„Das Ohr führt die Zunge“

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Michael Quast und Philipp Mosetter in: „Goethe: Faust I. Kommentierte Darbietung“

Autorin: Christine Ziegler

09. Dezember 2014
Das Wormser Theater:

„Ich höre, dass du nicht siehst“, so beispielsweise unterbricht Philipp Mosetter regelmäßig, gemäß des Konzeptes, Michael Quast bei seiner Darbietung von Faust I. Dem Autor und dem Multitalent ist eine köstlich komische Inszenierung gelungen: Goethes Faust zog an diesem Abend auch Schulklassen in den Wormser Theatersaal.

Kurz nach 20 Uhr. Minimalistische Kulisse: zwei Schreibtische, eine Lampe, ein Stapel Bücher und beide jeweils mit einer Reclam-Ausgabe versorgt, nahmen die Protagonisten des Abends Platz. Wie erhofft, kann von einer gängigen Lesung nicht die Rede sein, sofern Michael Quast seine Finger mit im Spiel hat. Wie gewohnt in Hemd, Weste und Brille verstellte er die Stimme, stets mit wilden Gesten untermauert, um von Rolle zu Rolle zu switchen: Faust als alter Mann in gebeugter Haltung, scheinbar zahnlos und leise sprechend, mal schreiend, mal krächzend wie eine Möwe. Von Vers zu Vers springend, unter den Anweisungen eines ulkig steifen Philipp Mosetter, schnitten die beiden Passagen mit allen relevanten Figuren des weltbekannten Meisterwerkes Goethes an. Immer wieder unterbricht das Gretchen des Abends, Mosetter (oder „der Geist, der stets verneint und das mit Recht“), den possenhaften Vortrag Quasts, sei es, um auf Fußnoten einzugehen (oft und gerne!), eine Reihe von „Ach“-Interpretationen anzumerken oder um kleine Anekdoten seinerseits (Stichwort „Anita“) einzuwerfen. Als kleines Highlight darf sicher der Auftritt der kleinen Teufelshandpuppe, die den Mephisto darstellte, genannt werden. Unter Zurateziehen des Freud‘schen Wissens und der Quantenphysik wurde interpretiert und veräppelt, ehe der lebendige Abend nach obligatorischer Pause und kleiner Zugabe zu Ende ging. Die beiden sind eine harmonische Kombo. Der britisch-steif anmutende Philipp Mosetter war sehr unterhaltsam. Michael Quast geht ohnehin immer wieder gern!! Es sei ihm verziehen, dass er bei dieser Inszenierung auf Singen und Tanzen verzichtet hatte, so kann er schließlich nicht all seine Talente auf einmal einsetzen!

Fazit: Köstlich amüsiert und mit Lust, mal wieder ein bisschen in einem Goethe-Werk zu schmökern, wurde ich an diesem Abend entlassen. Ganz im Sinne der Schöpfer, denke ich.