017: Nicht besser sah es im Dezember bei der sehr gut besuchten Familienveranstaltung „Der kleine Prinz“ aus. Trotz knapp 600 Besuchern war wieder nur eine Seite mit drei Servicekräften geöffnet.

• Leider stimmten die Zahlen, die uns von Seiten des Theaters genannt wurden, nicht mit den Zahlen der Familie Borgnolo überein. Diese bekamen 413 verkaufte Tickets als Besucherzahl genannt. Wir gehen davon aus, dass die Differenz dadurch zustande kam, dass die Zahl, die uns vorlag, auch Freikarten, Gutscheine sowie Pressekarten umfasste.

WO! JAN 2017: Dass es auch anders geht, beweist immer wieder aufs Neue der zweite Caterer, die „Integrationsbetriebe IDB“, der zumeist im Wormser Mozartsaal anzutreffen ist. Hier kostet der Wein immer noch moderate 3,50 Euro und es wird für eine entsprechende Personaldichte gesorgt.

• Hierzu sollte man natürlich erwähnen, dass die „IDB“ ein Integrationsbetrieb ist und mit zur Stadt Worms gehört. Das SAPORI hingegen ist ein eigenständiger gastronomischer Betrieb, der sich selbst tragen und sicherstellen muss, dass die Mitarbeiter am Ende des Monats entlohnt und alle laufenden Kosten gedeckt werden. Wie Herr Borgnolo hierzu richtigerweise erklärte: „Sollten wir mit Verlust wirtschaften, erhalten wir von niemandem einen Zuschuss.“

WO! JAN 2017: Es ist unwahrscheinlich, dass der italienische Gastronom die Preise wieder nach unten korrigieren wird. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn dieser seiner Verantwortung wieder nachkommen würde und für einen entsprechenden Personaleinsatz sorgt, schließlich ist für den Ruf eines Theaters nichts schlimmer als schlechter Service. Der Kunde, der für gutes Geld seine Theatertickets kauft, möchte am Ende des Abends schließlich nicht das Gefühl haben, abgezockt worden zu sein.

• Hierzu erklärte der Gastronom: „Sie möchten am Ende des Abends nicht das Gefühl haben, abgezockt worden zu sein. Wie soll das möglich sein? Arbeit mit Liebe und Sorgfalt hat Anerkennung verdient. Keine Diskussion über Preise“. In einem weiteren Schreiben verwies der Gastronom auch auf den Umstand, dass es schwer sei, kompetentes und freundliches Personal zu finden, welches dem Anspruch der Besucher und der Gastronomie gerecht wird.

Natürlich sind auch wir als Redaktion absolut zuversichtlich, dass die Familie Borgnolo sich weiterhin bemühen wird, einen reibungslosen Ablauf der Bewirtschaftung innerhalb des Theaterbetriebs zu gewährleisten, mit dem Ziel, die größtmögliche Zufriedenheit der Besucher zu erreichen.